Der Plankton-See

Hier sehen Sie eine Zufallsauswahl von „Erinnerungskristallen“, die sich bereits im Textpool befinden.

Soziologe, *1981
Sommermärchen | Ich erinnere mich vor allem an die unfassbare Hitze, die sechs Wochen lang ununterbrochen über dem Land lag. Hundstage.

Schülerin, *2001
Erster Computer | zum 11. Geburtstag! Ich war gerade nach Berlin gezogen...

Organisationsentwickler, *1972
Mauerfall | Nur sehr vage. Das war in dem Jahr, als ich Abitur machte und viel damit zu tun hatte, mich um die richtige Wahl bzgl. meiner Freundin und meiner Ausbildung zu kümmern. Beides hätte ich heute anders entschieden.

apfelhari, *1944
Mauerfall | Ja, ich saß wie gebannt vor dem Fernseher und war Zeuge historischer Ereignisse. Nicht nur am Tag des Mauerfalls, sondern auch davor und danach.

Norddeutscher, *1962
Gedicht | Ich kann kein Gedicht auswendig, aber haufenweise Liedtexte, von 1910 aufwärts bis zu ganz aktuellen Titeln. Auf Deutsch und Englisch und auch einige italienische Liedtexte, dazu zwei, drei französische, zum Beispiel "La Vie en Rose", ganz viele Motown- und Discosongs. Sehr gerne auch amerikanische und deutsche Titel aus den Zwanzigern, zum Beispiel "Singing in the Rain" oder "In einer Kleinen Konditorei".

Künstlerin, *1966
Gedicht | Ja, von Claire Goll

"Zehn Jahre schon da du mich liebst,
zehn Jahre zehn Minuten gleich
und immer sehe ich dich zum ersten Mal,
künftige Tränen hinter der Brille
wie Diamanten in Vitrinen...."

Ganz krieg ich's nicht mehr zusammen, aber in weiten Teilen.

Malerin, *1950
Erster Kuss | Ich glaube, ich bekam ihn von einem ehemaligen Klassenkameraden aus der Grundschule, als ich etwa 14 Jahre alt war. Es war auf einer Faschingsveranstaltung der katholischen Jugendgruppe, welcher ich angehörte. Er hieß Werner.

Ein Mann, *1966
Erster Computer | Mein erster PC hatte nicht mal eine Festplatte. Um vernünftig zu arbeiten, mußte ich ein zweites Laufwerk bestellen. 300 DM dafür waren für einen Studenten viel Geld.

Soldat, *1966
Tiere | Hund. Weil ich seit meiner Kindheit immer Hunde um mich habe. Sie hören zu, geben wenig Widerworte und wenn man auf die Jagd geht, so wie ich, dann gehört ein Hund dazu. Wir hatten eigentlich immer Hunde, später auch Katzen. Und beide Parteien lebten immer friedlich nebeneinander. Ich bin auch immer wieder erstaunt, wie gut unser Terrier klettern kann, ob er sich das von den Katzen abgeguckt hat.

Frau, *1953
11. September 2001 | Ich war in New York, auf Dienstreise. Ich fand die Kopflosigkeit der New Yorker sehr befremdlich. Ich bat einen amerikanischen Kollegen, nach Deutschland eine Mail zu schreiben, dass sie sich keine Sorgen machen sollten. Dann ging in den Central Park und hockte mich ins Gras, denn ich ging davon aus, dass es auf "freiem" Feld sicher war. Es gab ja Gerüchte, dass noch viele Flugzeuge in der Luft waren, mit Kurs auf New York. Ich war überzeugt, dass kein Terrorist die Maschine in den Central Park lenkt, da wäre der Schaden einfach nicht spektakulär genug.

oma h., *1955
Großeltern | nur an die Mutter mütterlicherseits; die anderen Großeltern waren bei meiner Geburt bereits verstorben.

Mann, Außenhändler, *1963
Stau | Das ist praktisch mein Beruf. Nein, ernsthaft: ich stehe leider öfter im Stau, weil ich viel Auto fahre.

Informatiker, *1967
Sommermärchen | Ja, hoffentlich ist Mist bald vorbei dachte ich.

Tagesmutter, *1959
Erster Kuss | Oh und wie, im Ferienlager als ich knappe 15 war. Herzklopfen bis in den Hals hinein und am Ende Angst dass ich schwanger bin. Kaum zu glauben, aber so ging es mir, trotzdem war ich überglücklich. Sollte dann allerdings fast zwei Jahre dauern, bis ich einen solchen schönen Moment wieder erleben durfte.

Ingenieurin, *1964
Spielzeug | Meine Puppe Käthi

Pädagoge, *1971
Sommermärchen | Tragische. Es ist aber nur Fußball.

Ein Mann, *1968
11. September 2001 | Habe den kompletten Nachmittag ferngesehen. Es war schlimm

Professor, *1960
Prominenz | Der erste Prominente, an den ich mich erinnere, war Telly Savallas (»Kojak«). Ich flog 1976 von Montreal nach New York und ging durch die erste Klasse zur Toilette. Und da saß er. Ich bat ihn um ein Autogramm, und ich weiß noch, dass er nach Rauch gerochen hat.

Politikwissenschaftlerin, *1961
Mauerfall | Ja, ganz genau. Ich bin mit einem befreundeten Paar, die mich, die ich inzwischen in Ost-Berlin wohnte, für ein paar Tage besuchten, noch in der Nacht der Maueröffnung über den Übergang Friedrichstraße mit der S-Bahn zum Bahnhof Zoo gefahren. Auf dem Kurfürstendamm lud uns ein junger Jugoslawe in seinen Kleinwagen ein. Er holte von zu Hause Sekt, Gläser und einen Fotoapparat. Es war ein einmaliges bleibendes Erlebnis. Die Fotos aus dieser Nacht werden im meist jüngeren Freundes- und Kollegenkreis mit großen Augen bestaunt.

Psychotherapeutin, *1956
Erster Computer | Oh ja, er nahm den halben Schreibtisch ein und ständig ging irgendetwas nicht.

Theologin, *1968
Mauerfall | Wir machten eigentlich Revolution in Halle/S. und realisierten es viel später, übermüdet in der Uni am nächsten Tag. Die Bedeutung und das Ausmaß kamen mit den Jahren...

Eine Frau, *1980
Gedicht | Spontan fällt mir der Anfang von "Herrn Ribbeck im Havelland" ein. "...ein Birnbaum in seinem Garten stand. Und kam die goldene Herbsteszeit, lachten die Birnen weit und breit" (oder so)

Politikwissenschaftlerin, *1961
Erster Kuss | Mein erster Kuss - da muss ich wohl 12 oder 13 gewesen sein. In einem Gebüsch unseres Spielplatzes mit einem Jungen, der wohl so 14 war. Die Erinnerung daran ist aber stark verblasst.

Naturwissenschaftlerin, *1948
Großeltern | Meine Großeltern mütterlicherseits habe ich nie kennengelernt. Ich erinnere mich aber gut daran, mit meiner Mutter gemeinsam das Grab ihrer Mutter gepflegt zu haben. Die Eltern meines Vaters waren in Dresden - mein Großvater war jedoch kurz vor meiner Geburt gestorben und meine Großmutter hat uns nur sehr selten besuchen können. Ich war noch zu klein, um mehr als eine vage Erinnerung zu haben.

Redakteurin, *1966
Großeltern | Vom allen Vieren ist mir nur meine eine Omi geblieben. Eine sehr große blonde Berlinerin, die heiter und menschenfreundlich war, trotzdem sie in ihrem Leben nicht gelernt hatte, an sich zu denken.

Sozialarbeiterin, *1960
Gedicht | Ja. Ein Gedicht von Brecht. Sieben Rosen hat der Strauch, sechs gehörn dem Wind. Aber ein bleibt dass ich, auch noch eine find. Sieben Male ruf ich Dich, sechs mal bleibe fort. Aber beim siebten Mal versprich, komme auf ein Wort

eine Frau, *1965
Millennium | Auf einem Dach in Köln-Ehrenfeld mit Freund und Freundin in eher depressiver Stimmung.

Eine Frau, *1980
11. September 2001 | Ich war wenige Wochen zuvor von einem 13monatigen Auslandaufenthalt zurückgekehrt und hatte einige Tage zuvor den ZVS-Studienbescheid erhalten. Mitten in diesen Lebenswechsel platzten die Flugzeuge. Ich hörte die Nachricht im Auto auf dem Weg vom Frisör (neuer Lebensabschnitt, neue Frisur) nach Hause. Den Rest des Tages verbrachte ich vorm Fernseher.

Schreiberin, *1982
Mauerfall | Meine Schwester und ich guckten "Hallo Spencer". Plötzlich kamen unsere Eltern rein und haben einfach das Programm umgeschaltet. Dort kletterten allerhand Menschen eine Mauer hoch und freuten sich. Unsere Mutter fing an zu weinen.

Marketingmanager, *1969
11. September 2001 | Sehr genau - meine Frau stand kurz vor der Geburt unserer ersten Tochter. Eine Kollegin kam im Verlag zu mir und sagte - diesen O-Ton werde ich nie vergessen: "es ist etwas Lustiges passiert - ein Flugzeug ist ins World Trade Center geflogen."

Sportmanager, *1977
Sommermärchen | Sommer. Draußen. Alle gute Laune.
Deutschland einig Freudentaumel.

Informatiker, *1967
11. September 2001 | Ja, ich spielte gerade im Internet Counterstrike, als einige Mitspieler Nachrichten im Chat schrieben, dass es einen Angriff auf die USA gegeben hatte. Ich ging dann nach unten und schaltete den Fernseher ein und sah was passiert war, und war erschüttert.

Ergotherapeutin, *1946
Mauerfall | Ich war zu hause und erfuhr es aus dem Fernsehen . Als ehemaliges Flüchtlingskind konnte ich es kaum fassen, weinte und tanzte vor Glück . Auch heute noch habe ich Tränen in den Augen, wenn darüber berichtet wird.

pensionärin, *1944
Erster Schultag | ich wurde 1950 eingeschult.
das einzige, dass mir in erinnerung blieb, ist die enttäuschung darüber, dass es nicht möglich war und wir nur zu zweit drin sitzen durften.

Soldat, *1966
Prominenz | Helmut Kohl ganz nah, von dem hab ich bei seinem Besuch auf dem Fliegerhorst Laage eine ganze Fotoserie gemacht. Angela Merkel hab ich dort auch gesehen. Da ich im Dienst und in Fliegerkombi war, kam ich auch ohne Probleme durch alle Absperrungen und habe mit meiner AE 1 viele Fotos gemacht.
Und ich habe Walter Kempowski mehrfach getroffen bzw. besucht. Da gab es dann Bohnenkaffee und Kuchen.

Norddeutscher, *1962
Mauerfall | Am Tag des Mauerfalls habe ich den ganzen Nachmittag und Abend rumgehangen und im Fernsehen hin- und hergeschaltet und bin dann beim DDR Fernsehen hängengeblieben, war in Hamburg im Kabel, deswegen habe ich die Verlautbarung von Schabowski life gesehen. Ich glaube, ich habe in der Nacht darauf überhaupt nicht geschlafen, man spürte, dass soeben Geschichte geschrieben worden war. Vor allen Dingen auch nach der Vorgeschichte, nach diesem - politisch gesehen - sehr stürmischen Jahr 1989.

Ärztin, *1955
Millennium | Ich glaube, ich habe ihn verschlafen oder hatte Nachtdienst, jedenfalls war es für mich nichts Besonderes.

krankenschwester, *1964
Spielzeug | Teddy Max, pudel Pudjes, puppe Angela und dann meine barbies. Außerdem jedweder baum und die teppichstange.

Ärztin, *1955
Erster Schultag | Nur anhand des offiziellen Fotos. Ich weiß nur, daß ich mich sehr auf die Schule gefreut habe.

med. techn. Asistentin, *1052
Großeltern | ja

Mann, *1967
Auto | Am liebsten hätte ich einen VW-Käfer gehabt, aber mein erstes Auto war ein roter VW-Derby, den ich von meinen Eltern übernommen hatte. Ich liebte ihn. Aber irgendwann war es an der Zeit für die Trennung, die Tochter eines Arbeitskollegen meines Vaters übernahm ihn und baute gleich einen Unfall damit. Das zerriss mir fast das Herz.

Studentin, *1985
Erster Computer | Der stand im Keller. Da war es kalt, ungemütlich und dunkel. Da gehörten Computer noch nicht zum alltäglichen Leben. Das war eine ruhige Zeit.

Fotografin, *1963
Mauerfall | Ich war bei meinem Freund in Hannover, es war unwirklich.

Mann, *1965
Prominenz | Ja, das war im Alter von 20 Jahren in Essen, ein Rennfahrer, welcher zu der Zeit recht aktiv und erfolgreich war. Eine Begegnung auf einer Veranstaltung in Essen, sehr netter Kontakt, menschlich, ohne Berührungsängste.

Buchhändler, *1975
Mauerfall | Ich dachte:: "Oh, je, jetzt kommen die ganzen anstrengenden Verwandten zu Besuch."
Meine Großeltern waren in den 50ern aus Sachsen geflohen und wir hatten deshalb viele Verwandte, mit denen wir regen Kontakt pflegten und denen wir unzählige Pakete schickten.

Meine Eltern konnten es gar nicht fassen. Im Fernsehen sagte ein Politiker, wer heute schlafe sei nicht normal. Ich bin trotzdem früh ins Bett gegangen.

Lehrer, *1962
Mutter | Meine Mutter war ein Feldwebel. Ihr Wort war Gesetz. War man nicht ihrer Meinung, dann war man gegen sie und hatte sie zum Feind. War man kein Feind, dann konnte sie sehr liebenswürdig und hilfsbereit sein. Da mein Vater sie einmal betrog und ein uneheliches Kind zeugte, terrorisierte sie ihn bis zu ihrem Tod.

Buchhändler, *1975
Großeltern | Meine Großvater (vaterseits)starb als ich zwei Jahre alt war, weshalb ich keine eigenen Erinnerungen an ihn habe. Von Fotos und aus Erzählungen weiß ich aber dass ich zu seinem Geburtstag das erste Mal gelaufen bin, und zwar durch den Garten zu ihm hin, mit einem Blumenstrauß in der Hand. Das sei sein schönstes Geburtstagsgeschenk gewesen. Es gibt sogar ein Foto davon.

Bankkaufmann, *1950
Möbel | Da fällt mir mein Bett ein. Es war Teil einer früheren Schlafzimmereinrichtung und hatte noch eine dreigeteilte Matratze aus Roßhaar. Beim Schlafen bin ich immer in die Mitte gerollt.

med. techn. Asistentin, *1052
Spielzeug | eine puppe namens silke

Schreibstudentin, *1994
Sommermärchen | Ich weiss nicht mehr, ob es die WM ist, an die ich mich erinnere. Ich erinnere mich an Live-Übertragungen auf dem Kasernenplatz, dass ich da mit meinem Vater hinging und Basel ein paar Tage lang voller oranjes (Holländer in orangen Trikots) war. Das viele Bier gefiel mir aber nicht und ich hatte Angst, dass wir Hooligans begegnen. Aber vielleicht war das auch die EM.

Ingenieur, *1952
Sommermärchen | Eigentlich nur an den Fahnen an den Autos und den Flaggenüberzieher an den Außenspiegeln, die überall auf den Staßen verdreckt herumlagen.

Schreibstudentin, *1994
Millennium | Ich habe leider keine Ahnung. Ich war 6 Jahre alt und entweder habe ich geschlafen oder ich bin sehr kurz darauf zu Bett gebracht worden. Aber ich erinnere mich, dass das Häbse-Theater, wo wir hin und wieder Kinderstücke sahen, das ganze Jahr über einen rosa LED-Schriftzug "2000" über dem Eingang hatte.

dramelia, *1991
Erster Schultag | Nein, gar nicht. Ich hab aber eine Menge Geschichten gehört, dass ich diesen Tag alles andere als amüsant fand und die Vorstellung, weiter zur Schule zu gehen, extremst blöd.

Pädagoge, *1971
Spielzeug | Die Wäscheklammern meiner Mutter als ich noch ein Kleinkind war.

Frau, *1953
Gedicht | Wer reitet so spät durch Nacht und Wind / es ist der Vater mit seinem Kind... Nach einem Parforceritt ist bei der Ankunft das Kind tot. Goethe. Nun ja.

Eine Frau, *1980
Erster Computer | Den habe ich mir zwangsweise im Studium zugelegt. Man erwartete dann doch Referate mit PowerPoint-Unterstützung und getippte Hausarbeiten. Ich habe mir einen gebrauchten PC mit 80MB Festplatte gekauft. Der hat es entsprechend nicht mal bis zur Diplomarbeit geschafft.

Politikwissenschaftlerin, *1961
Spielzeug | Zu meinem Lieblingsspielzeug ist aus der nostalgischen Betrachtung von heute ein grauer Teddy geworden, der zum Schulanfang oben auf meiner Zuckertüte drauf saß. Den habe ich heute noch. Ich kann mich aber noch gut daran erinnern, dass ich sehr gern mit anderen gemeinsam mit meinem Puppentheater und den Handpuppen spielte.
Zu dieser Frage fällt mir aber auch ein Chemiebaukasten ein, den mir meine Eltern als altersgemäßes Spielzeug schenkten. Aus meiner Sorge, dass bei intensivem Experimentieren die enthaltenen Chemikalien zu schnell zur Neige gehen würden, schaute ich mir die "Inhaltsstoffe" des Kastens immer nur an und experimentierte nicht ein einziges Mal damit. Das ging so lange bis die Chemikalien sich aufgelöst hatten oder zerfallen waren, also unbrauchbar geworden waren.

Malerin, *1950
11. September 2001 | Ich schaltete am Nachmittag zufällig den Fernseher ein und konnte kaum glauben, was ich da sah. Das Geschehen, wie die Flugzeuge in die Türme flogen wurde immer und immer wieder wiederholt.

Norddeutscher, *1962
Erster Computer | Ich kann mich an jeden einzelnen meiner Computer erinnern. Mein erster Computer war gar kein richtiges Elektronenhirn, sondern ein Word Processor von der Firma Panasonic. Der hatte einen Bildschirm, der aber nicht mal hintergrundbeleuchtet war. Und ein unendlich langsames Diskettenlaufwerk. Man konnte seine Texte damit gleich ausdrucken oder auch speichern. Es war im Grunde genommen eine Typenradschreibmaschine mit sehr viel Elektronik. Mein zweiter, und eigentlich erster Computer, war ein Apple Notebook. Das war 1994. Der konnte noch nicht sehr viel, weniger als mein heutiges Smartphone.

Eine Frau, *1981
Erster Kuss | Weit draußen im Meer schwimmend...

Drucker, *1946
Großeltern | Sehr gute sogar, denn ich bin nach der Scheidung meiner Eltern bei ihnen aufgewachsen - vom ersten bis zum fünfzehnten Lebensjahr. Dann starb meine Großmutter. Großvater war damals bei der Polizei und hatte noch drei Dienstjahre vor sich. Man kann sagen, ich hatte eine schöne Kindheit.

Eine Frau, *1961
Spielzeug | Der Steinbaukasten meines Bruders. Manchmal habe ich auch mit Puppen gespielt, aber ich hatte keine Geduld mit ihnen.

Rentnerin, *1948
Mauerfall | Oh ja! Jubilate.................. ich erinnere auch den Tag des Mauerbaus!!!!

Bankkaufmann, *1965
Mauerfall | Ich war längere Zeit krank und habe die "deutsche Revolution" die ganze Zeit vom Sofa aus verfolgt. Bei Genscher in Prag hatte ich schon eine Gändehaut, beim Mauerfall war ich dann nur noch fassungslos und konnte wohl noch nicht ermessen, was da auf uns Deutsche zukommt.

Jurist, *1963
Sommermärchen | Ich war bei zwei Spielen im Stadion dabei. In Kaiserslautern und in Leipzig. Die Stimmung in und um das Stadion war beschwingt und heiter.

Blumenbinderin, *1969
Erster Schultag | Nein. Aber die ungeduldige Warterei, bis im Laufe der Zeit der Anspruch endlich stieg. Ich konnte schon lesen.

Diplomingenieur, *1965
11. September 2001 | Ja, es war unbegreiflich. Und Steffen Seibert vom ZDF im Dauereinsatz.

Informatiker, *1967
Mauerfall | Ja, es war ein tolles Gefühl und ich freute mich mit den Menschen, die als gesamtes Volk quasi im Gefängnis saßen. Allerdings traute ich der Sache nicht ganz und fürchtete, dass die Russen sich das nicht gefallen lassen würden.

Politikwissenschaftlerin, *1961
11. September 2001 | An den 11. September 2001 erinnere ich mich noch ganz genau. Ich war für ein knappes Jahr in Münster, aus beruflichen Gründen. Im Fernsehen sah ich an diesem Nachmittag (MEZ) sozusagen live, wie das zweite Flugzeug in den zweiten Tower flog. Die Mutmaßungen der Kommentatoren - abenteuerlich. Gedrückte, ernste Stimmung überall.

Eine Lehrerin, *1970
Erster Computer | Ja. Der hatte noch grüne Schrift. Ich war begeistert, weil ich meine Hausarbeiten für die Uni jetzt endlich etwas entspannter schreiben konnte. Das Korrekturlesen wurde nicht mehr zur Angstpartie.

Marketingmanager, *1969
Mauerfall | Ich habe die Wiedervereinigung irgendwie verpasst - natürlich saß man gebannt vor den Nachrichten - aber die historische Dimension wurde mir erst viel später bewusst.

Kaufmann, *1965
Sommermärchen | Es war ein sehr heißer Sommer.

Musiker, *1963
Gedicht | Ja, viele. Vielleicht einige hundert - ich kann sie hier nicht alle aufzählen.

Geograph, *1953
Reise | An viele. Besonders aber an die Sahara Fahrt (zu zweit) mit vielen tollen Begegnungen und Erlebnissen weit weg von unserem Alltag.

Ingenieurin, *1964
Mauerfall | Ich erinnere mich daran, dass ich zuerst nicht realisierte, welche Bedeutung dies hatte.

Eine Frau, *1965
Sommermärchen | Noo

Informatiker, *1967
Erster Kuss | Ja, das war beim Flaschendrehen an einem Geburtstag.

Künstlerin, *1966
Spielzeug | Stifte und Papier. Der Geruch von Stockmar Wachsmalern und wie sie sich anfühlten, die Farben auf dem Papier, das war und ist bis heute wundervoll!

Marketingmanager, *1969
Erster Computer | Ein 386er im Studium - ich habe ihn gekauft um eine Arbeit über Wolfgang Hilbig zu schreiben. Am Ende habe ich mehr Tetris gespielt.

Fotografin, *1963
Millennium | Party bei Schwester in Norddeutschlan.

Eine Frau, *1950
Millennium | Nichts Besonderes. Ich war nur interessiert, ob an dem Geunke, daß womöglich alle Rechner samt Stromversorgung ausfallen könnten, etwas dran sein würde.

Sportmanager, *1977
Erster Schultag | Kein Stück. Nicht mal an ein Foto davon.

Buchhändlerin, 1962, *1962
Großeltern | Oh ja, sehr gute-meine Großeltern waren klasse, Opa verwöhnte mich, Oma war strenger-aber auch sehr lieb.

Ärztin, *1951
11. September 2001 | normal gearbeitet, meinen Sohn von Tanzstunde abgeholt: alle erzählten davon. Ich konnte mir soviel Perversität nicht vorstellen: Menschen zu lebenden Bomben gegen Andere einzusetzen!

Eine Frau, *1950
Großeltern | Nur an die väterlicherseits...zwei steinalte Herrschaften, bettlägerig. Im Alter von 97 bzw 93 Jahren verstorben. Spannender sind die Erinnerungen meiner Mutter an ihre Eltern, die beide früh verstarben.

Frau, *1978
Großeltern | Ja, sie waren weit weg und alt, gehörten zu einer anderen Welt und ich sah sie nur einmal im Jahr. Die Großmütter trugen Kopftuch, wie es auf dem Land üblich war, und der Großvater immer eine Art Baskenmütze. Wenn er fotografiert wurde, bestand er aber darauf, sie durch seine gute (traditionelle) Kopfbedeckung auszutauschen.

Studentin, *1987
Mauerfall | Ich war noch klein und auch nicht in Deutschland.

dramelia, *1991
Millennium | Ich war in meinem Heimatort und wir haben mit unseren Nachbarn gefeiert. Es lagen 20 cm Schnee und wir haben teilweise den Schnee mit Böllern gesprengt und viele "2000"-Kerzen angezündet.

Redakteurin, *1966
Erster Schultag | Dunkel. Er fand in einer Art "Baracke" statt. Ich fand das alles eher bedrohlich.

Eine Frau, *1948
Sommermärchen | Als Fussball-Muffel eher nicht, aber natürlich konnte ich mich der Bilderflut nicht entziehen, die einem ja überall begegneten. Sehr beeindruckt hat mich das nicht. Über die Deutschland-Fahnen, die überall zu sehen waren, habe ich nachgedacht: Gut oder übertrieben? Vielleicht ein wenig von beidem.

Ingenieur, *1952
Mauerfall | Was für eine Nacht! Als gebürtiger Mitteldeutscher , nicht Ostdeutscher, war man hin und weg.

Ethnologin, *1943
Reise | Ich habe mit 64 Jahren im Rahmen meines Ethnologiestudiums eine Feldforschung in Mali durchgeführt und lebte 5 Wochen bei einer malischen Familie in deren Gehöft in der Provinzstadt Ségou. Soviel Neues und Fremdes habe ich bei keiner anderen Reise erlebt. Und ich war dann bald wieder dort, um einen Film zu drehen.

Apotheker, *1949
Prominenz | Ja, dadurch, dass ich ständig zwischen Ruhrgebiet und Berlin pendele gar nicht mal so selten. Sehr eingeprägt hat sich bei mir die Begegnung mit Dieter Hildebrandt, der mal auf dem Weg von Berlin nach Nürnberg mir im Zug gegenüber saß. Da haben wir uns recht lang und ausführlich unterhalten. Und wie so oft merkt man dann, dass diese Promis eben auch meist ganz normale, nette Menschen sind...

Tagesmutter, *1959
Mauerfall | Ja so ziemlich genau, ich war nach einer gespenstigen Einreise in die DDR über Nacht in einem Einreiselager in Berlin.

Lehrerin, *1952
Mutter | Meine Mutter war sehr mit ihrer holsteinischen Kleinstadt verbunden, in der sie von Kindheit an gelebt hatte. Von ihren Eltern zu einer Bürolehre gezwungen, war sie froh, mit meinem Vater, den sie im Krieg geheiratet hatte, Ende der vierziger Jahre ein Lebensmitttelgeschäft aufbauen zu können. Ihr Haushalt lebte von dem, was sie im "Pflichtjahr" auf einem Gut gelernt hatte.

Eine Lehrerin, *1970
Millennium | Ich war mit meinem Mann in England und wir haben in Dover an einer Prozession teilgenommen. Am Ende wurde symbolisch eine brennende Uhr aus Pappe aufs Meer geschickt. Sehr beeindruckend.

Apothekerin, *1954
11. September 2001 | Ja. Ich kam gegen 14.30 zur Arbeit in die Apotheke und meine Kollegin erzählte etwas von einem Flugzeug, das in ein Hochhaus geflogen sei. Ich dachte nur, "schon wieder ein Flugzeugabsturz" - scheinbar waren in den Tagen davor mehrmals Flugzeuge abgestürzt. Meine Einschätzung hat sich dann sehr schnell geändert...

Studierende Mama, *1984
Sommermärchen | Ich bin überhaupt kein Fußballfan und ich bin jedes Jahr sehr genervt von dem Geschrei und dem extremen Krach den die Mehrheit meiner Mitmenschen macht. Damals wohntei ch noch sehr zentral in meiner Stadt und es war wiklich furchtbar. da es sehr heiß war wollte ich nachts lüften, nur bei dem Lärm konnte ich überhaupt nicht schlafen. Ich fühlte mich sehr gefangen. Nun wohne ich - Gott sie Dank - in einer viel ruhigeren Gegend und habe dieses Jahr fast nichts vom Fußball Hype mitbekommen.

Malerin, *1950
Mauerfall | Nicht genau. Nur noch daran, dass ich weinte, als ich die Vorgänge und den Jubel der Menschen im Fernsehen sah.

Organisationsentwickler, *1972
Sommermärchen | Unsere Töchter waren 2 Jahre bzw. 4 Monate alt und wir haben fast alle Deutschland-Spiele mit Freunden in unserem Garten geschaut.