Der Plankton-See

Hier sehen Sie eine Zufallsauswahl von „Erinnerungskristallen“, die sich bereits im Textpool befinden.

Theologin, *1968
Erster Schultag | Es gibt ein Foto von genau dieser Situation: vor der Klasse stehend, die Hände auf die Hüften gestützt, warte ich darauf, dass ich endlich durch eine Reihe Reifen hüpfen darf. Am Ende ist ein Tisch aufgebaut. Dort liegen die Zuckertüten. Meine hat einen Ball ganz oben drauf.

Geograph, *1953
Reise | An viele. Besonders aber an die Sahara Fahrt (zu zweit) mit vielen tollen Begegnungen und Erlebnissen weit weg von unserem Alltag.

eine Frau, *1965
Erster Kuss | Ja, auf einer Geburtstagsfeier einer Schulfreundin, im Dunkeln und mit Musik im Hintergrund.

Typographikerin, *1949
Erster Computer | Ja, aber die Zeit weiss ich nicht mehr. Da hatte ich so einen grossen Kasten unter dem Schreibtisch stehen und einen schönen großen Bildschirm. Da ich sehr technikbegeistert bin, hat es mir sehr viel Spaß gemacht, damit zu arbeiten - und macht es heute noch. Mein Mann ist mein Lexikon, wenn ich eine Frage habe, kann ich immer ihn fragen.

Mann1959
Großeltern | Die mütterliche Großmutter war eine bergende Frau. Warme Seele. Wache Augen. Geld zugesteckt. Fleischige Arme und Hände zum Halten und Wiegen. Und dann wieder ängstlich. Die Natur ist von bedrohlichen Wesen wie Nachtkrähen und Hakenmännern im Bach bevölkert. Eine Großmutter zum Singen beim Rübenernten und Kuhmelken.
Die väterliche Großmutter war eine Dame. Distanziert. Lange alleinlebend. Harre etwas Strenges. Sehr sparsam. Dann aber feiner Humor ab und zu aufblitzend. Traut Dinge zu, die bei den Eltern unmöglich gewesen wären (Hausfassade streichen, Dach decken, und stärkt männliche Seite.
Mütterliche Großvater als Mann eher weich und unbestimmt. Lebt in Kriegsabenteuern, Gesagnverein und Stammtisch. verweigert nach dem Krieg Verantwortung.

Studentin, *1987
Erster Kuss | Überraschend, aber sehr herbei gewünscht. Tanzend, mitten in der Nacht, nur wir zwei...

Mann1959
Erster Computer | Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter besorgt ihn mir und installiert ihn an meinem neuen Arbeitsort. Erste Versuche, Texte zu schreiben und Gemeindebrief zu layouten (aber dann doch mit Schere und Klebstift).

Ärztin, *1955
Erster Schultag | Nur anhand des offiziellen Fotos. Ich weiß nur, daß ich mich sehr auf die Schule gefreut habe.

Fahrlehrer, *1935
Möbel | Als Kleinkind schlief ich in einem Bett, dessen Matratze stark gewölbt war. Ich rollte im Schlaf nach links runter oder nach rechts runter. Dieses Bett fürchtete ich, weil ich immer rauszufallen drohte. Es war Kriegszeit, meine Mutter (Vater war Soldat) konnte keine neue Matratze organisieren. Ich hasste dieses Bett.

Volkswirt, *1943
Spielzeug | Metallbaukasten

Soziologe, *1981
Spielzeug | Mein Playmobil-Piratenschiff. Vor allem erinnere ich mich aber an ein Stofftier, ein Affe namens Julia, der sogar auf zahlreichen Urlaubsfotos auftaucht. Ich nahm ihn offenbar überall mit hin.

Ingenieur, *1977
Gedicht | Dunkel war's, der Mond schien helle als ein Auto blitzeschnelle langsam um die runde Ecke bog. In einem Bus sitzen stehend Menschen schweigend ins Gespräch vertieft ....

Pensionierter Lehrer, *1941
Sommermärchen | Nein - Fussball interessiert mich nicht besonders.

Eine Frau, *1981
Gedicht | Ja.

Fahrlehrer, *1935
Tiere | Ich mag Katzen, mag deren wunderbar ruhige Bewegungen, mag es ganz besonders, dass sie sich nicht so dressieren lassen, wie das bei Hunden möglich sein kann. Ich bin kein Tierhalter, weil mir die Kraft zur Übernahme der Verantwortung für ihr Wohlergehen fehlt. Vielleicht haben meinen Kindern Tiere gefehlt.
Begeistern können mich große Vögel, besonders wegen der ruhigen Flügelbewegungen.

Organisationsentwickler, *1972
Millennium | Ich wohnte in einer WG mit 5 MitbewohnerInnen auf 270 qm mit Blick auf die Weser. Es war großartig, als um 12 die Raketen vor unseren Augen explodierten - wir standen auf dem Dach.

Mann, *1965
Mutter | Meine Mutter war in meiner Kindheit so, wie ich mir auch heute noch eine Mutter wünschen würde. Immer da, voller Verständnis und die Freundin, welche ich immer und zu jeder Zeit mit meinen Problemen ansprechen konnte. Heute erinnert sie mich an meinen verstorbenen Großvater, sie sind sich im Alter sehr ähnlich geworden.

Norddeutscher, *1962
Erster Computer | Ich kann mich an jeden einzelnen meiner Computer erinnern. Mein erster Computer war gar kein richtiges Elektronenhirn, sondern ein Word Processor von der Firma Panasonic. Der hatte einen Bildschirm, der aber nicht mal hintergrundbeleuchtet war. Und ein unendlich langsames Diskettenlaufwerk. Man konnte seine Texte damit gleich ausdrucken oder auch speichern. Es war im Grunde genommen eine Typenradschreibmaschine mit sehr viel Elektronik. Mein zweiter, und eigentlich erster Computer, war ein Apple Notebook. Das war 1994. Der konnte noch nicht sehr viel, weniger als mein heutiges Smartphone.

Buchhändlerin, 1962, *1962
Sommermärchen | Nur vage. War nicht mein Ding.

Frau, *1978
Großeltern | Ja, sie waren weit weg und alt, gehörten zu einer anderen Welt und ich sah sie nur einmal im Jahr. Die Großmütter trugen Kopftuch, wie es auf dem Land üblich war, und der Großvater immer eine Art Baskenmütze. Wenn er fotografiert wurde, bestand er aber darauf, sie durch seine gute (traditionelle) Kopfbedeckung auszutauschen.

Schüler, *1997
Sommermärchen | Ja! Auch wenn ich immer sehr leidenschaftlich Fußball gespielt habe, habe ich mich nicht besonders fürs Fußball-gucken interessieren können. Dennoch habe ich immer die Deutschland WM-Spiele verfolgt und im Halbfinale gegen Italien, als Deutschland 0:1 hinten lag und mehrmals den Pfosten getroffen hat, den Ball aber einfach nicht rein bekommen hat und das Spiel schließlich 0:2 für Italien ausging, habe ich dann geweint.

Ergotherapeutin, *1946
Gedicht | Ja , einige aus meiner Schulzeit so halb .

apfelhari, *1944
Mauerfall | Ja, ich saß wie gebannt vor dem Fernseher und war Zeuge historischer Ereignisse. Nicht nur am Tag des Mauerfalls, sondern auch davor und danach.

Bankkaufmann, *1950
Stau | Das läßt sich kaum vermeiden; irgendwann passiert es. Den längsten Stau (ungefähr 1,5 Stunden) habe ich in Ostfriesland erlebt, als es in einer Baustelle einen Unfall gab. Da konnten die Kinder Ball spielen, weil auch die Gegenfahrbahn gesperrt war.

Studierende Mama, *1984
Erster Computer | Ja, es war ein Laptop und im Vergleich zu meinem jetztigen war er und vor allem das Internet(!) sehr viel langsamer.

Schreiberin, *1982
Sommermärchen | Anlässlich dessen habe ich gemerkt, dass ich eine ziemlich Abneigung gegen solche "Massenpartys" habe. Plötzlich gab es nur noch Fußball. Ein für mich langweiliger Sport.

Eine Lehrerin, *1970
Großeltern | Von den Großeltern habe ich jeweils nur die Großmütter kennenlernen dürfen. Der Großvater väterlicherseits ist im 2. Weltkrieg im heutigen Lettland gefallen und der andere 1960 an Magenkrebs gestorben. Die Mutter meiner Mutter war ein warmherzig aber wohl in jüngeren Jahren ein Drache. Eine Matriarchin . Die Mutter meines Vaters war spröde und von einem harten Leben gekennzeichnet.

Eine Frau, *1950
Gedicht | Ja, mehr als eins...Herbstbild / Er ist's / versch. von Rilke

Ingenieurin, *1964
Mauerfall | Ich erinnere mich daran, dass ich zuerst nicht realisierte, welche Bedeutung dies hatte.

Eine Frau, *1968
Spielzeug | Ich habe sehr gern mit meinem Kaufmannsladen gespielt, die Kasse war das beste daran. Ich liebte es auf den Tasten zu tippen, wollte später unbedingt Kassiererin werden. Bald bekam ich daher auch einen Taschenrechner - wohl damit ich mich mehr mit Mathematik beschäftige und meinen Berufswunsch noch einmal überdenke.

Sozialarbeiter, *1975
Gedicht | 'Weltende' von Jakob van Hoddis und 'Schöne Jugend' von Gottfried Benn.
Meine Frau findet die beide "gestört". Zum Trost kann ich dann wenigstens noch ein paar Gedichte von Heinz Erhardt, Robert Genhardt und Ernst Jandl. Wobei Jandl findet sie auch eher seltsam.

Drucker, *1946
Sommermärchen | Das "Sommermärchen"? Ja, die meisten Spiele habe ich im TV gesehen, aber ich bin kein großer Fußballfan.

Apothekerin, *1954
Großeltern | Ja. Die ältere Oma ist erst mit 97 gestorben, da war ich schon 42. Sie hat fast das ganze 20.Jahrhundert erlebt! Die andere Oma ist nur 60 geworden, sie war die erste Tote in meinem näheren Umfeld, das hat mich sehr beschäftigt als 12-jährige.

Marketingmanager, *1969
11. September 2001 | Sehr genau - meine Frau stand kurz vor der Geburt unserer ersten Tochter. Eine Kollegin kam im Verlag zu mir und sagte - diesen O-Ton werde ich nie vergessen: "es ist etwas Lustiges passiert - ein Flugzeug ist ins World Trade Center geflogen."

Personalreferentin, *1947
Erster Schultag | Ja, an den Kampf um einen Platz an einem Vierertisch in der Klasse, weil ich unbedingt mit meiner Freundin Monika zusammen sitzen wollte. Es gab Tränen dabei, ich wollte weglaufen. Aber irgendwie saßen wir dann doch zusammen.
Jetzt während des Schreibens fällt mir noch meine Mutter ein, die sich schick gemacht hatte, mich zur Schule brachte, ein flottes, schwarzes Hütchen auf dem Kopf! Ich sah sie so mit Hut zum ersten Mal, etwas komisch sah sie aus, war mir ganz fremd, sonst setzte sie so etwas nie auf. Sie hatte bestimmt nur den einen Hut.

Diplomingenieur, *1965
Erster Schultag | Ja, ich hatte eine schöne Schultüte. Und unsere Klassenlehrerin hatte ein Kunstlederkostüm an mit weißem Rollkragenpullover. Sie hieß Fräulein Schütze.

Typographikerin, *1949
Spielzeug | Eins fällt mir ein: So ein Holztriesel, dazu ein Stock mit einer Schnur. Damit habe ich leidenschaftlich gern gespielt, auf der Strasse. Aber das war nicht mein Eigentum als Spielzeug. Ich persönlich hatte keins. Nicht mal 'ne Kuschelpuppe. Bin ja im Heim aufgewachsen. Ich hatte mir zu Weihnachten einen Rucksack gewünscht. Den bekam ich dann auch. Das war mein liebster Gegenstand. Mein alleiniger Besitz.

Politikwissenschaftlerin, *1961
Erster Kuss | Mein erster Kuss - da muss ich wohl 12 oder 13 gewesen sein. In einem Gebüsch unseres Spielplatzes mit einem Jungen, der wohl so 14 war. Die Erinnerung daran ist aber stark verblasst.

Frau, *1978
Sommermärchen | Es war größtenteils schönes Wetter, oder?

Eine Frau, *1964
Sommermärchen | Es war die erste und einzige WM, bei der ich mich der Begeisterung nicht ganz entziehen konnte und bei der ich mich tatsächlich in den letzten Minuten des Endspiels zu meiner Familie vor den Fernseher gesetzt habe. Es war auch die erste WM, bei der ich es sehr unangenehm fand, mich rechtferigen zu müssen, weil ich keine Flagge zeigte und ich den kollektiven Jubel äußerst befremdlich fand.

Eine Lehrerin, *1970
Erster Computer | Ja. Der hatte noch grüne Schrift. Ich war begeistert, weil ich meine Hausarbeiten für die Uni jetzt endlich etwas entspannter schreiben konnte. Das Korrekturlesen wurde nicht mehr zur Angstpartie.

Fotografin, *1963
Erster Kuss | Nicht wirklich, leider.

Ergotherapeutin, *1946
Erster Kuss | Ich war 13 oder 14 Jahre alt . Schulfreunde gaben eine Kellerparty mit heißer Musik . Mein heimlicher Schwarm war auch dabei. Wir waren alle noch sehr schüchtern . Plötzlich machte jemand das Licht aus . Wir fanden uns sofort und küssten uns . Als das Licht wieder anging , riefen einige : "die haben sich geküsst ! " Das war uns beiden äußerst peinlich . Wir taten empört und stritten alles ab. Der Kuss aber fühlte sich gut an , ich habe ihn bis heute nicht vergessen !

Blumenbinderin, *1969
Erster Kuss | Er war unbeholfen, zart, sanft, dann innig, warm, nass und irgendwann lachten wir glücklich glucksend, daß wir es gewagt.

Schülerin, *2001
Gedicht | ein bisschen "John Maynard" von Storm

Typographikerin, *1949
Gedicht | Lirum, larum, Löffelstiel - wer viel frisst, der kriegt auch viel. Aber das ist natürlich kein Gedicht. Nur so ein Kinderspruch.

Psychologe, *1969
Sommermärchen | Fußball interessiert mich nicht. Ich war in einem Wellnesshotel und hörte nur das Raunen der Leute oder den Jubel, wenn ein Tor fiel.

Redakteurin, *1966
Erster Kuss | Ja, in der Berliner S-Bahn, in einer Nacht im Juli 1987.

Mann, *1963
Spielzeug | Als Kind hatte ich drei Bären, einer davon war allerdings meinem Bruder. Mit diesen Bären habe ich nicht wirklich gespielt, ich hatte nur das Sorgerecht für sie und fühlte mich irgendwie verantwortlich für sie.

Fotografin, *1963
11. September 2001 | Im Büro im Internet die ersten Bilder, später zuhause verschreckt mehr im TV. Mein Mann bei mir, am Telefon Freundinnen.

eine Frau, *1965
Millennium | Auf einem Dach in Köln-Ehrenfeld mit Freund und Freundin in eher depressiver Stimmung.

Studentin, *1994
Mauerfall | Da war ich noch nicht einmal geplant :D

Sozialarbeiterin, *1960
Erster Computer | Oh ja. Ein Mac. Damals musste man bei den Dos Rechnern noch Pfade legen. Das war mir zu kompliziert. Deshalb fiel meine Wahl auf einen Apple Computer. Und ich bin Apple bis heute "treu" geblieben

Musiker, *1963
Millennium | Das weiss ich nicht mehr. Ich fand das Theater um den Jahreswechsel immer sinnlos und stupid. Ein schreckliches Jahr ist vorbei, um vom nächsten, vermutlich noch katastrophaleren Jahr abgelöst zu werden. Was gibt es da zu feiern? Ich gehe immer früh schlafen und bin glücklich, vom allgemeinen Selbstbetrug nichts mitzubekommen.

Lebenskünstlerin, *80
Erster Schultag | Nein. Komischerweise nicht.

Eine Frau, *1964
Mauerfall | Ja. Meine Mutter war an jenem Tag zu Besuch bei ihren Geschwistern in Ostberlin. Ihre Erzählungen von ihrem Erleben dieses Tages gehören zu den Eindrücklichsten, die ich von ihr erinnere. Für sie und in Verbundenheit mit ihr auch für mich gehört dieser Tag zu den wichtigstens persönlich erlebten historischen Ereignissen.

Theologin, *1968
Gedicht | Ach, noch in der letzten Stunde
werde ich verbindlich sein.
Klopft der Tod an meine Türe,
ruf ich geschwind: Herein!... von Robert Gernhardt

Buchhändlerin, 1962, *1962
Erster Schultag | Ja, ich war ganz stolz, weil ich 2 Schultüten hatte und schon etwas lesen konnte.

Corporierter, *1959
Erster Computer | Ja, ein Sinclair ZX 81 gekauft in München im einzigen "Sinclair-Geschäft"

Lehrer, *1962
Mutter | Meine Mutter war ein Feldwebel. Ihr Wort war Gesetz. War man nicht ihrer Meinung, dann war man gegen sie und hatte sie zum Feind. War man kein Feind, dann konnte sie sehr liebenswürdig und hilfsbereit sein. Da mein Vater sie einmal betrog und ein uneheliches Kind zeugte, terrorisierte sie ihn bis zu ihrem Tod.

Politikwissenschaftlerin, *1961
Erster Schultag | An meinen ersten Schultag kann ich mich kaum noch erinnern. Nur die Fotos von damals sind noch da, und der kleine graue Teddy, der oben auf meiner Zuckertüte saß.

Tagesmutter, *1959
Großeltern | ganz wenige, mein Opa war schon lange tot , als ich geboren wurde und meine Oma ist bereits verstorben als ich dre war.

Mann, *1963
Großeltern | Ja, aber es sind nur einzelne, etwas diffuse Bilder vorhanden. Mein Grossvater hörte nach dem Mittagessen regelmässig Nachrichten im Radio und schlief dazu auf dem Sofa ein. Ausser Haus trug er immer einen Hut.

Sicherheitsmitarbeiter, Privatdetektei, *1962
Millennium | In der Disco,
viele glaubten an einen riesigen Computergau,
einige an das Ende der Welt.
Ich habe an keines von beiden gedacht, sondern gefeiert.
Ich hatte den größten Sylvesterknaller (selbst gebaut)
des Ortes gezündet.
Bin im nachhinein noch froh, dass nichts passiert ist,
war eben jugendlicher Leichtsinn.

Eine Frau, *1948
Mauerfall | Ich habe als Berlinerin mit Wohnsitz in Hamburg davon aus den Nachrichten erfahren, dann von meiner Mutter, die in Berlin lebte, am Telefon. Ich konnte es kaum glauben. Einige meiner Freunde sind spontan nach Berlin gefahren, ich war wie gelähmt und weinte und weinte.

Arzt, *1977
Erster Schultag | Ich hatte eine Schultüte mit Indianern drauf, die wurde dann aufgeschnitten und als Raumschiff genutzt. Ich trug als einziger kurze Hose, es war ein warmer Septembertag. Ich ahnte schon, daß ich die Schule schaffe. Meine Eltern haben sich abends gleich gestritten, ob ich zu den Jungen Pionieren gehen soll oder nicht. Mein Vater war dagegen, mein Mutter wollte Normalität. Ich ging, ging aber auch zur Christenlehre. Also schön doppelbödig und angepaßt, typisch Protestant.

Studierende Mama, *1984
Erster Schultag | Ja, da war ich so unendlich traurig, da es so stark geregnet hatte und ich hatte mich sehr auf Sonnenschein gefreut. Zudem ist in der Nacht auch mein Lieblings-Opa gestorben.

Eine Frau, *1950
Sommermärchen | Überhaupt keine.

Diplom-Bibliothekar, *1965
Vater | Sehr verständnisvoll und tolerant, kann sehr gut erklären.

Hersteller, *1963
Reise | Gerne denke ich an eine der ersten Urlaubsreisen mit meiner damaligen Freundin und jetzigen Frau zurück. Wir waren in Schweden 10 Tage mit dem Kanu unterwegs. Haben eigentlich niemanden gesehen, geschweige denn jemanden gesprochen. Das ist schon eine Erfahrung, die, wenn sie gutgeht, zusammenschweißt.

Malerin, *1950
Erster Kuss | Ich glaube, ich bekam ihn von einem ehemaligen Klassenkameraden aus der Grundschule, als ich etwa 14 Jahre alt war. Es war auf einer Faschingsveranstaltung der katholischen Jugendgruppe, welcher ich angehörte. Er hieß Werner.

Malerin, *1950
11. September 2001 | Ich schaltete am Nachmittag zufällig den Fernseher ein und konnte kaum glauben, was ich da sah. Das Geschehen, wie die Flugzeuge in die Türme flogen wurde immer und immer wieder wiederholt.

Professor, *1960
Mutter | Sie förderte uns. Unsere Klavierstunden und Konzertbesuche, unser Lesehunger – all das geht auf sie zurück. Während sie kochte oder einen Kuchenteig anrührte, saßen wir auf der Arbeitsplatte und sangen mit ihr. Sie war oft krank, hat Flucht und Vertreibung nie verwunden. Sie litt, weil sie kriegsbedingt keine Schule zu Ende besuchen und keine Ausbildung absolvieren konnte. Sie war verlässlich.

Germanistin, *1930
Gedicht | Ja, einige. Alle berühmten Balladen, auch Schillers "Glocke" mußten wir in der Schule auswendig lernen.
Hier ein lustiges:
Dunkel war´s , der Mond schien helle,
als ein Wagen blitzeschnelle,
langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen saßen stehend Leute,
schweigend ins Gespräch vertieft,
als ein totgeschoßner Hase
über´n Sandberg Schlittschuh lie.

Schülerin, *1998
Erster Schultag | Leider nicht genau, ich weiß nur, dass ich bei meiner Einschulungsfeier eine Bootsfahrt mit meinen Verwandten gemacht habe.

dramelia, *1991
Spielzeug | Das weiß ich gar nicht mehr.

med. techn. Asistentin, *1052
11. September 2001 | ja

Informatiker, *1967
11. September 2001 | Ja, ich spielte gerade im Internet Counterstrike, als einige Mitspieler Nachrichten im Chat schrieben, dass es einen Angriff auf die USA gegeben hatte. Ich ging dann nach unten und schaltete den Fernseher ein und sah was passiert war, und war erschüttert.

Buchhändler, *1975
Erster Kuss | Zwischen dem ersten Händchen Halten und dem ersten Kuss lag bei mir und meiner ersten Freundin ein halbes Jahr. Das entwickelte sich ganz zaghaft. Der erste Kuss war an der Bushaltestelle morgens vor der Schule. Wir standen da vor der Schule noch zusammen. Bis dann jeder in seine Schule ging. Sie Aufs katholische Mädchengymnasium, das es heute noch gibt und ich aufs gemischte Gymnasium.
Ich musste mich strecken, denn Sie war größer als ich. Der erste Kuss war überraschend warm und feucht.

Studierende Mama, *1984
Sommermärchen | Ich bin überhaupt kein Fußballfan und ich bin jedes Jahr sehr genervt von dem Geschrei und dem extremen Krach den die Mehrheit meiner Mitmenschen macht. Damals wohntei ch noch sehr zentral in meiner Stadt und es war wiklich furchtbar. da es sehr heiß war wollte ich nachts lüften, nur bei dem Lärm konnte ich überhaupt nicht schlafen. Ich fühlte mich sehr gefangen. Nun wohne ich - Gott sie Dank - in einer viel ruhigeren Gegend und habe dieses Jahr fast nichts vom Fußball Hype mitbekommen.

Anwalt, *1965
Auto | Mein erstes Auto war ein von mir heißgeliebter VW Scirrocco GTI, der mir das Gefühl von Unabhängigkeit gab und in den ich unheimlich viel Zeit und auch Geld gesteckt habe und von dem mir der Abschied nach 5 Jahren dann sehr schwer fiel.

Diplomingenieur, *1965
Sommermärchen | Toller Sommer. Tolle Stimmung. Keiner hat der deutschen Mannschaft das zugetraut. Damals habe ich Klinsmann und Löw überhaupt nicht ernst genommen. Schwäbischer Bäckerbursche und Co-Trainer mit Zischlautschwierigkeiten.

Redakteurin, *1966
11. September 2001 | Meine Tochter war gerade geboren, am 3. September. Ich lebte in Frankfurt/Main mit der Aussicht auf die Skyline und dachte immer: Jetzt bin ich Mutter und jetzt kommt ein Krieg?

Psychotherapeutin, *1956
Mauerfall | Ohja...ein Gewirr von Menschen, die darüber kletterten. Und an Herrn Genscher, der die Freiheit verkündete.

Musiker, *1947
11. September 2001 | Mein Steuerberater war gerade bei mir zu Haus, als meine damalige Freundin anrief: Ich solle den Fernseher aufdrehen.

Eine Frau, *1981
Sommermärchen | Ich habe keine speziellen Erinnerungen. Allerdings habe ich die heitere Stimmung genossen.

Eine Frau, *1964
Erster Computer | Meinen ersten Computer habe ich mir 1990 gekauft, um meine Examensarbeit zum Abschluss des Studiums zu schreiben. Damals habe ich noch alles mit der Hand vorgeschrieben und erst dann in den Computer getippt. Ich hatte sehr zwiespältige Gefühle bei der Anschaffung und war nicht sicher, ob ich mit dieser Technik mitgehen möchte.

Lehrer, *1986
Großeltern | Ja, meine Großmutter, winzig klein und mit Buckel, hat mich jeden Tag nach der Grundschule zum Essen, Malen, Fernsehen, Memorie spielen und Kreuzworträtsel lösen bei sich zu Hause empfangen.

Norddeutscher, *1962
11. September 2001 | Am 11. September 2001 saß ich vor dem Computer, nichts Böses ahnend. Eine Freundin rief mich an und sagte: "Mach schnell den Fernseher an". Von dem, was ich das sah, war ich wie betäubt. Am Abend des 11. September dachte ich: " Jetzt beginnt der dritte Weltkrieg“. Ich glaube, das dachten an dem Abend sehr viele Menschen.

Rentnerin, *1948
Erster Schultag | Eine Junglehrerin hatte uns als erste Klasse. Nach der Zeremonie, an die ich mich nicht erinnerte, verbrachten wir eine, DIE erste Stunde mit der Lehrerin. Wir sollten unseren Namen sagen. Hans-Jürgen sagte: Nein, meinen Namen sag' ich nicht! Das ist mir mehr hängen geblieben als alles andere...........ich fand ihn SEHR mutig!!!

Hausmeister, *1950
Erster Kuss | Ja. Das war bei einer Faschingsfeier in unserer Klasse an der EOS.

Organisationsentwickler, *1972
Spielzeug | Ich hatte eine Carrera-Bahn im Maßstab 1:32 mit Steilkurve, Looping usw. Die würde ich heute mit meinen Kindern aufbauen, wenn meine Mutter sie nicht irgendwann verschenkt hätte, ohne mich zu fragen.

Rentnerin, *1948
Mauerfall | Oh ja! Jubilate.................. ich erinnere auch den Tag des Mauerbaus!!!!

Diplom-Bibliothekar, *1965
Auto | Meine erstes und bislang einziges Auto war ein silberner Mitsubishi Colt. Hat mir meine Großtante spendiert, damit ich die 130 km zum Studium nach Marburg fahren konnte. Ich habe ihm keinen Namen gegeben, fand ich immer lächerlich.

Mann1959
Erster Schultag | Altes Schulhaus über dem Sportplatz drüben mit Holzofen, gebohnerten Böden, Holztreppenhaus. Schultüte. Danach zum Kindergarten als ehemaligem Ort mit Stolz. Daheim Foto im Garten mit der Schultüte (Foto existiert noch). Hübsche Klassenlehrerin

Krankenschwester, *1980
Großeltern | An meine Großmutter väterlicherseits. Sie wohnte mit im Haus und hat sich viel mit mir beschäftigt, gesungen, Märchen erzählt.... Sie starb als ich fünf war.

Kaufmann, *1965
Mauerfall | Ich hatte am 9. November 1989 einen Gerichtstermin. Eine Familiensache. Ich war der Kläger, mein sogenannter "Vater" der Beklagte.

Eine Frau, *1961
11. September 2001 | Mein Freund rief mich an und sagte, ich solle den Fernseher anmachen. Hab ich gemacht und dann stand ich da die ganze Zeit und habe auf den Fernseher gestarrt.

Apothekerin, *1954
Sommermärchen | Klar! Schöne Atmosphäre; ich fand Schweini und Poldi klasse!

Hersteller, *1963
Mutter | Sie kümmerte sich um den Haushalt und um die Kinder.