Der Plankton-See

Hier sehen Sie eine Zufallsauswahl von „Erinnerungskristallen“, die sich bereits im Textpool befinden.

Journalist, *1957
Sommermärchen | Ja, schönes gemeinsames Public Viewing in der Stadt Leipzig. Und auf dem Weg zum Sender kam ich immer an einem mehrstöckigen Haus vorbei, wo ein Mann im Unterhemd herausschaute. Er hatte die Arme gekreuzt auf einer Deutschlandfahne liegen, mit der er sein Fenster dekoriert hatte. Seltsamerweise muß ich immer an diesen Mann denken, wenn ich dort - fast täglich - vorbeifahre. Ich habe ihn aber nur noch einmal gesehen.

Eine Frau, *1964
Erster Schultag | Mein erster Schultag war überschattet davon, dass mein Vater vergessen hatte seinen Fotoapparat mitzunehmen. Alle anderen Kinder wurden vor der Schule fotographiert nur ich nicht. Die Fotos holten wir später vor der Haustüre unseres Hauses und im Garten nach. Ich war bitterböse und machte ein entsprechendes Gesicht. Erst nachdem wir von dem (äußerst seltenen) Mittagessen in einem Restaurant zurückkamen, war ich versöhnt und konnte auf den nächsten Fotos wieder lächeln.

ein Mann, *1975
Spielzeug | Pickup Truck als Matchboxauto. Den wollte ich unbedingt haben, weil er dem Auto von meiner Lieblingsfernsehserie (ein Colt für alle Fälle) glich. ich habe ihn von einem Klassenkameraden gegen alle meine Biene Maja Kassetten eingetauscht. mindestens 10 Kassetten gegen 1 Matchboxauto. aber damals fühlte ich mich zu alt für Biene Maja. Heute steht das Auto noch in der Garage über dem Waschbecken. Komischer Platz, genauso komisch wie der Tausch damals.

eine Frau, *1965
Spielzeug | Meine Anziehpuppe.

Schüler, *1997
Sommermärchen | Ja! Auch wenn ich immer sehr leidenschaftlich Fußball gespielt habe, habe ich mich nicht besonders fürs Fußball-gucken interessieren können. Dennoch habe ich immer die Deutschland WM-Spiele verfolgt und im Halbfinale gegen Italien, als Deutschland 0:1 hinten lag und mehrmals den Pfosten getroffen hat, den Ball aber einfach nicht rein bekommen hat und das Spiel schließlich 0:2 für Italien ausging, habe ich dann geweint.

Eine Frau, *1950
Spielzeug | Alles, womit man sich verkleiden konnte.

Theologin, *1968
Erster Kuss | Der wurde vorzeitig abgebrochen. Ein großer offener Mund mit nasser Zunge kam auf mich zu - dann nahm ich Reißaus.

Marketingmanager, *1969
Sommermärchen | Ja viele - wenige von Relevanz.

Mann, Außenhändler, *1963
Reise | Oh ja, an viele. Am liebsten an die Reisen nach Griechenland, da wird mir das Herz warm.

Schreiberin, *1982
Erster Computer | Der hat auf meinem Schreibtisch ziemlich viel Platz eingenommen und ich habe ihn als Dekorationsobjekt benutzt, weil ich ihn weder wollte noch brauchte. Sicher hatte mein Vater einen ausrangierten von der Arbeit mitgebracht, aber ich habe mich dem lange verweigert. Bin überhaupt nicht technikaffin.

Eine Frau, *1981
Mauerfall | Ich lag mit meinen Eltern auf der ausgezogenen Bettcouch und wir schauten uns die Ereignisse in Berlin im Fernsehen an. Ich habe die Hintergründe nicht wirklich verstanden, aber mir war bewusst, dass gerade etwas ganz Bedeutendes geschieht und ich hatte Gänsehaut. Diese Masse an sich freuenden Menschen!

Rentnerin, *1948
Erster Kuss | Da komme ich ins Schleudern.........doch, halt! Den ersten Kuss bekam ich auf dem Gymnasium - von einem Mitschüler. Ich war zu früh erschienen und wartete im kleinen Vorraum der Schule..... dort kam nach einer Weile ein älterer Schüler...........der ging nach einer schweigenden Zeit, die wir dort gemeinsam verbrachten, einfach auf mich zu, nahm mich in den Arm und küsste mich!

Schülerin, *2001
Erster Computer | zum 11. Geburtstag! Ich war gerade nach Berlin gezogen...

Pädagoge, *1971
Großeltern | Ja...Es gab häufig eine warme Schokolade oder Marzipan zu Weihnachten.

Ein Mann, *1968
Erster Kuss | Auf jeden Fall. Das werde ich nie wieder vergessen.

Musiker, *1947
Sommermärchen | Ich saß draußen auf dem Balkon und hörte bei jedem Tor die Italiener in der Eisdiele um die Ecke jubeln.

Informatiker, *1967
Erster Schultag | Ja, aber nur teilweise. Ich kann mich noch schwach an die Ansprache in der Aula erinnern. Die Rektorin war sehr klein und hatte einen heftigen Ruf und war schon bei den Eltern bekannt. Die Schule war nach Anne Frank benannt deren Geschichte uns auch gelehrt wurde.

Eine Frau, *1968
Mauerfall | Ich war in der WG meines damaligen Freundes und wir alle starrten fassungslos in den Fernseher. Ich weiß noch, dass ich weinen musste, weil ich so von der Freude der Menschen ergriffen war. Aber was das alles so für die Zukunft zu bedeuten hatte, das konnte ich damals nicht einschätzen.

Eine Frau, *1965
Millennium | Privat-Party

Pädagoge, *1971
Erster Kuss | Auf einer schönen kleinen Bank im Park

Herr von und zu ..., *1968
Stau | Auf dem Weg zu meinem Arbeitsplatz, dieser liegt ca. 30 km von meinem Wohnort entfernt, muss ich täglich zweimal die Autobahn benutzen.
Daher wundert es mich ein wenig behaupten zu können, ich habe zwar schon des Öfteren in einem Stau gestanden, aber nicht so häufig, wie es statistisch zu erwarten wäre.

Pensionierter Lehrer, *1941
Millennium | Nicht anders als sonstige Jahreswechsel.

Arzt, *1977
Erster Kuss | auf die Wange im Ferienlager, ich war wohl aufgeregt, mehr aber nicht

Eine Frau, *1968
Großeltern | Nur eine Oma lebte noch als ich geboren wurde. Sie wohnte in Hannover und hatte Lieblingsenkel. Ich gehörte nicht dazu.

Arzt, *1977
Großeltern | Opa fegte sonnabends Hof und Gasse und putzte den Spaten aus dem Reichsarbeitsdienst nach dem Umgraben immer mit Öl. Oma stand in der Waschküche in Kittelschürze, Fliegen surrten aus der Sommerhitze herein, sie buk Kartoffelpuffer und kochte Apfelmus.

eine Schülerin, *1997
Mauerfall | ne

Lehrer, *1986
Gedicht | Nein.

Eine Frau, *1950
Erster Computer | Ja, das war ein gebrauchtes Modell, mit dem ich aber bald vertraut wurde.

Fotografin, *1963
Gedicht | Ein Gebet: Müde bin ich geh zur Ruh, schließe beide Äuglein zu, Vater lass die Augen Dein, über meinem Bette sein. Hab ich Unrecht heut getan, sieh es Lieber Gott nicht an, deine Gnad' und Jesu Blut, machen allen Schaden gut.

Studentin, *1985
Erster Kuss | Der war gar nicht so schlecht.

Apothekerin, *1954
Großeltern | Ja. Die ältere Oma ist erst mit 97 gestorben, da war ich schon 42. Sie hat fast das ganze 20.Jahrhundert erlebt! Die andere Oma ist nur 60 geworden, sie war die erste Tote in meinem näheren Umfeld, das hat mich sehr beschäftigt als 12-jährige.

Herr von und zu ..., *1968
Mutter | Meine Mutter versuchte uns allen eine angenehme Zeit zu ermöglichen. Sie war pflichtbewusst und ich denke man konnte sich auf sie verlassen. Sie hatte sehr viel Freunde daran, Neues auszuprobieren.
Dies betraf besonders ihre Experimentierfreudigkeit bei der Zubereitung von Nahrungsmitteln. Hierbei traf sie allerdings nicht immer unsere kulinarischen Präferenzen. Trotzdem vielen Dank, Mutter!

Hersteller, *1963
Stau | Als Jugentlicher bin ich mal getrampt. Mein Fahrer hat sich während der Stauumfahrung verfahren und musste sich wieder hinten einreihen. Da er bei der freiwilligen Feuerwehr war, hat er sein Klemm-Blaulicht aufs Dach gesetzt und ist am Stau vorbeigefahren.

Angestellter, *1969
11. September 2001 | Der ewige Nieselregen. Das Internet war blockiert. Das großartige, dunkle Konzert von RADIOHEAD in der Parkbühne Wuhlheide. Ich wollte kein Fernsehen gucken, wollte mich von dem Bild nicht fangen lassen, habe wirklich drei Tage lang den Fernseher gemieden.

Fahrlehrer, *1935
Mutter | Die beiden Weltkriege und der Verlust ihres Mannes in 1944 hatten sie erheblich belastet. Von ihren beiden Söhnen verlangte sie Ordnung, Sauberkeit, Disziplin und erwartete unsere Bereitschaft, in den sehr schlechten Nachkriegsjahren zur Übernahme von Verantwortung für unser gemeinsames Leben. Pflichterfüllung verlangte sie, wobei sie vor Härte nicht zurückschreckte. Immer war sie treusorgend.

Blumenbinderin, *1969
Spielzeug | Äste, Stöcke, Steine, Federn und der olle Einschlafteddy.

eine Frau, *1965
Großeltern | Ja, viele. Sie haben mich aufgezogen

Blumenbinderin, *1969
Millennium | Mit Unmengen fremder und naher Menschen, feiernd und trinkend und lachend.

Pensionierter Lehrer, *1941
Großeltern | Nur an eine Grossmutter, die starb, als ich elf oder zwölf Jahre alt war. Die anderen kenne ich nur von Bildern.

Fotografin, *1963
Erster Schultag | Freudig, Hand in Hand mit meiner Zwillingsschwester, von der Mama begleitet.

Soziologe, *1981
Großeltern | Vor allen Dingen an meine Großmutter mütterlicherseits, die bereits verwitwet war, als ich geboren wurde. Jedes Wochenende besuchten wir sie, spielten in der alten Backstube (eine Konditorenfamilie), kletterten im Kirschbaum oder gingen ans Flusswehr. Den ersten und zweiten Weihnachtstag verbrachten wir auch immer dort, die ganze Großfamilie, mit die glücklichsten Tage meiner Kindheit.

Kommunikationsmanagerin, *1980
Erster Schultag | Nein, nur an das Kleid, das ich trug, und die Schultüte, die später noch jahrelang im Regal lag.

Frau, *1978
Millennium | Mit Freunden auf einer Party. Es gibt ein Foto von mir und einer Freundin, auf dem wir sehr desillusioniert schauen. Dafür ist aber das Foto ein kompositorisches Meisterstück (Zufall).

Sozialpädagogin, *1954
Mauerfall | Ja, es war sehr aufwühlend, da ich in Dresden geboten bin und unsere Familie seit dem Mauerbau getrennt war.

Soziologe, *1981
Erster Schultag | Unwesentlich. Ich erinnere mich, dass unsere Klassenlehrerin uns zum Schreien aufforderte. Später fragte ich meine Eltern ganz aufgeregt, ob sie uns haben schreien hören. Ich fand es offenbar ungemein bemerkenswert, dass Erwachsene Kinder zu so etwas ermutigen können.

Mann, Außenhändler, *1963
Mutter | Sie war eine arme Frau.

Ein Mann, *1966
11. September 2001 | Ich war in Frankfurt und es wurden Züge geräumt und Bahnsteige gesperrt wegen Bombenwarnungen. Dieser Tag hat mich politisch verändert, da ich sofort das Gefühl hatte, da stimme etwas nicht.

pensionärin, *1944
Mauerfall | vage.ich dachte noch, jetzt badet ganz deutschland in rührungstränen, die dann im alltag allzu schnell versiegen.

eine Schülerin, *1997
Erster Computer | Ich hätte jetzt gern schon wieder einen anderen.

Mann, *1967
Mutter | Sie war sehr gut zu uns, von ihr habe ich einiges, zum Beispiel eine gewisse Scheu vor Risiken und Konflikten. In unserer Familie hatte sie wohl die "Richtlinienkompetenz". Hoffentlich bleibt sie noch lange gesund.

Frau, *1978
Sommermärchen | Es war größtenteils schönes Wetter, oder?

Rentnerin, *1948
Mauerfall | Oh ja! Jubilate.................. ich erinnere auch den Tag des Mauerbaus!!!!

Steuerberaterin, *1979
Gedicht | Nicht wirklich - irgendwie kann ich mir nie mehr als ein paar Zeilen merken... wegen meiner Tochter kenne ich aber Kinderreime - Meine Mi- meine Ma- meine Mutter schickt mich her; ob der Ki-, ob der Ka, ob der Kuchen fertig wär; wenn er ni-, wenn er na-, wenn er noch nicht fertig wär; käm ich mi-, käm ich ma-, käm ich morgen wieder her.

Mann, *1967
Möbel | Meine Eltern hatten eine sogenannte Musiktruhe, eine Art Anrichte, die oben aus einem Radio bestand und unten, hinter einer Klappe, einen Plattenspieler und Aufbewahrungsmöglichkeit für Singles beherbergte. Für die heutige Generation iPod wohl unvorstellbar. Irgendwann ging das Teil auf den Sperrmüll.

Schüler, *1997
11. September 2001 | Nein, ich war noch zu jung.

Künstlerin, *1966
Sommermärchen | Nein. Kein Interesse.

Mann1959
Millennium | Damals noch an meiner ersten Arbeitsstelle, mit Veränderung befasst. Bewerbung läuft grade, aber geht dann doch negativ aus (gut so!). Letze Silvesterfeier an diesem Ort mit angereisten Feunden.

Buchhändlerin, 1962, *1962
Millennium | In karlsruhe vor dem Rathaus mit Freunden.

Bankkaufmann, *1950
Prominenz | Sogenannten Prominenten bin ich schon mehrmals begegnet. Darunter sind die Schriftsteller Günter Grass, Siegfried Lenz u. Martin Walser. Rudolf Kinau hat mir schon 1966 ein Buch signiert. Auf Konzerten habe ich internationale Stars wie Bruce Springsteen, Paul McCartney, Tom Petty u. The Eagles gesehen. Berühmte Schauspieler, z. B. Armin Mueller-Stahl u. David Bennent haben mir Autogramme gegeben.

Krankenschwester, *1980
Millennium | Weiß ich nicht mehr. Silvester bedeutet mir nicht viel. Mit Familie und einem Glas Sekt um Mitternacht.

Ärztin, *1955
Millennium | Ich glaube, ich habe ihn verschlafen oder hatte Nachtdienst, jedenfalls war es für mich nichts Besonderes.

med. techn. Asistentin, *1052
Millennium | auf dem Dach eines Altbaus in Hamburg Eppendorf mit meinen 3 Töchtern

Lehrerin, *1983
11. September 2001 | Ja. Ich kam nach Hause und meine Mutter hatte das Fernsehgerät angestellt, was sonst tagsüber nie der Fall war. Da wusste ich, dass etwas Schlimmes passiert sein musste.

med. techn. Asistentin, *1052
Erster Kuss | ja, sehr genau

Eine Lehrerin, *1970
11. September 2001 | Ich habe in dem Moment den Fernseher eingeschaltet, als das 2. Flugzeug in den 2. Turm geflogen ist. Geweint habe ich.

Buchhändlerin, 1962, *1962
Erster Schultag | Ja, ich war ganz stolz, weil ich 2 Schultüten hatte und schon etwas lesen konnte.

Ingenieur, *1977
Erster Schultag | Ja, einige meiner Kindergartenkumpels kamen mit mir zusammen in die gleiche Klasse, komisch war es, dass auch noch andere Kinder in der selben Klasse waren, die ich vorher nie gesehen hatte. Es war super, dass ich neben meiner Kindergartenfreundin sitzen konnte!

Blumenbinderin, *1969
Mauerfall | Ein Wahnsinnstag im ersten Rausche, die folgenen Tage und Nächte schien alles möglich zu sein.

dramelia, *1991
Erster Computer | Oh ja, der existiert sogar immer noch. Das war ein alter weißer Desktop-PC mit Windows 98. Noch ein Röhrenbildschirm und so ein Big Tower, der immer Krach gemacht hat, wenn ich eine CD eingelegt habe.

Malerin, *1950
11. September 2001 | Ich schaltete am Nachmittag zufällig den Fernseher ein und konnte kaum glauben, was ich da sah. Das Geschehen, wie die Flugzeuge in die Türme flogen wurde immer und immer wieder wiederholt.

Lehrer, *1986
Millennium | Als 13-Jähriger mit meinen Eltern. Bei uns ging es immer ans Waldhaus, einem Aussichtspunkt mit Blick auf das Feuerwerk in der Stadt. Allerdings habe ich nichts besonderes in Erinnerung, war alles wie immer.

Eine Frau, *1948
Gedicht | Einige, als erstes fällt mir "Der alte Tibettteppich" von Else Lasker-Schüler ein: Deine Seele, die die meine liebet ...

dramelia, *1991
Großeltern | Ja, klar! Ich kann mich an ein Ereignis sehr gut erinnern: Mein Großvater väterlicherseits hat mich in unserem alten Haus mal heftigst durchgekitzelt, als ich noch klein war. Meine Schwester (damals ein paar Jahre alt) fand das so lustig, dass sie mitgelacht hat, nach hinten gekippt ist und sich den Kopf am Heizkörper aufgeschlagen hat.

Ingenieur, *1977
Mauerfall | Ja, meine Großtante kam uns dann das erste mal besuchen!

Redakteurin, *1966
Sommermärchen | Ja, ich fand es nervig.

Ingenieur, *1952
Gedicht | Viele habe ich vergessen,oder kenne sie nur noch fragmenthaft. Aber den Zauberlehrling kann ich noch heute, was die Jugend erstaunt.

Mann, *1975
Großeltern | Meine Großmutter mütterlicherseits (*1912). Herzliches Zentrum der Familie, die über ganz Deutschland zerstreut war. Ein Leben über das ganze Jahrhundert. Zwei Diktaturen. Flucht aus der DDR. Drei Kinder, sechs Enkel und vier Urenkel. Sie überlebte zwei ihrer Kinder und zwei Enkel.
Meine letzte Erinnerung, als wir mit meiner Tochter, ihrer vierten Urenkelin, bei ihr zu Besuch erzählte sie aus ihrem Leben. Wir tranken reichlich Wein, auch meine Stillende Frau, die deshalb ein schlechtes Gewissen hatte. Als wir zu Bett gingen, setzte Oma ihre Perücke ab und sagte "Feierabend!"

Musiker, *1963
Erster Schultag | Ja. Es war der Tag, an dem ich realisierte, dass ich nun eingezogen werde in gnadenlose Langeweile, sinnlose Vorschriften, in die öffentliche Verdammnis jeglicher persönlichen Ansicht der Welt, in stupide Disziplinierung und in das Mitansehen-Müssen der kollektiven Zerstörung aller Individuen, die persönliche Züge nicht nur zeigten, sondern vielleicht nur schon ahnen liessen. Es war der Tag, an dem ich die Hoffnung auf ein freudvolles Leben ein für alle mal fallen liess.

Journalist, *1957
Erster Schultag | Volksschule - wie das in Bayern hieß - nicht, aber Gymnasium schon. Das war ein Internat, und am ersten Tag, bei der Ankunft mit Schülern aus allen Gegenden Deutschlands, gab es heißen Kakao aus großen verbeulten Alukannen und Schneckennudeln.

Studentin, *1994
Erster Kuss | Ja, der fiel beim wohl schrecklichsten Film für ein erstes Date.
Ich war 15, er 14.

Informatiker, *1967
Sommermärchen | Ja, hoffentlich ist Mist bald vorbei dachte ich.

Ärztin, *1955
Spielzeug | Eine Schildkrötpuppe, die ich einem anderen Mädchen geschenkt habe zum Trost, weil ihre Mutter gestorben war.

Eine Lehrerin, *1970
Erster Computer | Ja. Der hatte noch grüne Schrift. Ich war begeistert, weil ich meine Hausarbeiten für die Uni jetzt endlich etwas entspannter schreiben konnte. Das Korrekturlesen wurde nicht mehr zur Angstpartie.

Eine Frau, *1968
Spielzeug | Ich habe sehr gern mit meinem Kaufmannsladen gespielt, die Kasse war das beste daran. Ich liebte es auf den Tasten zu tippen, wollte später unbedingt Kassiererin werden. Bald bekam ich daher auch einen Taschenrechner - wohl damit ich mich mehr mit Mathematik beschäftige und meinen Berufswunsch noch einmal überdenke.

Ein Mann, *1968
Spielzeug | Es war ein vollgesabberter Hase. Meine Mutter hat den mal gewaschen, den wollte ich dann nicht mehr.

Rentnerin, *1948
Gedicht | Herr von Ribeck zu Ribeck im Havelland, ein Birnbaum in seinem Garten stand.....allerdings kann ich es nur noch bruchstückhaft. Es gab im Familienbesitz einen Federhalter, der aus dem Birnbaum in Ribbeck gemacht worden sei........

pensionärin, *1944
11. September 2001 | es war ein furchtbarer schock!!

Schülerin
Erster Schultag | Ist bei mir noch nicht so lange her. Ich hatte eine Schultüte mit Pferden drauf. Ich habe Schokolade, bunte Zopfbänder, Geld und ein Wilhelm-Busch-Buch bekommen.

Soldat, *1966
Reise | Mit meiner zweiten Frau in die Normandie, erste gemeinsame Reise zum 60. Jahrestag der Landung. Ein Onkel von mir ist da bei Caen vermißt.
Viele orginale Fahrzeuge und Uniformen mit viel Liebe zum Detail. In Deutschland undenkbar. Dort aber gute Stimmung und alle sind sehr freundlich zu uns. Abends in St. Mere Eglise mit echten amerikanischen Fallschirmjägern gefeiert.

Angestellter, *1969
Sommermärchen | Wetter war schön und die nervige Patriotismus-Ballermann-Stimmungskacke begann.

eine Schülerin, *1997
Erster Schultag | Als mir ältere Schüler vorgelesen haben, fand ich das beeindruckend und bildete mir ein, dass auch schon zu können.

Mann, *1965
Prominenz | Ja, das war im Alter von 20 Jahren in Essen, ein Rennfahrer, welcher zu der Zeit recht aktiv und erfolgreich war. Eine Begegnung auf einer Veranstaltung in Essen, sehr netter Kontakt, menschlich, ohne Berührungsängste.

Krankenschwester, *1980
Mauerfall | Nicht bewusst. Aber die Stimmung dieser Zeit hab ich schon mitbekommen und die Bilder stark vor Augen. Wir haben Verwandte in der Nähe von Leipzig und ich hab schon gemerkt, das da was besonders im Gang war. Ich wusste was DDR war und kann mich gut an die strengen Grenzkontrollen erinnern.

Anwalt, *1965
Prominenz | Ja, ich saß einmal in der Met in New York hinter Henry Kissinger, der mit seiner tiefen Stimme seine Verwandtschaft dirigiert und platziert hat. Er hat sich dann - es dauerte etwas - umgedreht und für die "Störung" entschuldigt. Jim Kerr von den Simple Minds hat mir nach einem Konzert in Stuttgart ein Autogramm auf einer 1 Pfund-Note gegeben, weil ich kein Papier hatte, dass ich ihm hinhalten konnte.

Professor, *1960
Vater | »Mein Vater war der erste Mensch, den ich habe lesen sehen, und das entschied über mein Leben.« (Ludwig Harig) Mit einem Buch saß er abends im Sessel, die Füße hoch, ein Glas Mineralwasser neben sich. Als wir noch klein waren, nahm er uns auf seine Baustellen mit. Unterwegs gab es eine Bockwurst und einen halben Liter Milch. Im Keller hatte er sich eine Werkstatt eingerichtet.

Redakteur, *1964
Möbel | Ich hatte ein Ausziehbett. Es war grün gepolstert. Tags diente es als Sofa. Die Holzklappe als Rückenlehne. Dahinter war mein Spielzeug. Wenn ich krank im Bett lag, hatte ich es immer griffbereit, ohne aufstehen zu müssen.

Röntgenassistentin, *1968
Spielzeug | Ein Holzpferd das von einem alten Karusell stammt. Mit echtem Fell. Das ist jetzt ganz abgescheuert und steht im Keller.
Gummihopse habe ich auch gern gespielt.

Typographikerin, *1949
Erster Schultag | Nein. Daran erinnere ich mich überhaupt nicht. Weiss gar nichts mehr.

Soldat, *1966
Tiere | Hund. Weil ich seit meiner Kindheit immer Hunde um mich habe. Sie hören zu, geben wenig Widerworte und wenn man auf die Jagd geht, so wie ich, dann gehört ein Hund dazu. Wir hatten eigentlich immer Hunde, später auch Katzen. Und beide Parteien lebten immer friedlich nebeneinander. Ich bin auch immer wieder erstaunt, wie gut unser Terrier klettern kann, ob er sich das von den Katzen abgeguckt hat.

Eine Frau, *1981
Sommermärchen | Ich habe keine speziellen Erinnerungen. Allerdings habe ich die heitere Stimmung genossen.