Der Plankton-See

Hier sehen Sie eine Zufallsauswahl von „Erinnerungskristallen“, die sich bereits im Textpool befinden.

Pensionierter Lehrer, *1941
Mauerfall | Am Morgen nach der Öffnung der Mauer habe ich eine Flasche Sekt und ein paar Gläser ins Lehrerzimmer mitgebracht - seltsam, nur wenige Kollegen verstanden gleich, was der Anlass dazu war. Na ja, das war eben in Oberbayern. Und am Nachmittag habe ich einen gebrauchten Fernseher gekauft, um die Bilder von der Öffnung und danach zu sehen. Das grösste Ereignis in meinem "öffentlichen" Leben.

Rentnerin, *1948
Erster Schultag | Eine Junglehrerin hatte uns als erste Klasse. Nach der Zeremonie, an die ich mich nicht erinnerte, verbrachten wir eine, DIE erste Stunde mit der Lehrerin. Wir sollten unseren Namen sagen. Hans-Jürgen sagte: Nein, meinen Namen sag' ich nicht! Das ist mir mehr hängen geblieben als alles andere...........ich fand ihn SEHR mutig!!!

Buchhändler, *1975
Großeltern | Meine Großvater (vaterseits)starb als ich zwei Jahre alt war, weshalb ich keine eigenen Erinnerungen an ihn habe. Von Fotos und aus Erzählungen weiß ich aber dass ich zu seinem Geburtstag das erste Mal gelaufen bin, und zwar durch den Garten zu ihm hin, mit einem Blumenstrauß in der Hand. Das sei sein schönstes Geburtstagsgeschenk gewesen. Es gibt sogar ein Foto davon.

Personalreferentin, *1947
Großeltern | Ja, viele! In der Nähe von Dagebüll in einem bescheidenen Häuschen am Fuße eines Deiches im Kleiseer-Koog in Nordfriesland besaßen sie eine kleine, einfache Bauernstelle zur Selbstversorgung, keine großen Länderein, ein paar Wiesen. Ich erinne mich nur an die Schafe. Oma saß meistens - schwarz gekleidet - im dunklen Wohnraum, in der "Stube". Das war mir unheimlich war, auch sie war mir unheimlich. Sie war fast blind und sprach kaum. Opa trank gern in der Dorfkneipe einen über den Durst, wenn er von der Feldarbeit abends dort "länger" einkehrte, hatte wohl keine Lust, nach Hause zu gehen, kann ich verstehen. Er schwankte dabei oft und Oma war "not amused". Ihn mochte ich ganz gern, die Oma aber nicht.

Schülerin
Erster Schultag | Ist bei mir noch nicht so lange her. Ich hatte eine Schultüte mit Pferden drauf. Ich habe Schokolade, bunte Zopfbänder, Geld und ein Wilhelm-Busch-Buch bekommen.

Ärztin, *1955
Erster Computer | Das ist noch nicht lange her, erst 2010 bekam ich meinen ersten Laptop und habe mich autodidaktisch abgequält. Noch heute macht er Dinge, die ich nicht verstehe und ich kann die ganzen Zaubereien noch immer nicht recht nutzen.

Schreiberin, *1982
Erster Computer | Der hat auf meinem Schreibtisch ziemlich viel Platz eingenommen und ich habe ihn als Dekorationsobjekt benutzt, weil ich ihn weder wollte noch brauchte. Sicher hatte mein Vater einen ausrangierten von der Arbeit mitgebracht, aber ich habe mich dem lange verweigert. Bin überhaupt nicht technikaffin.

Buchhändler, *1975
Erster Kuss | Zwischen dem ersten Händchen Halten und dem ersten Kuss lag bei mir und meiner ersten Freundin ein halbes Jahr. Das entwickelte sich ganz zaghaft. Der erste Kuss war an der Bushaltestelle morgens vor der Schule. Wir standen da vor der Schule noch zusammen. Bis dann jeder in seine Schule ging. Sie Aufs katholische Mädchengymnasium, das es heute noch gibt und ich aufs gemischte Gymnasium.
Ich musste mich strecken, denn Sie war größer als ich. Der erste Kuss war überraschend warm und feucht.

Eine Frau, *1981
Sommermärchen | Ich habe keine speziellen Erinnerungen. Allerdings habe ich die heitere Stimmung genossen.

Psychologe, *1969
Erster Kuss | Sehr zaghaft und vorsichtig waren wir beide. Der erste war kein Zungenkuss.

Ingenieur, *1977
Mauerfall | Ja, meine Großtante kam uns dann das erste mal besuchen!

Ingenieur, *1952
Großeltern | Ja, aber nur an meine Großmutter väterlicher Seits. Alle Anderen waren schon tot. Und dann habe ich mit 14 Jahren erfahren, das dies nicht meine leibliche Oma war. Das hat der Liebe aber keinen Abbruch getan. Ich habe sie sehr verehrt.

Schüler, *1997
Erster Schultag | Nein, nicht mehr wirklich. Ich weiß nur noch, dass wir alle in einer großen Halle saßen und darauf warteten aufgerufen zu werden. Dann sind wir nach vorne gegangen und haben uns zu den neu eingeschulten gesetzt.

pensionärin, *1944
Erster Kuss | ich war " schon " 16
längst überfällig. alle meine freundinnen hatten bereits geküsst. den inhalten diverser romane zufolge hatte ich bestimmte aufregende vorstellungen.
als sich dann die gelegenheit bot, es war eine vollmondnacht, das objekt meiner begierden führte mich an einem kleinen see vorbei, auf dem schwäne dahinglitten, es hätte keine bessere kulisse sein können für mein vorhaben..... beutelte mich ein lachanfall. das alles erschien mir dermaßen grotesk.
der arme junge dauert mich heute noch, zumal ich, in etwas reiferem alter, der sache durchaus begeisterung entgegen brachte.

eine Frau, *1965
11. September 2001 | Ja. Wir hatten Konferenz, eine Kollegin kam die Treppe herunter und sagte, es habe einen Terroranschlag gegeben.

Geograph, *1953
Vater | Habe ihn erst mit 44 Jahren kennengelernt. Interessant die vielen Übereinstimmungen und Vorlieben, obwohl man sich nicht kannte.

Ärztin, *1951
Sommermärchen | Wochen guter Stimmung und viele Begegnungen

Redakteurin, *1966
Erster Schultag | Dunkel. Er fand in einer Art "Baracke" statt. Ich fand das alles eher bedrohlich.

Pensionierter Lehrer, *1941
Gedicht | Clemens Brentano: Was reif in diesen Zeilen steht...

Rentnerin, *1948
Sommermärchen | Nein

Eine Frau, *1948
Erster Schultag | Mit sehr gemischten Gefühlen. Meine Eltern mussten arbeiten. Ich war das einzige Kind, das an diesem Tag nicht von den Eltern begleitet wurde. Den Schulweg hatten meine Eltern mit mir vorher geübt. Das übliche Foto, Kind mit Schultüte im Arm, gibt es daher nicht, das musste extra bezahlt werden. Ich habe nur ein Gruppenfoto, im Hintergrund ein Priester, ich wurde in Berlin in einer katholischen Schule eingeschult.

Mann, *1965
Reise | Ja, die erste Reise nach Berlin, welche ich von meiner Frau zum 40. Geburtstag geschenkt bekommen habe, besonders an die Einfahrt des Zuge in den Bahnhof Zoo und die ersten Schritte in dieser wunderbaren Stadt.

Ärztin, *1951
Gedicht | in meiner Muttersprache französich

Buchhändlerin, 1962, *1962
Erster Schultag | Ja, ich war ganz stolz, weil ich 2 Schultüten hatte und schon etwas lesen konnte.

Eine Frau, *1980
Sommermärchen | Tolle 4 Wochen! Ich hatte gerade das Studium beendet. Als "Generation Praktikum" blickte ich in ein "Nichts". Dank des "Sommermärchens" bei bestem Wetter ließ sich das wunderbar vergessen und einfach nochmal so lange so unbeschwert feiern wie wohl nie wieder.

Norddeutscher, *1962
Mauerfall | Am Tag des Mauerfalls habe ich den ganzen Nachmittag und Abend rumgehangen und im Fernsehen hin- und hergeschaltet und bin dann beim DDR Fernsehen hängengeblieben, war in Hamburg im Kabel, deswegen habe ich die Verlautbarung von Schabowski life gesehen. Ich glaube, ich habe in der Nacht darauf überhaupt nicht geschlafen, man spürte, dass soeben Geschichte geschrieben worden war. Vor allen Dingen auch nach der Vorgeschichte, nach diesem - politisch gesehen - sehr stürmischen Jahr 1989.

Eine Frau, *1981
Mauerfall | Ich lag mit meinen Eltern auf der ausgezogenen Bettcouch und wir schauten uns die Ereignisse in Berlin im Fernsehen an. Ich habe die Hintergründe nicht wirklich verstanden, aber mir war bewusst, dass gerade etwas ganz Bedeutendes geschieht und ich hatte Gänsehaut. Diese Masse an sich freuenden Menschen!

Theologin, *1968
Sommermärchen | Ich hatte eine Karte für das Viertelfinale D:ARG. Mein damaliger Mann hatte sie als Bonus seines Arbeitgebers erhalten und interessierte sich nicht dafür. So konnte ich mich darüber freuen. Da er krank geworden war, gab er sie aus "Pflichtbewusstsein" zurück. Ich konnte ihn nicht überzeugen sie zu behalten. So kam ein UPS-Mitarbeiter und brachte die Karten zu jemandem, der das sehen konnte, worauf ich mich so lange gefreut hatte.

Krankenschwester, *1980
Millennium | Weiß ich nicht mehr. Silvester bedeutet mir nicht viel. Mit Familie und einem Glas Sekt um Mitternacht.

Rentnerin, *1948
Mauerfall | Oh ja! Jubilate.................. ich erinnere auch den Tag des Mauerbaus!!!!

Kaufmann, *1965
Erster Schultag | Ich erinnere mich noch sehr genau daran. Ich wußte schon an diesem allerersten Schultag: Schule ist nicht mein Ding ! Ich bin dann auch keinen einzigen Tag gerne zur Schule gegangen. Völlig anders verhielt es sich mit der Universität. Dort bin ich regelrecht aufgeblüht !

Ein Berliner aus Duisburg, *1962
Großeltern | Nur an die Großmütter, die Opas waren beide schon tot. Die MutterMutter lebte in der Nähe und war eine recht einfach gestrickte Frau. Mama hat sie wohl gehasst, weil sie von ihr als Kind häufig geprügelt wurde, ihren Vater vergötterte sie. Zu mir und den Brüdern war sie immer gut und freigiebig.
Die VaterMutter habe ich nur einmal gesehen. Sie lebte in der DDR und war in den frühen 70ern einmal zu Besuch.

Eine Frau, *1964
Großeltern | Mütterlicherseits an meine Großmuttr. Den Großvater habe ich nicht kennengelernt. Er ist im Krieg gefallen.Mit meiner Großmutter verbinde ich Heimat, Geborgenheit, Wurzeln, auch Selbstzurücknahme bis zur Selbsverleugnung, Dresden und das Erzgebierge. Väterlicherseits an beide Großeltern. Mit meiner Oma verbinde ich Strenge, Kuchenessen, Dorftrasch, bestimmte Gerüche, wenn sie den Küchenschrank öffnete. Mit meinem Opa Geducktsein, Stille, Spazierstock, Wald und Pilze.

Germanistin, *1930
Erster Schultag | Ich war fast sieben Jahre alt, als ich eingeschult wurde. Ich konnte es gar nicht erwarten.Ich wollte alles und alles lernen,mir sollte nichts entgehen. Ich hatte schon die alte Fibel meiner Schwester quasi in mich aufgesogen.Ich bekam "vererbt" Schulmappe, Stullentasche, Schultüte von meiner Schwester; die Kleidung ihres ersten Schultages paßte mir nicht. Die schöne große Schultüte mit vielen süßen und anderen hübschen Sachen drin sollte ich zu Hause lassen: Es gäbe arme Kinder,die keine hätten und wir wollten nicht angeben. Das erste,was wir sahen waren viele Kinder,jedes mit Schultüte. Mein Vater lief zurück und brachte mir meine.

pensionärin, *1944
Großeltern | meine oma lernte ich erst kennen, als ich 4jahre alt war. sie war die mutter des 2. mannes meiner mutter.
ich hatte ein bestimmtes bild von ihr, bevor icch sie kennenlernte. etwa so: klein, verhutzelt, alt sowieso.
dann empfing mich eine große, beleibte, ernergische 58 jährige.
dieser ersten enttäuschung folgte aber ein sehr intensives, herzliches vehältnis.

Schülerin, *1998
Spielzeug | Ich habe gern mit Polly Pocket gespielt.

Kaufmann, *1965
Mauerfall | Ich hatte am 9. November 1989 einen Gerichtstermin. Eine Familiensache. Ich war der Kläger, mein sogenannter "Vater" der Beklagte.

Pädagoge, *1971
11. September 2001 | In Erinnerung ist die Musik, die dazu gespielt wurde im Fernsehen. Es liefen auch immer die gleichen Bilder-Sequenzen.

Lehrerin, *1983
Sommermärchen | Ja. Mein Amerikanistik-Seminar an der Uni Tübingen fiel aus, weil sowieso niemand erschienen wäre. Nach jedem Sieg Menschenmassen auf der Neckarbrücke, Sommerwetter, Euphorie, das erste Mal ein bisschen stolz sein, deutsch zu sein.

Ein Mann, *1968
11. September 2001 | Habe den kompletten Nachmittag ferngesehen. Es war schlimm

Frau, *1978
Mauerfall | Ein vages Gefühl von allgemeiner Euphorie. Es schien etwas Wichtiges passiert zu sein, ich habe aber nicht verstanden, was genau.

Sicherheitsmitarbeiter, Privatdetektei, *1962
Erster Schultag | Der war ganz schrecklich.
Wegen Lehrermangels waren wir zwei Klassen in einer,
und es gab noch die Prügelstrafe.
Ich habe öfter den Rohrstock wegen Nichtigkeiten auf die Finger bekommen.
Kein gutes Lernklima.
Viele Lehrer damals waren verkappte Sadisten, die das in der Schule ausleben konnten.

Psychotherapeutin, *1956
Erster Computer | Oh ja, er nahm den halben Schreibtisch ein und ständig ging irgendetwas nicht.

Sozialarbeiterin, *1960
11. September 2001 | Wer kann diesen Tag vergessen? Ich kam übermüdet am frühen Abend nach Hause und fuhr den PC hoch, um schnell die privaten Mails zu checken. Im Nachrichtenfenster meines Maidienstes las ich die Nachricht, dass ein Flugzeug in die Türme des WTC geflogen seien. Ich dachte, dass sei ein fiktiver Film und habe den PC wieder ausgemacht und erst einmal geschlafen. Erst später, als ich die Nachrichten sah gewahrte ich, dass es keine Fiktion war

Psychotherapeutin, *1956
Sommermärchen | Heiß wars und alles auf den Beinen, Public viewing all over, jede Pizzeria hatte ihren Fernseher nach draußen gebracht.

Frau, *1978
Millennium | Mit Freunden auf einer Party. Es gibt ein Foto von mir und einer Freundin, auf dem wir sehr desillusioniert schauen. Dafür ist aber das Foto ein kompositorisches Meisterstück (Zufall).

eine Schülerin, *1997
Großeltern | Ich erinnere mich besser an meine Großmütter, da mein einer Opa vor meiner Geburt verstarb und ich zu dem anderen nicht viel Kontakt habe. Aber ich hatte auch noch Ur-Großeltern, die waren imme ein guter Ersatz/ eine Bereicherung.

Personalreferentin, *1947
Mauerfall | Ja, ich saß mit einem Freund beim Fernsehen - wir stritten uns über irgendetwas ziemlich heftig - und dann kamen die Nachrichten! Alles andere wurde unwichtig!

Blumenbinderin, *1969
Spielzeug | Äste, Stöcke, Steine, Federn und der olle Einschlafteddy.

Kaufmann, *1965
11. September 2001 | Immer, wenn ich eine Currywurst esse, muß ich daran denken. Die Wurst hatte ich an dem besagten Tag vom Imbiß um die Ecke geholt. Ich setzte mich zum Verzehr an den Küchentisch und stellte das Radio an. In diesem Augenblick hörte ich eine tränenerstickte Reporterstimme den Satz sagen: "Das World Trade Center gibt es nicht mehr."

Corporierter, *1959
Gedicht | Ja, "Die Bürgschaft" mußten wir neben vielen anderen ab der 7. Klasse lernen.

Informatiker, *1967
Millennium | Ich war gespannt ob es tatsächlich zu dem lang befürchteten Computer-Gau zum Jahreswechsel kommt. War alles halb so wild.

Angestellter, *1969
Erster Computer | 1996, ein wunderbarer dicker schwerer 4-86er mit Windows 95. 1000,- DM hat der mich gebraucht gekostet. Er lief und lief lange und sehr gut. Mit dem ging ich sogar 2000 in's Internet, mit einem 56k-Modem, ewig war die Telefonleitung besetzt. Meine Tochter sagte als kleines Kind zum Computer: "Papas Drucke."

Röntgenassistentin, *1968
Gedicht | Ene mene Mopel
Wer frisst Popel?
Ene mene Mitschen Matschen
ene in die Fresse Klatschen!
ene noch dazu und raus bist du!

Ich kenn aber auch noch richtige Gedichte.

Ich sitze hier und esse Klops,
uff eenmal klopt's...

Studentin, *1987
Spielzeug | Lego, weil ich damit selbst etwas konstruieren konnte.

Pensionierter Lehrer, *1941
11. September 2001 | Ja, an die immer wiederholten Bilder im Fernsehen.

Volkswirt, *1943
Gedicht | Ja.
Prolog zum Struwwelpeter: "Wenn die Kinder artig sind......"

Ingenieur, *1977
Spielzeug | Am besten erinnern kann ich mich an einen roten Elefanten, auf den man draufsitzen konnte und der Räder hatte, wie ein Bobbycar. Mit dem bin ich wie ein wilder im Haus herumgefahren, um alle Tische gekurvt, und bis an die Stufen der Treppe geflitzt. In einige Ausflüge und den Urlaub musste dieser Elefant auch mit - sonst war ich nicht zu gebrauchen.

Sozialpädagogin, *1954
11. September 2001 | Es war im Urlaub in Dänemark, wir machten den Fernseher an und sahen diese Bilder, es war erschreckend und unheimlich.

Sozialpädagogin, *1954
Mauerfall | Ja, es war sehr aufwühlend, da ich in Dresden geboten bin und unsere Familie seit dem Mauerbau getrennt war.

Eine Frau, *1961
Erster Kuss | Im Ferienlager, da war ich dreizehn. Der Junge hieß Marek und kam aus Polen. Wir haben nicht viel geredet, was ich gut fand. Aber irgendwann hat er plötzlich ganz viel geredet, und ich hab kein Wort verstanden. Dann hat er mich geküsst. Das war wie nasser Waschlappen im Gesicht. Nicht gut. Wir haben uns nach dem Ferienlager noch zweimal geschrieben.

Musiker, *1963
Gedicht | Ja, viele. Vielleicht einige hundert - ich kann sie hier nicht alle aufzählen.

Drucker, *1946
Erster Kuss | Da war ich vierzehn. In der Nachbarschaft hatten wir im Keller bei schummrigem Licht immer "Partys" veranstaltet. Und da ist es dann passiert.

Eine Frau, *1968
Sommermärchen | Ich habe mich über die deutschen Fahnen gefreut, dass die ohne "Hintergedanken" einfach selbstverständlich waren. Sonst hatte die deutsche Fahne ja immer so einen Beigeschmack und meine Generation ist ja so ganz ohne Fahnengefühl aufgewachsen. Nun war es möglich, dass man mal nicht darüber nachdenken musste, sie gehörte zu der WM wie jede andere Landesfahne auch. Die WM hat viel zur Selbstständigkeit und zur Verantwortung beigetragen, Deutschland war danach irgendwie reifer. Komisch, dass das der Fussball ausgelöst hat.

eine Frau, *1965
Spielzeug | Meine Anziehpuppe.

Psychotherapeutin, *1956
Millennium | Mit Freunden in der Wohnung meiner Nachbarin.

Drucker, *1946
Millennium | Gemeinsam mit Freunden zuhause bei einem Fondue und den üblichen Rückblicken auf das vergangene Jahr.

Schreiberin, *1982
Millennium | Wahrscheinlich mit meinem damaligen Freund bei ihm zu Hause. Im Allgemeinen erwartet man immer zuviel von diesen Veranstaltungen zum Jahreswechsel, finde ich.

Ärztin, *1955
Mauerfall | Ja. Ich habe die TV-Berichterstattung live verfolgt und auf Video aufgezeichnet.Irgendwann nach einigen Reisen in die neuen Bundesländer habe ich das Video dann gelöscht. Schade.

Malerin, *1950
11. September 2001 | Ich schaltete am Nachmittag zufällig den Fernseher ein und konnte kaum glauben, was ich da sah. Das Geschehen, wie die Flugzeuge in die Türme flogen wurde immer und immer wieder wiederholt.

Apothekerin, *1954
Großeltern | Ja. Die ältere Oma ist erst mit 97 gestorben, da war ich schon 42. Sie hat fast das ganze 20.Jahrhundert erlebt! Die andere Oma ist nur 60 geworden, sie war die erste Tote in meinem näheren Umfeld, das hat mich sehr beschäftigt als 12-jährige.

Anwalt, *1965
Stau | Ja, leider fast ständig.

Ingenieur, *1952
Erster Schultag | Und wie, die Schultüte war eine echte Überraschung.

Ingenieur, *1977
Millennium | Das war ein mittelprächtiges Silvester. Ich war in Spanien - für ein "öffentliches" Fest hatten wir keine Karten erhalten - auf den Straßen und in den Bars war seltsam wenig los - hatte leider schon viel tollere Silvester erlebt

Sportmanager, *1977
Gedicht | Ja, aber nix spektakuläres. Dafür Liedtexte. Sind das die Gedichte meiner Generation?

Diplomingenieur, *1965
Spielzeug | Die elektrische Eisenbahn. Das hatte so was magisches. Weil sie nur Weihnachten und in den Winterferien aufgebaut werden durfte.

Studentin, *1994
11. September 2001 | Ja ich war gerade in der ersten Klasse. Erst habe ich garnicht verstanden was passiert ist, bis auch ich im Fernseher die schrecklichen Bilder gesehen habe. Durch die versteht man auch als Kind dass dort etwas schlimmes passiert ist. Auch wenn einem die politischen Hintergründe nivht bewusst sind.

Frau, TV-Producer, *1970
Großeltern | Ich erinnere mich gut an meinen Grossvater, den Vater meiner Mutter. Er war ein sehr ruhiger, dankbarer Mensch, mit sich und der Welt im Reinen. Obwohl er viel Leid erfahren hat durch den Krieg und eher bescheiden lebte, machte er auf mich einen stets zufriedenen, verschmitzten Eindruck. Er liebte mich sehr und ich hab das als Kind schon sehr gespürt. Wenn er mir ein Bonbon mehr gab als den anderen Enkeln oder eben durch die viele Zeit, die er mit mir verbrachte. Die Kraft, die ich dadurch bekommen habe, spüre ich noch heute. Wenn jemand auf dich stolz ist und dich liebt und hinter dir steht, dann trägt dich das dein ganzes Leben lang.

Archäologe, *1974
Mauerfall | Wir saßen vor dem Fernseher (DDR) und konnten es nicht fassen. Erst die Westsender gaben etwas Gewißheit. Geblaubt habe ich es erst, als wir 3 Tage später an der Bornholmer Straße in Berlin über die Grenze durften.

Sportmanager, *1977
Spielzeug | Ein Spielzeugtrecker von John Deere. Grün mit gelben Streifen, leider ohne Schaufel...

Herr von und zu ..., *1968
Mutter | Meine Mutter versuchte uns allen eine angenehme Zeit zu ermöglichen. Sie war pflichtbewusst und ich denke man konnte sich auf sie verlassen. Sie hatte sehr viel Freunde daran, Neues auszuprobieren.
Dies betraf besonders ihre Experimentierfreudigkeit bei der Zubereitung von Nahrungsmitteln. Hierbei traf sie allerdings nicht immer unsere kulinarischen Präferenzen. Trotzdem vielen Dank, Mutter!

dramelia, *1991
Erster Computer | Oh ja, der existiert sogar immer noch. Das war ein alter weißer Desktop-PC mit Windows 98. Noch ein Röhrenbildschirm und so ein Big Tower, der immer Krach gemacht hat, wenn ich eine CD eingelegt habe.

Personalreferentin, *1947
Millennium | Unvergesslich schön, in einem kleinen Dorf im Nordwesten von Zypern. Dort trafen sich nach Anbruch der Dunkelheit Einheimische und Touristen auf dem Marktplatz, ein buntes, fröhliches Treiben mit musikalischer Untermalung durch die der Dorfkapelle. Ausgelassen tanzten die Dorfbewohner, alle Altersklassen machten mit! Sie tanzten und forderte die Fremden zum Mitmachen auf Folkloristische Tänze, nicht gan einfach, mehr schlecht als recht. Alle waren lustig! Um 12.oo h erklangen die Glocken der kleinen Dorfkirche, es wurde schlagartig still, bis die Glocken schwiegen. Dann reichte man viele, große Kuchenbleche herum. In jedem Kuchen befand sich eine Mandel. Jeder bekam ein Stück ab, und wer die Mandel fand?? Was das bedeutete, habe ich vergessen, auf jeden Fall etwas Gutes - wie GLÜCK!

Marketingmanager, *1969
Erster Computer | Ein 386er im Studium - ich habe ihn gekauft um eine Arbeit über Wolfgang Hilbig zu schreiben. Am Ende habe ich mehr Tetris gespielt.

Eine Frau, *1950
Gedicht | Ja, mehr als eins...Herbstbild / Er ist's / versch. von Rilke

Steuerberaterin, *1979
11. September 2001 | Ich habe damals meinen Freund in Belgien besucht - er hat dort gearbeitet. Auf einmal lief die ganze Firma zusammen und schaute im Fernsehen an, wie die Flugzeuge in die Häuser krachten. Und wir dachten immer "Oh Gott - wie schrecklich..."

Ein Mann, *1966
Spielzeug | Meine Spielzeugsoldaten im Maßstab 1:35 und 1:72 habe ich geliebt - viel Taschengeld floß da hinein. Das Aufbauen von Szenarien machte sehr viel Spaß, spielen konnte man das allerdings nur sehr schwer.

Drucker, *1946
11. September 2001 | Ich war gerade mit dem Auto auf einer Schnellstraße unterwegs, als die Meldung im Radio kam, es wäre ein Flugzeug in einen Turm des World-Trade-Centers geflogen. Das hat mich erschüttert und ich hielt bei der nächsten Gelegenheit an. Andere Autofahrer taten das auch.
Kurz darauf flog das zweite Flugzeug in den anderen Turm. Wir waren fassungslos!

Sicherheitsmitarbeiter, Privatdetektei, *1962
Großeltern | Mein Großvater Mütterlicherseits war sehr geizig und dem entsprechend Reich, seine Frau habe ich als sehr nett empfunden, sie ist aber leider sehr früh gestorben.
Väterlicherseits: Großvater hatte beide Kriege aktiv mitgemacht, war schwer behindert, als ein russischer Panzer über sein Schützenloch gefahren ist und ihn begraben hat.
Er saß immer am Tisch (lesend u. rauchend, Marke Krone) und sagte einmal, "Wenn ich nicht mehr lesen und rauchen kann, bin ich Tot.
Bei meiner Oma bin ich aufgewachsen, sie war sehr liebevoll und umsichtig, und es gab immer viel und gut zu Essen.

Professor, *1960
Mutter | Sie förderte uns. Unsere Klavierstunden und Konzertbesuche, unser Lesehunger – all das geht auf sie zurück. Während sie kochte oder einen Kuchenteig anrührte, saßen wir auf der Arbeitsplatte und sangen mit ihr. Sie war oft krank, hat Flucht und Vertreibung nie verwunden. Sie litt, weil sie kriegsbedingt keine Schule zu Ende besuchen und keine Ausbildung absolvieren konnte. Sie war verlässlich.

Norddeutscher, *1962
11. September 2001 | Am 11. September 2001 saß ich vor dem Computer, nichts Böses ahnend. Eine Freundin rief mich an und sagte: "Mach schnell den Fernseher an". Von dem, was ich das sah, war ich wie betäubt. Am Abend des 11. September dachte ich: " Jetzt beginnt der dritte Weltkrieg“. Ich glaube, das dachten an dem Abend sehr viele Menschen.

Musiker, *1963
Erster Computer | Ja, es handelte sich um einen Mac, einen Laptop, den zu starten bestimmt 5 Minuten dauerte. Er war noch nicht mit dem Internet verbunden, ich vermute, dass es das Internet noch gar nicht gab. Auf diesem Mac Texte zu schreiben, erfüllte mich mit grossem Stolz.

Ärztin, *1955
11. September 2001 | Sehr gut! Ich war in Frankreich in Urlaub, im TV leif ununterbrochen eine Sendung mit Bombardierung von Hochhäusern. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich die frz. Sprecherin verstand, die Manhattan französisch ausgesprochen hatte. Als mir klar war, worum es wirklich ging, blieb ich stundenlang sprachlos vor dem Fernseher sitzen.

Eine Frau, *1950
Erster Computer | Ja, das war ein gebrauchtes Modell, mit dem ich aber bald vertraut wurde.

Germanistin, *1930
Großeltern | Ja,viele. Eine Auswahl: Die Mutter meines Vaters starb, als er fünf Jahre alt war, sein Vater heiratete dann deren Schwester, mit der er noch fünf Kinder hatte. Da habe ich kaum Erinnerungen. Einmal haben wir Ihn wohl besucht: Es hieß, ich hätte auf seinem Schoß gesessen und mit seinem Bart gespielt. Der Vater meiner Mutter war Zimmermann, Meister mit Lehrlingen und Gesellen, Besitzer eines Sägewerks in Hinterpommern. Dort verbrachten meine Schwester und ich alle Sommerferien und dahin war ich eineinhalb Jahre evakuiert aus dem zerbomten Berlin bis zur Flucht.
Großpapa und Großmama waren eher streng und schweigsam, fleißig, tüchtig, hochangesehene, respektable Leute in der Kleinstadt.

Apothekerin, *1954
Millennium | Auf Krücken, nach einer Knie-Operation; aber trotzdem gefeiert!

Fotografin, *1963
Sommermärchen | Schöner Sommer!

Informatiker, *1967
Mauerfall | Ja, es war ein tolles Gefühl und ich freute mich mit den Menschen, die als gesamtes Volk quasi im Gefängnis saßen. Allerdings traute ich der Sache nicht ganz und fürchtete, dass die Russen sich das nicht gefallen lassen würden.

Mann, *1967
Auto | Am liebsten hätte ich einen VW-Käfer gehabt, aber mein erstes Auto war ein roter VW-Derby, den ich von meinen Eltern übernommen hatte. Ich liebte ihn. Aber irgendwann war es an der Zeit für die Trennung, die Tochter eines Arbeitskollegen meines Vaters übernahm ihn und baute gleich einen Unfall damit. Das zerriss mir fast das Herz.

Eine Frau, *1965
Spielzeug | Eine nachgemachte "Barbie"