Der Plankton-See

Hier sehen Sie eine Zufallsauswahl von „Erinnerungskristallen“, die sich bereits im Textpool befinden.

Krankenschwester, *1980
Millennium | Weiß ich nicht mehr. Silvester bedeutet mir nicht viel. Mit Familie und einem Glas Sekt um Mitternacht.

Mann, *1963
Großeltern | Ja, aber es sind nur einzelne, etwas diffuse Bilder vorhanden. Mein Grossvater hörte nach dem Mittagessen regelmässig Nachrichten im Radio und schlief dazu auf dem Sofa ein. Ausser Haus trug er immer einen Hut.

Pädagoge, *1971
Spielzeug | Die Wäscheklammern meiner Mutter als ich noch ein Kleinkind war.

Angestellter, *1969
Erster Kuss | An der S-Bahnstrecke, auf einem Sandberg sitzend. Sie war älter und roch so gut.

Sportmanager, *1977
Gedicht | Ja, aber nix spektakuläres. Dafür Liedtexte. Sind das die Gedichte meiner Generation?

Ärztin, *1951
Mauerfall | zu Hause, ständig Nachrichten im TV, mein kleiner Sohn fand dass die Erwachsenen plötzlich unerreichbar waren.

Studierende Mama, *1984
Millennium | Ich bin mit einem Freund nach Paris gefahren, dort war eine sehr große Feier. Heute würde ich das nicht nochmal mitmachen. Ich merke ich werde älter und habe ganz andere Bedürfnisse an eine Reise.

Theologin, *1968
Mauerfall | Wir machten eigentlich Revolution in Halle/S. und realisierten es viel später, übermüdet in der Uni am nächsten Tag. Die Bedeutung und das Ausmaß kamen mit den Jahren...

eine Frau, *1965
11. September 2001 | Ja. Wir hatten Konferenz, eine Kollegin kam die Treppe herunter und sagte, es habe einen Terroranschlag gegeben.

Redakteurin, *1966
11. September 2001 | Meine Tochter war gerade geboren, am 3. September. Ich lebte in Frankfurt/Main mit der Aussicht auf die Skyline und dachte immer: Jetzt bin ich Mutter und jetzt kommt ein Krieg?

Ein Mann, *1968
Großeltern | Meine Großmutter war sehr klein. Mein Großvater sehr groß. Er hatte große Hände und war im 2. Weltkrieg in Jugoslawien und Griechenland. Ich erinnere mich noch, als er mir 50 DM gab, als ich in den Sommerferien zuhause blieb, um den Nachbarn den Rasen zu mähen. Meine Eltern sind mit den Geschwistern nach Schweden gefahren.

Herr von und zu ..., *1968
Stau | Auf dem Weg zu meinem Arbeitsplatz, dieser liegt ca. 30 km von meinem Wohnort entfernt, muss ich täglich zweimal die Autobahn benutzen.
Daher wundert es mich ein wenig behaupten zu können, ich habe zwar schon des Öfteren in einem Stau gestanden, aber nicht so häufig, wie es statistisch zu erwarten wäre.

Webdeveloper, *1975
Erster Computer | Der C64 war mein erster Computer. Ich war 12 Jahre alt und kaufte ihn von meinen gesamten Ersparnissen. Damit eröffnete sich eine komplett neue Welt und ich verbrachte viel Zeit mit diesem grauen Brotkasten .. Dieses kleine Wunderwerk war auch ohne Internet, E-Mail & Co. unglaublich kommunikativ und gesellig - man versammelte sich stundenlang mit Freunden vor dem Bildschirm und spielte die neuesten Games. 64kb Ram und 16 Farben waren vollkommen ausreichend und der 9-Nadel-Drucker produzierte die ersten Fanzines für den Schulhof. Natürlich mit Tips, Cheats and Pokes für die Spiele, die auf normalen Kassetten und später monströsen Disketten in der Pause gehandelt wurden. Heute alles unvorstellbar. Aber ich habe die Kiste immer noch im Schrank stehen und er funktioniert tatsächlich noch ;-)

Eine Frau, *1948
Gedicht | Einige, als erstes fällt mir "Der alte Tibettteppich" von Else Lasker-Schüler ein: Deine Seele, die die meine liebet ...

Schülerin
Gedicht | Den "Zauberlehrling" von Goethe. Den habe ich in der 5.Klasse auf Klassenfahrt bei einer Talentshow aufgesagt. Ich habe sogar gewonnen und habe einen Eisgutschein bekommen. Ich mag auch das Gedicht "Warum die Zitronen sauer wurden" von Heinz Erhardt. Das war das aller erste, was ich auswendig konnte.

Buchhändler, *1959
Mutter | klein und zierlich

Krankenschwester, *1980
Erster Schultag | Auf der Schultüte waren Märchenfiguren, mein Tornister war gelb (meine Lieblingsfarbe), ich sass neben Reinhard und meine Lehrerin war sehr nett und ich war erstaunt, dass sie wusste, wer ich war.

Studentin, *1985
Mauerfall | Meine Eltern wollten schon über Ungarn fliehen und dann war es endlich vorbei.

Malerin, *1950
Spielzeug | Eine Babypuppe aus Gummi, die mir mein Vater von einer Italienreise mitgebracht hatte. Sie hieß (heißt) "Bambino" . Am Mund hatte sie ein Loch, in das man Flüssigkeiten hineinfüllen konnte. Der Kopf war ganz leicht abzunehmen. Ich habe sie immer noch, obwohl ein Auge fehlt und das Gummi schon recht brüchig ist. Ich kann es nicht übers Herz bringe, sie wegzuwerfen. So liegt sie in einer Schachtel ganz oben in einem Regal.

Künstlerin, *1966
Gedicht | Ja, von Claire Goll

"Zehn Jahre schon da du mich liebst,
zehn Jahre zehn Minuten gleich
und immer sehe ich dich zum ersten Mal,
künftige Tränen hinter der Brille
wie Diamanten in Vitrinen...."

Ganz krieg ich's nicht mehr zusammen, aber in weiten Teilen.

Mann, *1963
Gedicht | Eigentlich nicht. In der Schule lernte ich mal "Fehlgeschossen" von Wilhelm Busch, hat mir gut gefallen. Gedichte lernen war schon zu meiner Schulzeit nicht mehr so in Mode.

Ein Berliner aus Duisburg, *1962
Millennium | Mit meiner damaligen Lebensgefährtin bei uns daheim. Die Flasche Sechsämtertropfen von 1966, ein Geschenk, das von mir und meinen Freunden seit 16 Jahren für diesen Termin aufgespart wurde, habe ich noch immer ungeöffnet bei mir.

Typographikerin, *1949
Großeltern | Nein, ich kannte meine Eltern nicht, also auch nicht meine Großeltern.

Studierende Mama, *1984
Gedicht | Ja, in der Schule mussten wir welche auswendig lernen. Dennoch blieben mir die Kindergedichte von Heinz Erhardt am besten im Gedächtnis.

Mann, *1965
Stau | Ja, und je öfter es heute auch noch passiert, um so weniger macht es mir etwas aus.

Fahrlehrer, *1935
Möbel | Als Kleinkind schlief ich in einem Bett, dessen Matratze stark gewölbt war. Ich rollte im Schlaf nach links runter oder nach rechts runter. Dieses Bett fürchtete ich, weil ich immer rauszufallen drohte. Es war Kriegszeit, meine Mutter (Vater war Soldat) konnte keine neue Matratze organisieren. Ich hasste dieses Bett.

Schüler, *1997
Erster Computer | Ja. Meinen ersten Computer hatte ich glaube ich mit ca. 11 Jahren. Davor hatte der Computer meiner Mutter gehört bis sie sich dann einen neuen gekauft hat und ich den alten haben durfte.

Fotografin, *1963
Erster Computer | Apple Power Mac 700

Schreibstudentin, *1994
Erster Computer | Ein uralter Toshiba oder Mcintosh, ist das daselbe? Er war ganz dick und schwer. Ich hab ihn von meinem Vater bekommen und schaltete ihn an auf einem dicken Knopf oben links. Da gingen auch noch Disketten rein. Ich habe Bibi und Tina drauf gespielt und erste Texte geschrieben.

Studentin, *1985
11. September 2001 | Ich saß nach der Schule vor dem Fernseher, als die Berichtserstattung anfing. Ich weckte meine Mitbewohnerin und war überzeugt, dass jetzt ein Krieg beginnt...

Anwalt, *1965
Prominenz | Ja, ich saß einmal in der Met in New York hinter Henry Kissinger, der mit seiner tiefen Stimme seine Verwandtschaft dirigiert und platziert hat. Er hat sich dann - es dauerte etwas - umgedreht und für die "Störung" entschuldigt. Jim Kerr von den Simple Minds hat mir nach einem Konzert in Stuttgart ein Autogramm auf einer 1 Pfund-Note gegeben, weil ich kein Papier hatte, dass ich ihm hinhalten konnte.

Ethnologin, *1943
Tiere | Ich mag Katzen. Sie strolchen herum, jagen und leben natürlich und frei. Und gleichzeitig genießen sie Schutz, Wärme und Futter. Sie lassen sich kraulen und schnurren und sie gehen, wie es ihnen gefällt. Sie sind unabhängig und lassen sich nicht dressieren.

Blumenbinderin, *1969
Mauerfall | Ein Wahnsinnstag im ersten Rausche, die folgenen Tage und Nächte schien alles möglich zu sein.

Sicherheitsmitarbeiter, Privatdetektei, *1962
Erster Schultag | Der war ganz schrecklich.
Wegen Lehrermangels waren wir zwei Klassen in einer,
und es gab noch die Prügelstrafe.
Ich habe öfter den Rohrstock wegen Nichtigkeiten auf die Finger bekommen.
Kein gutes Lernklima.
Viele Lehrer damals waren verkappte Sadisten, die das in der Schule ausleben konnten.

Lehrer, *1962
Auto | Mein erstes Auto war ein grüner Fiat Mirafiori, er hatte kaum PS. Dennoch hatte ich ihn nach kurzer Zeit zu Schrott gefahren. Er wurde durch einen gelben Mirafiori ersetzt. Mit dem Fuhren wir nach Frankreich, er war ein geräumiger Reisewagen. Leider nagte der Rost an ihm. Deshalb hatte ich ihn verkauft, bevor er verschrottet werden müsste.

Blumenbinderin, *1969
Spielzeug | Äste, Stöcke, Steine, Federn und der olle Einschlafteddy.

Politikwissenschaftlerin, *1961
Mauerfall | Ja, ganz genau. Ich bin mit einem befreundeten Paar, die mich, die ich inzwischen in Ost-Berlin wohnte, für ein paar Tage besuchten, noch in der Nacht der Maueröffnung über den Übergang Friedrichstraße mit der S-Bahn zum Bahnhof Zoo gefahren. Auf dem Kurfürstendamm lud uns ein junger Jugoslawe in seinen Kleinwagen ein. Er holte von zu Hause Sekt, Gläser und einen Fotoapparat. Es war ein einmaliges bleibendes Erlebnis. Die Fotos aus dieser Nacht werden im meist jüngeren Freundes- und Kollegenkreis mit großen Augen bestaunt.

oma h., *1955
Erster Computer | habe keinen eigenen. Teile ihn mit meinem Mann

Ingenieur, *1952
Spielzeug | Ein LKW, das hat mich geprägt, vielleicht würde ich deshalb auch Ingenieur.

Studentin, *1991
11. September 2001 | Ja, ich war zu der Zeit vernarrt in Nachmittagsshows im deutschen Fernsehen (ich war 10) und habe mich geärgert, als das Programm einfach unterbrochen wurde, bis ich sah, worum es ging und warum das so wichtig war.

Ethnologin, *1943
Prominenz | Als Jugendliche sammelte ich mit meinen Freundinnen Autogramme: beim Sechs-Tage-Rennen, beim Filmball oder bei Filmpremieren. Das Album mit den Autogrammen ist irgendwann verlorengegangen.

Psychotherapeutin, *1956
Millennium | Mit Freunden in der Wohnung meiner Nachbarin.

Redakteurin, *1966
Erster Schultag | Dunkel. Er fand in einer Art "Baracke" statt. Ich fand das alles eher bedrohlich.

Kommunikationsmanagerin, *1980
Sommermärchen | Es war ein heißer Sommer und ich habe auf meine Abschlussprüfung gelernt, während alle anderen Fußball schauten.

Eine Lehrerin, *1970
11. September 2001 | Ich habe in dem Moment den Fernseher eingeschaltet, als das 2. Flugzeug in den 2. Turm geflogen ist. Geweint habe ich.

Eine Frau, *1981
Erster Schultag | Nein, leider nicht.

Herr von und zu ..., *1968
Mutter | Meine Mutter versuchte uns allen eine angenehme Zeit zu ermöglichen. Sie war pflichtbewusst und ich denke man konnte sich auf sie verlassen. Sie hatte sehr viel Freunde daran, Neues auszuprobieren.
Dies betraf besonders ihre Experimentierfreudigkeit bei der Zubereitung von Nahrungsmitteln. Hierbei traf sie allerdings nicht immer unsere kulinarischen Präferenzen. Trotzdem vielen Dank, Mutter!

Krankenschwester, *1980
Mauerfall | Nicht bewusst. Aber die Stimmung dieser Zeit hab ich schon mitbekommen und die Bilder stark vor Augen. Wir haben Verwandte in der Nähe von Leipzig und ich hab schon gemerkt, das da was besonders im Gang war. Ich wusste was DDR war und kann mich gut an die strengen Grenzkontrollen erinnern.

Eine Lehrerin, *1970
Erster Kuss | Ja. War aber nichts besonderes.

Schüler, *1997
Großeltern | Ich habe nur meine Großeltern mütterlicherseits kennen gelernt. Meine Oma ist als ich so ca. 7 Jahre alt war an ALS verstorben und mein Großvater lebt immer noch. Auch wenn ich kaum Zewit mit ihm verbringe, obwohl er nicht weit weg wohnt, weiß ich, dass wenn er Tod ist, ich genau das bereuen werde.

Ärztin, *1951
Sommermärchen | Wochen guter Stimmung und viele Begegnungen

Studentin, *1985
Großeltern | Damals war meine Oma immer für mich da, auch als ich den Motor im See versenkt hatte. Sie war einzigartig! Heute nennt sie mich beim falschen Namen und auch wenn sie noch ein bisschen wie sie aussieht, ist sie es doch nicht mehr.

Organisationsentwickler, *1972
Erster Computer | Alle hatten einen C64, ich hatte einen Schneider 6128 - vielleicht liegt es daran, dass ich Computer-Spiele nicht mag.

Tagesmutter, *1959
Großeltern | ganz wenige, mein Opa war schon lange tot , als ich geboren wurde und meine Oma ist bereits verstorben als ich dre war.

Hausmeister, *1950
Großeltern | Bei meiner Geburt lebten nur noch zwei Großeltern. Der Großvater mütterlicherseits wurde in unserer Familie eines mir nicht bekannten Streites wegen wie nicht existent behandelt. Erst als ich schon über Dreißig war, erfuhr ich, daß ich ihn hätte als Kind kennenlernen können. An die Großmutter erinnere ich mich als eine hagere alte Frau, die am Küchentisch saß und 32 Kaffee- bohnen in die alte Kaffeemühle mit der Kurbel zählte, sie dann mahlte und sich daraus einen kleinen Henkeltopf voll Kaffee kochte. Was sie nicht gleich trank, wurde auf die eiserne Herdplatte an den Rand gestellt, damit es warm blieb.
Meist saß die Großmutter auf einem Podest vor dem Fenster und beschäftigte sich mit Handarbeiten. Die Brille war dabei so weit zur Nasenspitze geschoben.

Lebenskünstlerin, *80
Gedicht | Der Panther von Rilke.

Eine Frau, *1968
Erster Computer | Ich hatte nie einen eigenen, immer nur in der Firma.

Angestellter, *1969
Spielzeug | Meine Plaste-Indianer und Cowboys und die dazugehörigen Holzhäuser ("Saloon" usw.).

Lebenskünstlerin, *80
Mauerfall | Ja. Erfassen konnte ich es aber nicht.

Diplomingenieur, *1965
Sommermärchen | Toller Sommer. Tolle Stimmung. Keiner hat der deutschen Mannschaft das zugetraut. Damals habe ich Klinsmann und Löw überhaupt nicht ernst genommen. Schwäbischer Bäckerbursche und Co-Trainer mit Zischlautschwierigkeiten.

Hersteller, *1963
Vater | Organisiert und großzügig.

Malerin, *1950
Millennium | Im Stadttheater. Es gab ein tolles programm mit zwei berühmten Pianisten, die populäre Stücke ganz mitreißend spielten. Um 24 uhr waren wir draußen am See. Alles war verschneit und ein wunderbares Feuerwerk wurde überm Hafen abgefeuert.

Hersteller, *1963
Reise | Gerne denke ich an eine der ersten Urlaubsreisen mit meiner damaligen Freundin und jetzigen Frau zurück. Wir waren in Schweden 10 Tage mit dem Kanu unterwegs. Haben eigentlich niemanden gesehen, geschweige denn jemanden gesprochen. Das ist schon eine Erfahrung, die, wenn sie gutgeht, zusammenschweißt.

Redakteurin, *1966
Spielzeug | Meine Puppen.

eine Schülerin, *1997
Sommermärchen | Garkeine. Mir ist vor ein paar Wochen erst wieder eingefallen, dass die überhaupt in Deutschland war.

Schüler, *1997
Erster Schultag | Nein, nicht mehr wirklich. Ich weiß nur noch, dass wir alle in einer großen Halle saßen und darauf warteten aufgerufen zu werden. Dann sind wir nach vorne gegangen und haben uns zu den neu eingeschulten gesetzt.

Ein Berliner aus Duisburg, *1962
Gedicht | Den Ribbeck und die Glocke aus Schulzeiten ("davon habt ihr was fürs Leben...") bekomme ich nicht mehr zusammen, aber dafür diverses von Ringelnatz und Morgenstern.



Die (Halb)Trichter

Zwei Trichter wandeln durch die Nacht.

Durch ihres Rumpfs verengten Schacht

fließt weißes Mondlicht

still und heiter

auf ihren

Waldweg

u.s.

w.

.

Pädagoge, *1971
Mauerfall | Ich erinnere mich daran, dass ich mich sehr für die Menschen gefreut habe, die sich nach so langer Trennung wieder in die Arme nehmen konnten.

Lehrerin, *1983
Erster Computer | Ja, ein Laptop, 2002.

Bankkaufmann, *1965
Erster Schultag | Meinen ersten Schultag erinnere ich nur über Photos. Überhaupt sind die ersten vier Jahre sehr verblasst.

Pädagoge, *1971
Erster Schultag | Große Schultüte und die Frage "Was soll ich da?"

Buchhändlerin, 1962, *1962
11. September 2001 | Ja, im geschäft haben wir alle vorm radio und pc gehockt und konnten es nicht fassen.

Eine Frau, *1964
11. September 2001 | An diesem Nachmittag unterichtete ich eine Konfirmandengruppe. Während des Unterrichts kam meine Küsterin und erzählte mir von dem Ereignis. Erst als ich nach dem Unterricht zuhause den Fernseher anschaltete, begann ich wie in kleinen Schritten zu begreifen, was da geschehen war. Wenn ich daran denke, spüre ich noch immer wie sich das Entsetzen in mir ausbreitet.

Mann1959
Großeltern | Die mütterliche Großmutter war eine bergende Frau. Warme Seele. Wache Augen. Geld zugesteckt. Fleischige Arme und Hände zum Halten und Wiegen. Und dann wieder ängstlich. Die Natur ist von bedrohlichen Wesen wie Nachtkrähen und Hakenmännern im Bach bevölkert. Eine Großmutter zum Singen beim Rübenernten und Kuhmelken.
Die väterliche Großmutter war eine Dame. Distanziert. Lange alleinlebend. Harre etwas Strenges. Sehr sparsam. Dann aber feiner Humor ab und zu aufblitzend. Traut Dinge zu, die bei den Eltern unmöglich gewesen wären (Hausfassade streichen, Dach decken, und stärkt männliche Seite.
Mütterliche Großvater als Mann eher weich und unbestimmt. Lebt in Kriegsabenteuern, Gesagnverein und Stammtisch. verweigert nach dem Krieg Verantwortung.

Sozialpädagogin, *1954
Spielzeug | der alte Bär Pu, der mit mir aus der DDR ausgereist ist (es gibt ihn noch)

Archäologe, *1974
Erster Computer | Ich wollte nie einen erwerben, habe dann aber doch 1998 einen gebrauchten über die Zweite Hand gekauft.

Schülerin
Spielzeug | Mein Kuscheltier. Das war ein Eisbär, der Otto hieß. Ich habe ihn von meinen Großeltern bekommen. Mein Opa hat ihn nach Otto von Bismarck benannt.

Bankkaufmann, *1950
Möbel | Da fällt mir mein Bett ein. Es war Teil einer früheren Schlafzimmereinrichtung und hatte noch eine dreigeteilte Matratze aus Roßhaar. Beim Schlafen bin ich immer in die Mitte gerollt.

Diplom-Bibliothekar, *1965
Tiere | Erdmännchen, der solidarische Lebensverband hat mich immer beeindruckt.

Schülerin, *1998
Großeltern | Ja, sie leben sogar noch. Nur an meinen einen Opa habe ich keine Erinnerungen, da er schon verstorben ist.

oma h., *1955
Millennium | zu Hause

Personalreferentin, *1947
Erster Schultag | Ja, an den Kampf um einen Platz an einem Vierertisch in der Klasse, weil ich unbedingt mit meiner Freundin Monika zusammen sitzen wollte. Es gab Tränen dabei, ich wollte weglaufen. Aber irgendwie saßen wir dann doch zusammen.
Jetzt während des Schreibens fällt mir noch meine Mutter ein, die sich schick gemacht hatte, mich zur Schule brachte, ein flottes, schwarzes Hütchen auf dem Kopf! Ich sah sie so mit Hut zum ersten Mal, etwas komisch sah sie aus, war mir ganz fremd, sonst setzte sie so etwas nie auf. Sie hatte bestimmt nur den einen Hut.

Ingenieur, *1977
Sommermärchen | Ja, ich war live dabei! Mein bester Freund und ich hatten Karten für das Spiel um Platz 3 bekommen und uns zunächst sehr darüber geärgert, weil wen interessiert schon der 3. Platz?
Als dann allerdings Deutschland gegen Portugal um Platz 3 spielen sollten warn uns die Karten doch nicht mehr so ganz unrecht!
Wir waren auch im Stadion - so eine Stimmung habe ich seither nie mehr erlebt - einfach der absolute Wahnsinn!

Sicherheitsmitarbeiter, Privatdetektei, *1962
Erster Computer | Ja, sagenhafte 2 Gigabyte Festplatte,
ohne Zubehör für 2200DM.
Mein ganzer Stolz.

Ingenieur, *1952
Sommermärchen | Eigentlich nur an den Fahnen an den Autos und den Flaggenüberzieher an den Außenspiegeln, die überall auf den Staßen verdreckt herumlagen.

Sportmanager, *1977
11. September 2001 | Oh ja! Ich habe damals ien Praktikum in Berlin absolviert und sah zufällig die Bilder im TV. Es hat eine ganze Weile gedauert bis ich gemerkt habe, dass es kein Spielfilm ist...

Buchhändler, *1975
Gedicht | In der Grundschule musste ich ein Gedicht lernen, dass das Feuer hieß. Wochenlang war ich mit den zungenbrecherischen Reimen beschäftigt:
Hörst du wie die Flammen knistern, knicken, knacken, krachen, flüstern.
Wie das Feuer saust und braust
brodelt brutzelt brennt und braust...

Das ging über mehrere Strophen so. Ganz habe ich es nie hinbekommen.

Lebenskünstlerin, *80
Erster Schultag | Nein. Komischerweise nicht.

Redakteurin, *1966
Erster Kuss | Ja, in der Berliner S-Bahn, in einer Nacht im Juli 1987.

Mann, Außenhändler, *1963
Auto | Ich habe noch nie Eines besessen. Ich fahre seit 24 Jahren Firmenwagen.

Ein Berliner aus Duisburg, *1962
Erster Kuss | Wer täte das nicht...
Christel hieß sie...

Professor, *1960
Vater | »Mein Vater war der erste Mensch, den ich habe lesen sehen, und das entschied über mein Leben.« (Ludwig Harig) Mit einem Buch saß er abends im Sessel, die Füße hoch, ein Glas Mineralwasser neben sich. Als wir noch klein waren, nahm er uns auf seine Baustellen mit. Unterwegs gab es eine Bockwurst und einen halben Liter Milch. Im Keller hatte er sich eine Werkstatt eingerichtet.

Lehrerin, *1983
11. September 2001 | Ja. Ich kam nach Hause und meine Mutter hatte das Fernsehgerät angestellt, was sonst tagsüber nie der Fall war. Da wusste ich, dass etwas Schlimmes passiert sein musste.

Pensionierter Lehrer, *1941
Mauerfall | Am Morgen nach der Öffnung der Mauer habe ich eine Flasche Sekt und ein paar Gläser ins Lehrerzimmer mitgebracht - seltsam, nur wenige Kollegen verstanden gleich, was der Anlass dazu war. Na ja, das war eben in Oberbayern. Und am Nachmittag habe ich einen gebrauchten Fernseher gekauft, um die Bilder von der Öffnung und danach zu sehen. Das grösste Ereignis in meinem "öffentlichen" Leben.

Norddeutscher, *1962
Millennium | Den Jahrtausendwechsel 1999 auf 2000 habe ich mit Freunden auf einer Party verbracht. Alle waren sehr aufgeregt, keiner konnte eigentlich so genau sagen warum. Vielleicht, weil ganz besonders für die Nachkriegsgeneration das Y2K immer ein magisches Jahr war, ein Jahr das soweit in der Zukunft lag, dass man gar nicht erwartete, es wirklich zu erreichen. Und dann war es plötzlich da. Es wurde auch viel herum geunkt, von irgendwelchen Katastrophen, die angeblich mit diesem besonderen Jahreswechsel verbunden sein sollten. Das stellte sich alles als Blödsinn heraus.

Drucker, *1946
Großeltern | Sehr gute sogar, denn ich bin nach der Scheidung meiner Eltern bei ihnen aufgewachsen - vom ersten bis zum fünfzehnten Lebensjahr. Dann starb meine Großmutter. Großvater war damals bei der Polizei und hatte noch drei Dienstjahre vor sich. Man kann sagen, ich hatte eine schöne Kindheit.

Fotografin, *1963
Gedicht | Ein Gebet: Müde bin ich geh zur Ruh, schließe beide Äuglein zu, Vater lass die Augen Dein, über meinem Bette sein. Hab ich Unrecht heut getan, sieh es Lieber Gott nicht an, deine Gnad' und Jesu Blut, machen allen Schaden gut.

Tagesmutter, *1959
Spielzeug | Meine alte Puppenstube, mit Klingel, Drehlichtschaltern und herrlich alten Möbeln.

Ärztin, *1951
Erster Computer | 2000, zum Briefeschreiben

Frau, *1953
Erster Schultag | Eigenartigerweise nicht. Aber an meine erste Lehrerin. Alle fanden sie totchic. Sie stammte angeblich aus gutem Hause. Ich verstand nicht ganz, was damit gemeint war. Eigentlich fand ich alle Häuser bei uns im Viertel ganz gut.