Der Plankton-See

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Bankkaufmann, *1965
Gedicht | Leider nicht - obwohl ich selber Gedichte geschrieben habe.

med. techn. Asistentin, *1052
Erster Computer | ja, ein Mac book zu meinem 58. Geburtstag von meinem Schwiegervater und Ehemann

Ergotherapeutin, *1946
Erster Kuss | Ich war 13 oder 14 Jahre alt . Schulfreunde gaben eine Kellerparty mit heißer Musik . Mein heimlicher Schwarm war auch dabei. Wir waren alle noch sehr schüchtern . Plötzlich machte jemand das Licht aus . Wir fanden uns sofort und küssten uns . Als das Licht wieder anging , riefen einige : "die haben sich geküsst ! " Das war uns beiden äußerst peinlich . Wir taten empört und stritten alles ab. Der Kuss aber fühlte sich gut an , ich habe ihn bis heute nicht vergessen !

eine Berlinerin, *1968
Gedicht | Immer Lustig, immer froh,
wie der Mops im Paletot.

Das habe ich von meinem Opa

Informatiker, *1967
Millennium | Ich war gespannt ob es tatsächlich zu dem lang befürchteten Computer-Gau zum Jahreswechsel kommt. War alles halb so wild.

Fotografin, *1963
Erster Schultag | Freudig, Hand in Hand mit meiner Zwillingsschwester, von der Mama begleitet.

Eine Frau, *1950
Gedicht | Mehrere. Das liebste ist mir das Herbstgedicht von Mörike.

Mann, *1965
Möbel | Ja, eine rote, aus Holz gezimmerte Spielkiste, welche mein Opa selbst hergestellt hatte. Diese war von der Größe her für mich damals riesig, man konnte darauf sitzen. In meinen Erinnerungen wurde mir von meiner Tante dort immer bei Besuchen aus Kinderbüchern vorgelesen.

Schülerin
Sommermärchen | Das war sehr schön. Alle haben gefeiert und waren froh. Und überall waren Deutschlandflaggen. Und so viele Leute haben " '54, '74, '90, 2006" gesungen.

Mann1959
Gedicht | In meiner Schulzeit wurde wenig auswendig gelernt. Eher biblische Psalmen wie "Der gute Hirte" oder Choräle.

Personalreferentin, *1947
Großeltern | Ja, viele! In der Nähe von Dagebüll in einem bescheidenen Häuschen am Fuße eines Deiches im Kleiseer-Koog in Nordfriesland besaßen sie eine kleine, einfache Bauernstelle zur Selbstversorgung, keine großen Länderein, ein paar Wiesen. Ich erinne mich nur an die Schafe. Oma saß meistens - schwarz gekleidet - im dunklen Wohnraum, in der "Stube". Das war mir unheimlich war, auch sie war mir unheimlich. Sie war fast blind und sprach kaum. Opa trank gern in der Dorfkneipe einen über den Durst, wenn er von der Feldarbeit abends dort "länger" einkehrte, hatte wohl keine Lust, nach Hause zu gehen, kann ich verstehen. Er schwankte dabei oft und Oma war "not amused". Ihn mochte ich ganz gern, die Oma aber nicht.

Musiker, *1947
Millennium | Ich war im Bosrucktunnel auf der Rückfahrt von Linz nach Graz. Als die Bummerin (Glocke vom Stephansdom) schlug, fuhr ich gerade über die Grenze von Oberösterreich zur Steiermark - mitten im Berg.

Eine Frau, *1968
Gedicht | Nur den Anfang: Es ist kein Tag so streng und heiß, dass sich der Abend nicht erbarmt und den nicht gütig, lind und leis die mütterliche Nacht umarmt. Hermann Hesse

Typographikerin, *1949
Erster Schultag | Nein. Daran erinnere ich mich überhaupt nicht. Weiss gar nichts mehr.

Theologin, *1968
Sommermärchen | Ich hatte eine Karte für das Viertelfinale D:ARG. Mein damaliger Mann hatte sie als Bonus seines Arbeitgebers erhalten und interessierte sich nicht dafür. So konnte ich mich darüber freuen. Da er krank geworden war, gab er sie aus "Pflichtbewusstsein" zurück. Ich konnte ihn nicht überzeugen sie zu behalten. So kam ein UPS-Mitarbeiter und brachte die Karten zu jemandem, der das sehen konnte, worauf ich mich so lange gefreut hatte.

Kaufmann, *1965
Erster Computer | Meinen ersten Computer kaufte ich erst im Alter von 33 Jahren. Vorher hatte ich eine Anschaffung immer abgelehnt, da ich mich in meiner Freizeit lieber mit dem Lesen von Büchern beschäftige. Das tue ich auch nach wie vor. Ins Internet geht es nur 30 Minuten pro Tag.

Studentin, *1987
Millennium | Nichts besonderes für mich. Keine Erinnerung wo ich war. Vielleicht bei Schulfreunden?

Informatiker, *1967
Erster Computer | Ja das war der C64. Den gab es zu Weihnachten für 680 DM. Dieser Computer war entscheidend für mein zukünftigen Berufsleben. Damals war ich in der Hauptschule und beschloss dort, dass ich etwas mit Computer machen will. Danach holte ich in einer zweijährigen Aufbauschule die berufbezogene ( Elektro) mittlere Reife nach. Danach machte ich ein Lehere zum Energieanlagenelektroniker. Das war mir allerdings noch nicht genug woraufhin ich dann die Fachhochschulreife erlangte und danach dann Informatik auf der FH studierte. Heute schreibe ich Software im Medizintechnikbereich die benötigt wird, um Besrahlungspläne zu verifizieren.

Eine Frau, *1980
Sommermärchen | Tolle 4 Wochen! Ich hatte gerade das Studium beendet. Als "Generation Praktikum" blickte ich in ein "Nichts". Dank des "Sommermärchens" bei bestem Wetter ließ sich das wunderbar vergessen und einfach nochmal so lange so unbeschwert feiern wie wohl nie wieder.

Malerin, *1950
Großeltern | Ja, sehr viele, da ich, meine Eltern und Großeltern im gleichen Haus lebten. Mein Opa las mir oft aus Grimms Märchen vor und malte einmal für mich seltsame Figuren, obwohl er sonst nie zeichnete. ich kann mich noch genau erinnern, wie sie aussahen. sie hatten seltsam lange Nasen. Oft spielte ich mit meinen Großeltern Karten. Ich könnte noch 100 weitere Seiten über sie füllen.

Buchhändler, *1959
Möbel | sicher

Sozialpädagogin, *1954
Großeltern | Ja, immer in den Ferien dort, Gefühl von Geborgenheit, es war mein emotionales Zuhause.

eine Schülerin, *1997
Erster Kuss | Meine beste Freundin hat so getan, als ob sie schlafen würde, der Junge, der mich küsste, war mein bester Freund, ich hatte mir 24h nicht die Zähne geputzt und es war der Beginn von etwas langem, lustigen, kompliziertem.

Professor, *1960
Vater | »Mein Vater war der erste Mensch, den ich habe lesen sehen, und das entschied über mein Leben.« (Ludwig Harig) Mit einem Buch saß er abends im Sessel, die Füße hoch, ein Glas Mineralwasser neben sich. Als wir noch klein waren, nahm er uns auf seine Baustellen mit. Unterwegs gab es eine Bockwurst und einen halben Liter Milch. Im Keller hatte er sich eine Werkstatt eingerichtet.

Mann1959
Millennium | Damals noch an meiner ersten Arbeitsstelle, mit Veränderung befasst. Bewerbung läuft grade, aber geht dann doch negativ aus (gut so!). Letze Silvesterfeier an diesem Ort mit angereisten Feunden.

Arzt, *1977
Sommermärchen | Seitdem bin ich entgegen jeglicher Religion Fan des FC Bayern München. Das erste Tor von Lahm, er noch Linksverteidiger mit gebrochenem Arm in der Schiene, schön reingeschlenzt. Dann meine Wut nach dem verlorenen Halbfinale, ich war für Wochen leer.

Anwalt, *1965
Möbel | Die typischen geschwungenen Lampen in Orange und anderen bunten Farben aus den Siebzigern sind mir genauso in Erinnerung wie die passenden Sofas und der schwere Erbstück-Schreibtisch meines Vaters.

Lehrer, *1962
Stau | Ich habe einmal fünf Stunden in einem Stau gestanden, glücklicherweise nicht allein im Auto, sondern mit meinem Bruder. Wir konnten beobachten, wie zunächst ein verunglückter LKW abtransportiert wurde. Dann geschah lange nichts. Schließlich kam ein Fahrzeug, dessen Besatzung in stundenlanger Kleinarbeit ausgelaufenen Diesel von der Fahrbahn entfernte. Glücklicherweise mussten wir nicht aufs Klo.

Ein Berliner aus Duisburg, *1962
Mauerfall | Ich arbeitete damals in Berlin-Schöneberg in der häuslichen Altenpflege. Erhielt einen Anruf von einem Nachbarn eines ca. 83 jährigen, den ich vertretungsweise betreute, dass er umgefallen sei. Er wollte aber partout nicht den Notarzt rufen, also radelte ich schließlich zu ihm um es selber zu machen. Sie brachten ihn in ein Krankenhaus, aus dem er nicht mehr wiederkehrte. War ein eher unsympathischer ex Verwaltungsangestellter der FU.
Im August 89 machte ich mit einer Freundin eine 14 tägige Radtour in Ungarn und die Einheimischen wollten uns ständig den Weg zur Grenze nach Österreich zeigen und verstanden es gar nicht, dass wir dort nicht hin wollten.
Als West-Berliner spürte man ja schon seit einiger Zeit, dass etwas in der Luft lag, die Überraschung hielt sich also eher in Grenzen.

Schreiberin, *1982
Gedicht | Markt und Straßen stehn verlassen
Still erleuchtet jedes Haus
Sinnend geh ich durch die Gassen
Alles sieht so festlich aus.
An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm (?) geschmückt
Tausend Kindlein stehn und schauen
Sind so wunderstill beglückt
Und ich wandre auf den Straßen
Bis hinaus ins weite Feld
Hehres Glänzen, Heil`ges Schauern
Wie so still und weit die Welt
Sterne hoch, die Kreise schlingen
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt's wie wunderbares Singen
Oh, du gnadenreiche Zeit.

Das musste ich seit frühester Kindheit jedes Jahr unterm Tannebaum aufsagen, sonst gab's keine Geschenke.

Organisationsentwickler, *1972
Spielzeug | Ich hatte eine Carrera-Bahn im Maßstab 1:32 mit Steilkurve, Looping usw. Die würde ich heute mit meinen Kindern aufbauen, wenn meine Mutter sie nicht irgendwann verschenkt hätte, ohne mich zu fragen.

Apothekerin, *1954
Gedicht | Ja! Einige!

Ein Mann, *1968
Mauerfall | Da war ich bei der Bundeswehr. Aber es war ein schönes Erlebnis

Schülerin
Erster Computer | Ich habe meinen ersten vor einem halben Jahr bekommen. Jetzt muss ich nicht mehr den Familiencomputer benutzen.

Mann1959
Sommermärchen | Sommermärchen liegt in der Luft. Gr0ßer leichter Fußball. Sympathisches gastfreundliches Deutschland mit magischen Trainern, die brennen für ihre Aufgabe. Viertelfinale beim Grillen bei einem Freund gesehen.

Herr von und zu ..., *1968
Mutter | Meine Mutter versuchte uns allen eine angenehme Zeit zu ermöglichen. Sie war pflichtbewusst und ich denke man konnte sich auf sie verlassen. Sie hatte sehr viel Freunde daran, Neues auszuprobieren.
Dies betraf besonders ihre Experimentierfreudigkeit bei der Zubereitung von Nahrungsmitteln. Hierbei traf sie allerdings nicht immer unsere kulinarischen Präferenzen. Trotzdem vielen Dank, Mutter!

Apotheker, *1949
Möbel | Das ist der Wohnzimmerschrank meiner Eltern, so ein typisches Möbel aus den 20er Jahren mit runden Kanten, Glasschiebetüren oben in der Mitte und Nussbaum-Furnier. Als Fünfjähriger habe ich mit meinem "Flitzebogen" immer knapp über dem Boden auf die linke Tür geschossen, da gab's dann Macken und ziemlichen Ärger mit der Mutter - na ja, es wurde einem aber verziehen.

Schreiberin, *1982
Erster Computer | Der hat auf meinem Schreibtisch ziemlich viel Platz eingenommen und ich habe ihn als Dekorationsobjekt benutzt, weil ich ihn weder wollte noch brauchte. Sicher hatte mein Vater einen ausrangierten von der Arbeit mitgebracht, aber ich habe mich dem lange verweigert. Bin überhaupt nicht technikaffin.

Fotografin, *1963
Spielzeug | Alles auf unserem Dachboden.

Bankkaufmann, *1965
11. September 2001 | Ich war zu Hause, als eine Freundin anrief - stundenlanges Fernsehen hat das Entsetzen nur gesteigert. Zumal ich ein Jahr vorher noch auf dem World Trade Center gestanden hatte.

Corporierter, *1959
11. September 2001 | Ja. Ich war geschäftlich in Wien und habe die Nachricht auf Höhe des Naschmarktes stadtauswärts im Autoradio gehört.

Eine Lehrerin, *1970
Erster Kuss | Ja. War aber nichts besonderes.

Typographikerin, *1949
Erster Kuss | Im Kinderheim mein erster Freund. Da wir durch die Erwachsenen keine Aufklärung bekommen hatten, klärten wir uns selber gegenseitig auf. Wir saßen beide schüchtern auf der Bettkante, und in unserer sympathischen Zuneigung passierte der erste Kuß. Süß und zart. Wie Honig. An diesen Jungen erinnere ich mich sehr gerne.

Eine Frau, *1961
Millennium | Mit Freunden irgendwo in Brandenburg. Musste aber früh aufstehen und mit dem Zug zur Arbeit fahren am nächsten Morgen. Unspektakulär.

Frau, *1953
Mauerfall | Ich saß auf dem Sofa und starrte fassungslos auf den Bildschirm.

Personalreferentin, *1947
Erster Kuss | Oh je, das war der Eginhard, schon der Name! Ich konnte ihn nicht leiden, aber..
Er war der "Kumpel" des Freundes einer Freundin. Anfang der 60er Jahre war so eine harmlose "Freundschaft" in einer Kleinstadt eine "nicht ganz ungefährliche" Sache, bei der Ärger zu Hause zu befürchten war, wenn es denn "raus kam"! Ja, was denn? Händchenhalten und Herzklopfen, mehr nicht, aber die Leute, die das sahen! Schnell landeten solche Informationen bei den Eltern! Meine Freundin benötigte darum unauffälligen Begleitschutz für eine Verabredung mit ihrem Freund und bettelte, dass ich mitkommen würde, Eginhard könne ja auch dabei sein; er war ein Freund ihres Freundes. Ich ließ mich erweichen und machte den Waldspaziergang gegen meinen Willen mit. Und dann kam dieser ekelhafte Überfall von Eginhard!

Geograph, *1953
Auto | Ein VW Käfer. Ein tolles Gefühl. Mit 20 Jahren. Bedeutete Freiheit und Unabhängigkeit.

Ärztin, *1951
Großeltern | mütterlicherseits: Landwirte, Ferien auf dem Bauernhof; Opa grantig und paranoisch, Oma depressiv. Trotzdem duftende Waffeln, Heuernte, Korn säen mit den Onkeln, ...

Marketingmanager, *1969
Sommermärchen | Ja viele - wenige von Relevanz.

Eine Frau, *1961
Erster Kuss | Im Ferienlager, da war ich dreizehn. Der Junge hieß Marek und kam aus Polen. Wir haben nicht viel geredet, was ich gut fand. Aber irgendwann hat er plötzlich ganz viel geredet, und ich hab kein Wort verstanden. Dann hat er mich geküsst. Das war wie nasser Waschlappen im Gesicht. Nicht gut. Wir haben uns nach dem Ferienlager noch zweimal geschrieben.

Frau, *1978
Gedicht | Robert Frost "Dust of Snow"

pensionärin, *1944
Erster Schultag | ich wurde 1950 eingeschult.
das einzige, dass mir in erinnerung blieb, ist die enttäuschung darüber, dass es nicht möglich war und wir nur zu zweit drin sitzen durften.

Buchhändler, *1975
Erster Computer | Ein 486er, auf dem verfasste ich eine Facharbeit für die Schule. Eine 20-seitige freiwillige wissenschaftliche Arbeit über Ernst Jandl (Lyriker, konkrete Poesie). Im Vergleich zu meinen Klassenkameraden war ich einer der letzten, der einen Computer bekam, bzw. sich zulegte. Gitarren waren mir wichtiger,

Redakteur, *1964
Vater | Oh, dominant, manchmal unbeherrscht. Oft hatte ich Angst vor ihm. Es gab oft Streit. Dennoch war er ein Vorbild. Er schien stark und souverän. Er wusste viel und organisierte alles. In Wahrheit war er ein ängstlicher Mensch. Erst später lernte ich ihn wirklich lieben. Sein Tod, verursacht durch eine falsche Infusion im Krankenhaus, war der traurigste Moment meines Lebens.

Pensionierter Lehrer, *1941
Sommermärchen | Nein - Fussball interessiert mich nicht besonders.

Buchhändler, *1975
Mauerfall | Ich dachte:: "Oh, je, jetzt kommen die ganzen anstrengenden Verwandten zu Besuch."
Meine Großeltern waren in den 50ern aus Sachsen geflohen und wir hatten deshalb viele Verwandte, mit denen wir regen Kontakt pflegten und denen wir unzählige Pakete schickten.

Meine Eltern konnten es gar nicht fassen. Im Fernsehen sagte ein Politiker, wer heute schlafe sei nicht normal. Ich bin trotzdem früh ins Bett gegangen.

Eine Frau, *1981
Mauerfall | Ich lag mit meinen Eltern auf der ausgezogenen Bettcouch und wir schauten uns die Ereignisse in Berlin im Fernsehen an. Ich habe die Hintergründe nicht wirklich verstanden, aber mir war bewusst, dass gerade etwas ganz Bedeutendes geschieht und ich hatte Gänsehaut. Diese Masse an sich freuenden Menschen!

Buchhändlerin, 1962, *1962
Großeltern | Oh ja, sehr gute-meine Großeltern waren klasse, Opa verwöhnte mich, Oma war strenger-aber auch sehr lieb.

Rentnerin, *1948
Mauerfall | Oh ja! Jubilate.................. ich erinnere auch den Tag des Mauerbaus!!!!

Fotografin, *1963
Erster Kuss | Nicht wirklich, leider.

Soziologe, *1981
Mauerfall | Ich verstand die politische Dimension noch nicht, offensichtlich. Aber die Aufregung der Erwachsenen zeigte mir, dass hier etwas Großes passierte. Zwei Monate später fuhren wir dann mal rüber, es war ein grauer, feuchter Januar-Tag in einem grauen, feuchten Land.

Mann, *1975
Großeltern | Meine Großmutter mütterlicherseits (*1912). Herzliches Zentrum der Familie, die über ganz Deutschland zerstreut war. Ein Leben über das ganze Jahrhundert. Zwei Diktaturen. Flucht aus der DDR. Drei Kinder, sechs Enkel und vier Urenkel. Sie überlebte zwei ihrer Kinder und zwei Enkel.
Meine letzte Erinnerung, als wir mit meiner Tochter, ihrer vierten Urenkelin, bei ihr zu Besuch erzählte sie aus ihrem Leben. Wir tranken reichlich Wein, auch meine Stillende Frau, die deshalb ein schlechtes Gewissen hatte. Als wir zu Bett gingen, setzte Oma ihre Perücke ab und sagte "Feierabend!"

med. techn. Asistentin, *1052
Erster Kuss | ja, sehr genau

Redakteur, *1964
Tiere | Wahrscheinlich die Katze: ihr Blick, ihre Bewegungen, ihr kühles, souveränes Desinteresse und ihr plötzliches Schmusebedürfnis. Sie schwebt auf Tatzen durch die Welt - unbeirrbar, dann fährt es wie ein Blitz in ihre Glieder und weg ist sie.

Eine Frau, *1961
Gedicht | Ich habe keine Zeitung gelesen.
Ich habe keiner Frau nachgesehn.
Ich habe den Briefkasten nicht geöffnet.
Ich habe keinem einen Guten Tag gewünscht.
Ich habe nicht in den Spiegel gesehn.
Ich habe mit keinem über alte Zeiten gesprochen und
mit keinem über neue Zeiten.
Ich habe nicht über mich nachgedacht.
Ich habe keine Zeile geschrieben.
Ich habe keinen Stein ins Rollen gebracht.

Eine Frau, *1961
11. September 2001 | Mein Freund rief mich an und sagte, ich solle den Fernseher anmachen. Hab ich gemacht und dann stand ich da die ganze Zeit und habe auf den Fernseher gestarrt.

krankenschwester, *1964
Millennium | Feiernd mit freunden in deren wegen umzug gerade ausgeräumter wohnung und schönem blick aufs feuerwerk. Danach versuch im schlafsack auf luftmatraze zur ruhe zu kommen, bin dann morgens noch alleine nach hause gelaufen, um wenigstens etwas zu schlafen.

Redakteurin, *1966
Sommermärchen | Ja, ich fand es nervig.

Pädagoge, *1971
Spielzeug | Die Wäscheklammern meiner Mutter als ich noch ein Kleinkind war.

Organisationsentwickler, *1972
Gedicht | Sorge sei lahm, Kummer sei blind, es lebe das Geburtstagskind! (Theodor Fontane)

Buchhändler, *1975
Großeltern | Meine Großvater (vaterseits)starb als ich zwei Jahre alt war, weshalb ich keine eigenen Erinnerungen an ihn habe. Von Fotos und aus Erzählungen weiß ich aber dass ich zu seinem Geburtstag das erste Mal gelaufen bin, und zwar durch den Garten zu ihm hin, mit einem Blumenstrauß in der Hand. Das sei sein schönstes Geburtstagsgeschenk gewesen. Es gibt sogar ein Foto davon.

Journalist, *1957
Erster Kuss | Vage, es gäbe da mehrere Möglichkeiten ...

eine Schülerin, *1997
Erster Schultag | Als mir ältere Schüler vorgelesen haben, fand ich das beeindruckend und bildete mir ein, dass auch schon zu können.

med. techn. Asistentin, *1052
Mauerfall | habe ich nur peripher wahrgenommen, hatte einen säugling

Anwalt, *1965
Mutter | Meine Mutter war sehr lebendig und hat es mit ihrer Liebe manchmal doch etwas übertrieben, was wir Kinder als einengend empfanden. Besonders in Erinnerung ist mir geblieben, dasss ich meine Mutter nie erfolgreich hinters Licht führen oder etwas länger geheim halten konnte. Sie hat meistens nach einem längeren Blick gewusst, das etwas nicht stimmte und dann nicht mehr locker gelassen.

Musiker, *1963
Sommermärchen | Warum soll ich mich an so etwas wie Fussball erinnern? Ich mag Fussball nicht, Fussball nervt, da er die Vermassung der Gesellschaft fördert und zum Prinzip macht. Die Verbrüderung wildfremder Menschen im Hinblick auf eine so irreale Sache wie Fussball macht mir Angst. Der in dieser Sportart gepflegte Nationalismus ist ein Graus.

Schreibstudentin, *1994
11. September 2001 | Ich war mit meiner Mutter im Schlafzimmer meiner Eltern, weil dort unser kleiner Fernseher stand. Unsere Nachbarin hatte uns sofort angeurfen, dann machten wir den Fernseher an und sahen die Bilder, die einbrechenden Türme und den riesiegen Qualm. Ich erinnere mich immer an das schöne, noch ganz sommerliche Wetter, denn das Schlafzimmer ging auf den Balkon raus und kurz bevor wir den 11.September sahen, sass ich noch draussen und hörte Vögel, oder etwas Anderes Sommerliches.

Sicherheitsmitarbeiter, Privatdetektei, *1962
11. September 2001 | Der Anschlag auf die Twin-Towers.
Habe ich Life gesehen und dachte erst, es sei ein Ausschnitt aus einem
neuen Actionfilm.

Buchhändlerin, 1962, *1962
Sommermärchen | Nur vage. War nicht mein Ding.

Psychologe, *1969
Mauerfall | Ich saß in der ersten gemeinsamen Wohnung mit meiner Freundin auf dem Soda und konnte es nicht glauben. Noch im Sommer zuvor war ich in geteilten Berlin gewesen und hatte mir nicht vorstellen können, dass das System so schnell zerfallen könnte.

eine Berlinerin, *1968
Mauerfall | Wir hatten frisch gebaut. Mein Mann wollte ausschachten. Ich sagte, bist du bekloppt, du kannst doch jetzt nicht auf der Baustelle stehn, lass uns rüber fahrn.

Arzt, *1977
Gedicht | Herbsttag von Rilke

Ergotherapeutin, *1946
Mauerfall | Ich war zu hause und erfuhr es aus dem Fernsehen . Als ehemaliges Flüchtlingskind konnte ich es kaum fassen, weinte und tanzte vor Glück . Auch heute noch habe ich Tränen in den Augen, wenn darüber berichtet wird.

eine Frau, *1965
Spielzeug | Meine Anziehpuppe.

Organisationsentwickler, *1972
Millennium | Ich wohnte in einer WG mit 5 MitbewohnerInnen auf 270 qm mit Blick auf die Weser. Es war großartig, als um 12 die Raketen vor unseren Augen explodierten - wir standen auf dem Dach.

Naturwissenschaftlerin, *1948
Mauerfall | An den Tag selbst nicht, aber gut an die Tage danach, an denen viele, viele Bürger der DDR zum Einkaufen kamen und die Kaufhäuser extra Abteilungen mit billigen Waren einrichteten. Meine Verwandten in der DDR waren bereits gestorben, was mir leid tat. Die Freude hätte ich ihnen gewünscht.

Apothekerin, *1954
Mauerfall | Ja, mein Mann und ich saßen den ganzen Tag vorm Fernseher und waren den Tränen nahe - wir sind an der ehemaligen Zonengrenze aufgewachsen und hatten nie gewagt zu hoffen, dass wir das noch erleben dürfen.

Bankkaufmann, *1965
Erster Kuss | Sicher bin ich mir nicht, wann der erste Kuss war aber an verschiedene andere erinnere ich mich sehr gerne.

Ärztin, *1951
Spielzeug | Kaufmannsladen von meinen älteren Schwestern geschenkt, durfte nur selten bespielt werden.

Krankenschwester, *1980
Gedicht | Dunkel wars der Mond schien helle, als ein Wagen blitzeschnelle langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen saßen stehend Leute, lautlos ins Gespäch vertieft, als ein totgeschossener Hase auf der Sandbank Schlittschuh lief.
Und ein blondgelockter Jüngling mit kohlrabenschwarzem Haar, saß auf einer grünen Banke, die rot angestrichen war.
Neben ihm 'ne alte Schrulle, die kaum siebzehn Jahr alt war. In der Hand 'ne Butterstulle, die mit Schmalz bestrichen war.

Studentin, *1987
Sommermärchen | Zu der Zeit war ich in Spanien und habe kein einziges Spiel gesehen. Die Zeit habe ich lieber am Strand verbracht: schwimmend und im Sand liegend und dabei Geschichten erzählend und die Nähe einer wichtigen Person genießend.

Marketingmanager, *1969
Spielzeug | Ein Stoffaffe mit blauem Halsband - später Bälle in allen Formen.

med. techn. Asistentin, *1052
Spielzeug | eine puppe namens silke

Fahrlehrer, *1935
Möbel | Als Kleinkind schlief ich in einem Bett, dessen Matratze stark gewölbt war. Ich rollte im Schlaf nach links runter oder nach rechts runter. Dieses Bett fürchtete ich, weil ich immer rauszufallen drohte. Es war Kriegszeit, meine Mutter (Vater war Soldat) konnte keine neue Matratze organisieren. Ich hasste dieses Bett.

Corporierter, *1959
Mauerfall | Ich war beim Zahnarzt und Frau Dr. (damals etwa 60 Jahre alt) meinte sichtlich erregt "jetzt kommen alle diese Kommunisten hierher..."

Mann, *1965
Tiere | Mein Lieblingstier ist die Spinne, weil Sie mich an meine Kindheit und die Begeisterung zu den Spiderman-Comics erinnert, welche ich damals gelesen habe.

Diplom-Bibliothekar, *1965
Mutter | Ich bin im Matriachat groß geworden, meine Mutter hat auch heute noch die Hosen an. Sie war immer für uns drei Kinder da. Meine Schulkarriere, die nicht immer geradlinig verlief, hat sie mit letztendlich bewunderswerter Toleranz begleitet. Vielleicht hätte ich auf ihre (im Nachhinein) guten Vorschläge zu meiner Berufswahl hören sollen.

Schülerin
Großeltern | Mein Opa ist der einzige, der mich "Engel" nennt. Das fühlt sich immer gut an. Und Oma macht den besten Schokopudding der Welt

Arzt, *1977
Erster Schultag | Ich hatte eine Schultüte mit Indianern drauf, die wurde dann aufgeschnitten und als Raumschiff genutzt. Ich trug als einziger kurze Hose, es war ein warmer Septembertag. Ich ahnte schon, daß ich die Schule schaffe. Meine Eltern haben sich abends gleich gestritten, ob ich zu den Jungen Pionieren gehen soll oder nicht. Mein Vater war dagegen, mein Mutter wollte Normalität. Ich ging, ging aber auch zur Christenlehre. Also schön doppelbödig und angepaßt, typisch Protestant.

Krankenschwester, *1980
Erster Computer | Ein Laptop. Hab mich lange dagengen gestäubt, bis ich ihn für meine Arbeit brauchte.