Der Plankton-See

Hier sehen Sie eine Zufallsauswahl von „Erinnerungskristallen“, die sich bereits im Textpool befinden.

Journalist, *1957
Erster Kuss | Vage, es gäbe da mehrere Möglichkeiten ...

Personalreferentin, *1947
Großeltern | Ja, viele! In der Nähe von Dagebüll in einem bescheidenen Häuschen am Fuße eines Deiches im Kleiseer-Koog in Nordfriesland besaßen sie eine kleine, einfache Bauernstelle zur Selbstversorgung, keine großen Länderein, ein paar Wiesen. Ich erinne mich nur an die Schafe. Oma saß meistens - schwarz gekleidet - im dunklen Wohnraum, in der "Stube". Das war mir unheimlich war, auch sie war mir unheimlich. Sie war fast blind und sprach kaum. Opa trank gern in der Dorfkneipe einen über den Durst, wenn er von der Feldarbeit abends dort "länger" einkehrte, hatte wohl keine Lust, nach Hause zu gehen, kann ich verstehen. Er schwankte dabei oft und Oma war "not amused". Ihn mochte ich ganz gern, die Oma aber nicht.

Theologin, *1968
Millennium | Dass es auch ein Jahrhundertwechsel war, habe ich überlegt. Und staunend darüber, was hundert Jahre bedeuten, sah ich glücklich auf mein schlafendes zweijähriges Kind.

Buchhändler, *1975
Erster Schultag | Ich habe mich gefreut, dass in der Zuckertüte auch Spielzeug war. Machtboxautos und ein Überraschungsei.
Wir haben das i gelernt. Rauf runter rauf, Dötzcen drauf. Deshalb nennt man bei uns in der Gegend auch die Erstklässer "I-Dötzchen".
Am Anfang schrieben wir miteinem weißen Stift auf eine Tafel aus Plastik und erst später in Hefte.

Mann, *1965
Prominenz | Ja, das war im Alter von 20 Jahren in Essen, ein Rennfahrer, welcher zu der Zeit recht aktiv und erfolgreich war. Eine Begegnung auf einer Veranstaltung in Essen, sehr netter Kontakt, menschlich, ohne Berührungsängste.

Eine Frau, *1981
Gedicht | Ja.

Kaufmann, *1965
Sommermärchen | Es war ein sehr heißer Sommer.

Ingenieur, *1977
Gedicht | Dunkel war's, der Mond schien helle als ein Auto blitzeschnelle langsam um die runde Ecke bog. In einem Bus sitzen stehend Menschen schweigend ins Gespräch vertieft ....

Musiker, *1963
Millennium | Das weiss ich nicht mehr. Ich fand das Theater um den Jahreswechsel immer sinnlos und stupid. Ein schreckliches Jahr ist vorbei, um vom nächsten, vermutlich noch katastrophaleren Jahr abgelöst zu werden. Was gibt es da zu feiern? Ich gehe immer früh schlafen und bin glücklich, vom allgemeinen Selbstbetrug nichts mitzubekommen.

Ingenieurin, *1964
Großeltern | Nur an meine Grossmutter väterlicherseits, ich liebte sie sehr.

Künstlerin, *1966
Erster Computer | Ja. Ich habe mich lange gegen einen PC gewehrt, aber irgendwann überreden lassen. Mein Statement war immer gewesen: "Man kann keine Märchen auf einem Computer schreiben." Ich ließ mich schnell eines Besseren belehren, alleine die endlosen Schriften (Truetypes) waren göttlich.
Heute unvorstellbar, was man damals alles mit 2 MB Arbeitsspeicher gemacht hat!

krankenschwester, *1964
Spielzeug | Teddy Max, pudel Pudjes, puppe Angela und dann meine barbies. Außerdem jedweder baum und die teppichstange.

Krankenschwester, *1980
Millennium | Weiß ich nicht mehr. Silvester bedeutet mir nicht viel. Mit Familie und einem Glas Sekt um Mitternacht.

Eine Frau, *1968
Erster Kuss | In der Grundschule auf dem Sportplatz. Ein Junge aus meiner Klasse lief hinter mir her und küsste mich im Laufen. Ich konnte wochenlang nicht schlafen.

Mann, *1965
Möbel | Ja, eine rote, aus Holz gezimmerte Spielkiste, welche mein Opa selbst hergestellt hatte. Diese war von der Größe her für mich damals riesig, man konnte darauf sitzen. In meinen Erinnerungen wurde mir von meiner Tante dort immer bei Besuchen aus Kinderbüchern vorgelesen.

Eine Frau, *1980
11. September 2001 | Ich war wenige Wochen zuvor von einem 13monatigen Auslandaufenthalt zurückgekehrt und hatte einige Tage zuvor den ZVS-Studienbescheid erhalten. Mitten in diesen Lebenswechsel platzten die Flugzeuge. Ich hörte die Nachricht im Auto auf dem Weg vom Frisör (neuer Lebensabschnitt, neue Frisur) nach Hause. Den Rest des Tages verbrachte ich vorm Fernseher.

Mann1959
11. September 2001 | Bin im Büro. Da kommt ein Mitarbeiter und berichtet geschockt und entsetzt, was er gerade gesehen und gehört hat. Sobald wie möglich ökumenischer Gottesdienst als Ort für Entsetzen und Trauer und Angst. Immer wieder die Bilder der Flugzeuge und einstürzenden Hochhäuser.

Ingenieur, *1977
Großeltern | JA! Sehr sehr liebe und großzügige Menschen. Sie waren immer sehr fröhlich - ich kann mich nicht an ein böses Wort von Ihnen erinnern.

Politikwissenschaftlerin, *1961
Großeltern | Meine Großeltern mütterlicherseits lebten auf dem Lande etwa 50 km von Leipzig entfernt. Ich erinnere mich an heiße, trockene Feriensommer dort. Mit Baden, Blaubeeren sammeln, Mückenstichen und Sonne......
Von meinem Vater habe ich nur die Mutter kennengelernt. Die Eltern meines Vaters waren geschieden. Diese Oma lag meist auf dem Sofa, rauchte, las und erzählte von früher. Für mich als Kind wahnsinnig interessant. Wir wohnten in einem Mehrfamilienhaus in Leipzig, so dass ich sie täglich besuchen konnte.

Sozialpädagogin, *1954
Erster Schultag | Furchtbar, ich war nicht vorbereitet und ängstlich. Die Klassenlehrerein war sehr streng. Ich wollte vor allem lesen lernen, damit ich nicht mehr darauf angewiesen war, dass mir jemand vorliest.

Typographikerin, *1949
11. September 2001 | Ich habe meine Tochter von der Schule abgeholt, zu Hause schaltete sie den Fernseher ein, während ich das Mittagessen vorbereitete. Dann rief sie mich: Mama, komm mal schnell, es ist etwas Schlimmes passiert! Sie haben den Tower gezeigt, und gezeigt, wie das Flugzeug hindurchflog. Ich war fassungslos.

med. techn. Asistentin, *1052
Sommermärchen | ja, an die fan fest auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg mit meinen Töchtern

Musiker, *1963
Sommermärchen | Warum soll ich mich an so etwas wie Fussball erinnern? Ich mag Fussball nicht, Fussball nervt, da er die Vermassung der Gesellschaft fördert und zum Prinzip macht. Die Verbrüderung wildfremder Menschen im Hinblick auf eine so irreale Sache wie Fussball macht mir Angst. Der in dieser Sportart gepflegte Nationalismus ist ein Graus.

Künstlerin, *1966
Mauerfall | Ich saß damals bei meiner besten Freundin in der Küche ihrer Mutter, die auch da war und wir klönten gerade über dies und das, als mein Mann kam, der mich abholen wollte und meinte: "Die Grenze ist auf!"
Plötzlich riefen wir alle durcheinander und waren vollkommen aus dem Häuschen. Wir saßen bis tief in die Nacht dort zu viert und diskutierten darüber. Sofort sagte ich: "Ich will nach Berlin!" (Ich bin dort geboren, auf der Westseite, lebte aber zu dem Zeitpunkt am Niederrhein) Es dauerte allerdings bis 1992 bis es dann klappte.

Tagesmutter, *1959
11. September 2001 | Ganz genau, ich war auf dem Weg zum Arzt mit dem Auto und war über die Nachricht im Auto so erschrocken, dass ich nicht vom Gas konnte und geblitzt wurde. So habe ich , auser diesem dumpfen Gefühl im Bauch noch eine bleibende Erinnerung an diesen Tag... ein Knöllchen.

Schreiberin, *1982
Gedicht | Markt und Straßen stehn verlassen
Still erleuchtet jedes Haus
Sinnend geh ich durch die Gassen
Alles sieht so festlich aus.
An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm (?) geschmückt
Tausend Kindlein stehn und schauen
Sind so wunderstill beglückt
Und ich wandre auf den Straßen
Bis hinaus ins weite Feld
Hehres Glänzen, Heil`ges Schauern
Wie so still und weit die Welt
Sterne hoch, die Kreise schlingen
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt's wie wunderbares Singen
Oh, du gnadenreiche Zeit.

Das musste ich seit frühester Kindheit jedes Jahr unterm Tannebaum aufsagen, sonst gab's keine Geschenke.

Studentin, *1985
Millennium | Ich hatte eine Magen-Darm-Erkrankung und lag im Bett.

eine Schülerin, *1997
Millennium | Wahrscheinlich schlafend, ich war zwei 1/4.

Eine Frau, *1961
Erster Kuss | Im Ferienlager, da war ich dreizehn. Der Junge hieß Marek und kam aus Polen. Wir haben nicht viel geredet, was ich gut fand. Aber irgendwann hat er plötzlich ganz viel geredet, und ich hab kein Wort verstanden. Dann hat er mich geküsst. Das war wie nasser Waschlappen im Gesicht. Nicht gut. Wir haben uns nach dem Ferienlager noch zweimal geschrieben.

Lehrer, *1986
Mauerfall | Nicht genau, aber kurz davor habe ich eine Erinnerung, wie ich, auf den Schultern meines Vaters sitzend, bei einer Demonstration in Plauen über die Menschenmassen und in die Wasserwerfer hineinschaue. Bis heute überkommen mich, man könnte meinen völlig grundlos, die Gefühle, sobald ich Bilder vom Mauerfall zu sehen bekomme.

Mann, Außenhändler, *1963
Prominenz | Oh ja, das passiert mir des öfteren. Beispielsweise beim sonntäglichen Alsterspaziergang. Da läuft einem schon mal Udo Lindenberg, Ina Müller oder auch Eva Maria Hagen über den Weg. Auch Mike Krüger sah ich dort. Mein erstes diesbezuegliches Zusammentreffen war mit Frank Schöbel in Berlin Johannisthal bei einer seiner Musikproben in unserem Jugendklub. Ich habe dann Schrippen für ihn geholt.

Studentin, *1994
Großeltern | Ja, jedoch leider nur mütterlicher Seite, mein Opa väterlicher Seite starb noch vor meiner Geburt, während meine Oma väterlicher Seite starb als ich noch ein Baby war.
Omi und Opi, so nannten wir unßere Großeltern mütterlicher Seite, wohnten bei uns im Haus.
Mein Opi hat als meine Mama noch ein Kind war ein riesiges Grundstück gekauft.
Solange wir die geliebten Blumen nicht kaputt machten durften wir ausgiebig im Garten spielen.
Aber wehe wir haben ein Bonbonpapier verloren oder gar den Fußball in das Beet gekickt.
Dann waren die beiden nicht so begeistert. Manchmal wurde der Ball dann von meinem Opi im Schrank verstaut. Andererseits war mein Opi immer da wenn am Fahrrad mal etwas nicht gestimmt hat und meine Omi kocht noch heute gerne für mich Milchreis :) und wohnt noch immer im Haus.

Krankenschwester, *1980
Mauerfall | Nicht bewusst. Aber die Stimmung dieser Zeit hab ich schon mitbekommen und die Bilder stark vor Augen. Wir haben Verwandte in der Nähe von Leipzig und ich hab schon gemerkt, das da was besonders im Gang war. Ich wusste was DDR war und kann mich gut an die strengen Grenzkontrollen erinnern.

Buchhändler, *1959
Stau | wer wäre ich, wenn nicht?

Hausmeister, *1950
Spielzeug | Zwei kleine aus Fahrradputzern und Stoffköpfchen gefertigte etwa fingergroße Püppchen, die einfach alles konnten.

Hausmeister, *1950
Millennium | An der Elbe unterhalb des Schlosses Albrechtsberg. Ringsum fand ein gewaltiges Silvesterfeuerwerk statt. Alle Menschen - auch wildfremde - wünschten sich ein gesundes neues Jahr und auf dem Rückweg lag auf dem Blauen Wunder knöchelhoch der Silvestermüll.

Blumenbinderin, *1969
Sommermärchen | Ich stellte bei mir wichtigen Spielen einfach ein Schild vor meinen Blumenladen "Bin in der Kneipe umme Ecke, bitte bei Bedarf vorbeischauen." und guckte da.

Jurist, *1963
Erster Computer | Ein Commodore Plus 4, eine nicht sehr erfolgreiche Weiterentwicklung des legendären C 64.

Informatiker, *1967
Erster Schultag | Ja, aber nur teilweise. Ich kann mich noch schwach an die Ansprache in der Aula erinnern. Die Rektorin war sehr klein und hatte einen heftigen Ruf und war schon bei den Eltern bekannt. Die Schule war nach Anne Frank benannt deren Geschichte uns auch gelehrt wurde.

Archäologe, *1974
Erster Computer | Ich wollte nie einen erwerben, habe dann aber doch 1998 einen gebrauchten über die Zweite Hand gekauft.

krankenschwester, *1964
Sommermärchen | Nur an die bilder vom public viewing, schönes wetter und die schlussfeier am Brandenburger Tor. Keine einzelheiten der spiele, obwohl eifrig geschaut.

eine Schülerin, *1997
Spielzeug | Meine Freundin Rahel

Eine Lehrerin, *1970
Erster Kuss | Ja. War aber nichts besonderes.

Lehrer, *1986
Millennium | Als 13-Jähriger mit meinen Eltern. Bei uns ging es immer ans Waldhaus, einem Aussichtspunkt mit Blick auf das Feuerwerk in der Stadt. Allerdings habe ich nichts besonderes in Erinnerung, war alles wie immer.

Eine Frau, *1968
Sommermärchen | Ich habe mich über die deutschen Fahnen gefreut, dass die ohne "Hintergedanken" einfach selbstverständlich waren. Sonst hatte die deutsche Fahne ja immer so einen Beigeschmack und meine Generation ist ja so ganz ohne Fahnengefühl aufgewachsen. Nun war es möglich, dass man mal nicht darüber nachdenken musste, sie gehörte zu der WM wie jede andere Landesfahne auch. Die WM hat viel zur Selbstständigkeit und zur Verantwortung beigetragen, Deutschland war danach irgendwie reifer. Komisch, dass das der Fussball ausgelöst hat.

Mann, *1965
Vater | Gott sei Dank, mein Vater ist noch. Ich habe ihn als Jemanden in Erinnerung, der eigentlich immer für uns da war und ist. Mit ihm konnte ich mich in meiner Jugend so verbissen streiten, wir hatten oft die verschiedensten Ansichten, habe uns aber immer wieder gefunden und teile noch heute diese Erinnerungen.

Soziologe, *1981
Millennium | In einer Seitenstraße an der Binnenalster. Ein Bekannter eröffnete dort zu der Zeit einen Laden und wir feierten mit Dutzenden von Leuten. Ich erinnere mich, wie in der Straße Raketen abgeschossen wurden und sie von einer Hauswand an die andere prallten und teilweise auch zurück in die Menschenmenge. Es war ein großes, feucht-fröhliches Fest.

Ärztin, *1955
Erster Computer | Das ist noch nicht lange her, erst 2010 bekam ich meinen ersten Laptop und habe mich autodidaktisch abgequält. Noch heute macht er Dinge, die ich nicht verstehe und ich kann die ganzen Zaubereien noch immer nicht recht nutzen.

Studierende Mama, *1984
Erster Schultag | Ja, da war ich so unendlich traurig, da es so stark geregnet hatte und ich hatte mich sehr auf Sonnenschein gefreut. Zudem ist in der Nacht auch mein Lieblings-Opa gestorben.

Eine Frau, *1981
Erster Computer | Er war grau und nahm ein Drittel des Schreibtischs ein. Allerdings hatten wir zunächst keinen Internetanschluss und somit nutzte ich ihn nur zum Schreiben von Texten (für die Schule). Gespeichert wurde noch auf Disketten...

Eine Frau, *1950
Erster Computer | Ja, das war ein gebrauchtes Modell, mit dem ich aber bald vertraut wurde.

Marketingmanager, *1969
Mauerfall | Ich habe die Wiedervereinigung irgendwie verpasst - natürlich saß man gebannt vor den Nachrichten - aber die historische Dimension wurde mir erst viel später bewusst.

Lebenskünstlerin, *80
Gedicht | Der Panther von Rilke.

Studierende Mama, *1984
Sommermärchen | Ich bin überhaupt kein Fußballfan und ich bin jedes Jahr sehr genervt von dem Geschrei und dem extremen Krach den die Mehrheit meiner Mitmenschen macht. Damals wohntei ch noch sehr zentral in meiner Stadt und es war wiklich furchtbar. da es sehr heiß war wollte ich nachts lüften, nur bei dem Lärm konnte ich überhaupt nicht schlafen. Ich fühlte mich sehr gefangen. Nun wohne ich - Gott sie Dank - in einer viel ruhigeren Gegend und habe dieses Jahr fast nichts vom Fußball Hype mitbekommen.

Eine Frau, *1964
Erster Computer | Meinen ersten Computer habe ich mir 1990 gekauft, um meine Examensarbeit zum Abschluss des Studiums zu schreiben. Damals habe ich noch alles mit der Hand vorgeschrieben und erst dann in den Computer getippt. Ich hatte sehr zwiespältige Gefühle bei der Anschaffung und war nicht sicher, ob ich mit dieser Technik mitgehen möchte.

Frau, *1978
Spielzeug | Ein kleiner grüner Tisch, in den ich Nägel einhämmern durfte, während meine Mutter gekocht hat.

Sicherheitsmitarbeiter, Privatdetektei, *1962
Millennium | In der Disco,
viele glaubten an einen riesigen Computergau,
einige an das Ende der Welt.
Ich habe an keines von beiden gedacht, sondern gefeiert.
Ich hatte den größten Sylvesterknaller (selbst gebaut)
des Ortes gezündet.
Bin im nachhinein noch froh, dass nichts passiert ist,
war eben jugendlicher Leichtsinn.

Rentnerin, *1948
Spielzeug | Ach, ich hatte so wenig Spielzeug.............ich glaube, am liebsten war mir unser Schäferhund!

Studierende Mama, *1984
Gedicht | Ja, in der Schule mussten wir welche auswendig lernen. Dennoch blieben mir die Kindergedichte von Heinz Erhardt am besten im Gedächtnis.

Mann, *1965
Reise | Ja, die erste Reise nach Berlin, welche ich von meiner Frau zum 40. Geburtstag geschenkt bekommen habe, besonders an die Einfahrt des Zuge in den Bahnhof Zoo und die ersten Schritte in dieser wunderbaren Stadt.

Naturwissenschaftlerin, *1948
Erster Computer | Oh ja! Ich bin immer sehr computeraffin gewesen. Mein erster eigener Computer war ein gebrauchter IBM-Computer, für den ich stolze 10.000 DM bezahlte. Alle Welt beneidete mich um das Wunderding. Es hatte ein Streamertape, mit dem man eine unglaublich geringe Menge an Daten speichern konnte.

Drucker, *1946
Erster Schultag | Natürlich. Wir waren sage und schreibe 52 Kinder in einer Klasse! Das kam daher, daß auch die Kinder eines von Ordensfrauen geführten Kinderheims mit uns eingeschult wurden.

Ärztin, *1955
Erster Kuss | Es war ein sehr unangenehmer feuchter Probekuß mit einem Jungen aus der Nachbarschaft, mit dem mich keine besondere Zuneigung verband. Die spätern richtigen Küsse waren wunderbar.

Eine Frau, *1961
Mauerfall | Ich wohnte in der Wisbyer Straße in Ostberlin. Die führte zur Bornholmer und damit zum Grenzübergang. Ich kam spät nach Hause und wunderte mich, warum so viele Leute unterwegs waren. Ich dachte, das wäre schon wieder eine Demo. Dann hab ich den Fernseher angemacht und erfahren, dass es keine Demo war.

Geograph, *1953
Vater | Habe ihn erst mit 44 Jahren kennengelernt. Interessant die vielen Übereinstimmungen und Vorlieben, obwohl man sich nicht kannte.

Kaufmann, *1965
11. September 2001 | Immer, wenn ich eine Currywurst esse, muß ich daran denken. Die Wurst hatte ich an dem besagten Tag vom Imbiß um die Ecke geholt. Ich setzte mich zum Verzehr an den Küchentisch und stellte das Radio an. In diesem Augenblick hörte ich eine tränenerstickte Reporterstimme den Satz sagen: "Das World Trade Center gibt es nicht mehr."

Pädagoge, *1971
Erster Computer | Einen Commodore C64

Corporierter, *1959
Erster Computer | Ja, ein Sinclair ZX 81 gekauft in München im einzigen "Sinclair-Geschäft"

Ingenieur, *1977
Erster Computer | Ja, das war ein Amiga. Die genaue Bezeichnung kann ich nicht mehr sagen.
Meine Kumpels und ich haben tageweise ein Spiel mit dem Name Oil Imperium gespielt - teilweise bis tief in die Nacht hinein ;-)

Lebenskünstlerin, *80
Sommermärchen | Ja, da war unser Sohn 4 Jahre alt und es war lustig wie er versuchte ein kleiner Fan zu sein.

Studentin, *1994
Gedicht | Ja, ist aber ein Weihnachtsgedicht und auch erst ziemlich aktuell auswendig gelernt.
Das hab ich nach Weihnachten gewiss wieder vergessen.

krankenschwester, *1964
Erster Computer | Ist ja noch nicht sooo lange her. War trotzdem kein aufreger für mich, eher mühsamer kleinkram, der nicht so wollte wie ich.

eine Berlinerin, *1968
Großeltern | Ja, mit Opa bin ich immer mit der Berliner S-Bahn gefahrn und wir haben uns die ganzen Denkmäler angeguckt. Der Wilhelm unter den Linden. - Ne Friedrich...
Und dann habe ich immer eine Schnur an seinem Jackenknopf befestigt und ihn geführt. Da war er mein Pferdchen. Das hat er mit sich machen lassen. Und er hat immer gelacht wie Ernie. Das Lustige habe ich von Opa.

oma h., *1955
Gedicht | ja, relativ viele. Vom Kindergedicht (wegen der Enkel) bis zum "Zauberlehrling" u.a.

Redakteur, *1964
Möbel | Ich hatte ein Ausziehbett. Es war grün gepolstert. Tags diente es als Sofa. Die Holzklappe als Rückenlehne. Dahinter war mein Spielzeug. Wenn ich krank im Bett lag, hatte ich es immer griffbereit, ohne aufstehen zu müssen.

Mann, *1973
11. September 2001 | Begeisterung darüber, dass die Amis auch mal aufs Maul kriegen mischte sich mit Angst vorm dritten Weltkrieg. Wir dachten in den nächsten Stunden fliegen die Atomsprengkörper.

Buchhändler, *1975
Erster Computer | Ein 486er, auf dem verfasste ich eine Facharbeit für die Schule. Eine 20-seitige freiwillige wissenschaftliche Arbeit über Ernst Jandl (Lyriker, konkrete Poesie). Im Vergleich zu meinen Klassenkameraden war ich einer der letzten, der einen Computer bekam, bzw. sich zulegte. Gitarren waren mir wichtiger,

Ärztin, *1955
Spielzeug | Eine Schildkrötpuppe, die ich einem anderen Mädchen geschenkt habe zum Trost, weil ihre Mutter gestorben war.

Soldat, *1966
Mutter | Eine gutherzige und humorvolle Frau, die auch sehr über sich selbst lachen konnte, vor allem über ihre Versprecher oder eigenen, unabsichtlichen Wortkreationen. Und sie war immer, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, sehr großzügig. Ein gutartiger Mensch, durch und durch.

Marketingmanager, *1969
Spielzeug | Ein Stoffaffe mit blauem Halsband - später Bälle in allen Formen.

Mann, Außenhändler, *1963
Reise | Oh ja, an viele. Am liebsten an die Reisen nach Griechenland, da wird mir das Herz warm.

apfelhari, *1944
Großeltern | Wir lebten in einer Großfamilie auf dem Dorf. Ärmliche Verhältnisse. Mein Großvater hatte im 1. Weltkrieg bei Verdun seinen rechten Arm verloren. Das rettete ihn vor einem weiteren Einsatz im 2. Weltkrieg. Mit seinem verbliebenen linken Arm erledigte er fast alle in und um ein Haus herum anfallenden Arbeiten wie Garten umgraben, Holz fällen und zerkleinern, Schuhe putzen, Futter für Schweine und Ziegen besorgen, die Tiere füttern usw. Er rauchte sehr gerne Pfeife und war einem Schnaps nicht abgeneigt. Ich habe ihn niemals anders als in dunkle Farben gekleidet gesehen. Ich würde ihn heuter gerne mal treffen. Meine Großmutter kenne ich auch nur in dunkel. Sie war hager und sehr sparsam. Später hatte sie Alzheimer und lief immer von zu Hause weg. Sie wollte dann zu ihren Eltern.

Eine Frau, *1948
Erster Computer | Nachdem ich seit Anfang der 80er Jahre im Beruf mit Computern gearbeitet hatte, wollte ich einen Apple-Laptop haben, den ich überall hin mitnehmen konnte. Aber fast noch stolzer war ich auf eine tolle externe und sauteure Festplatte mit ganzen 30 GB, die heute lässig in einen kleinen Stick passen. Der Laptop ist längst verschenkt, die Festplatte habe ich immer noch.

Kommunikationsmanagerin, *1980
Erster Kuss | in einem Park beim Ausgehen, nicht besonders schön, eher das Gefühl "jetzt habe ich das auch erledigt"

Jurist, *1963
Spielzeug | Eine Holzeisenbahn. Als ich die zu Weihnachten bekam, war ich so aufgeregt, dass mich meine Eltern mit Fieber ins Bett schicken mussten.

oma h., *1955
Großeltern | nur an die Mutter mütterlicherseits; die anderen Großeltern waren bei meiner Geburt bereits verstorben.

Naturwissenschaftlerin, *1948
Spielzeug | Als klitzekleines Mädchen hatte ich einen Teddy und eine Puppe aus Pappmaché, die sich leider bei meinem Versuch sie zu baden auflöste. Später war ich Indianer und hatte eine Pistole mit Knallplätzchen. Früher durften Kinder noch mit solchen Sachen spielen und Abenteuer erleben.

Journalist, *1957
Mauerfall | Ja, ich verfolgte die Ereignisse am Bildschirm in einem Dorf in Baden. Kurz vorher war ich oft "drüben" gewesen und hatte gespürt, dass es so kommen musste.

Schülerin, *1998
Sommermärchen | Ja ich habe den "Klinsi du musst bleiben" -song in der Schule gelernt.

Musiker, *1947
11. September 2001 | Mein Steuerberater war gerade bei mir zu Haus, als meine damalige Freundin anrief: Ich solle den Fernseher aufdrehen.

Schüler, *1997
Erster Schultag | Nein, nicht mehr wirklich. Ich weiß nur noch, dass wir alle in einer großen Halle saßen und darauf warteten aufgerufen zu werden. Dann sind wir nach vorne gegangen und haben uns zu den neu eingeschulten gesetzt.

Corporierter, *1959
Mauerfall | Ich war beim Zahnarzt und Frau Dr. (damals etwa 60 Jahre alt) meinte sichtlich erregt "jetzt kommen alle diese Kommunisten hierher..."

Ärztin, *1955
Großeltern | Sehr gute Erinnerungen an die Großeltern väterlicherseits, sie lebten in meinem Heimatort und ich war öfter auch dort über Nacht. Die andere Großmutter habe ich nur als alte herzkranke Frau mit "Einschlagfrisur" in Erinnerung

Redakteur, *1964
Prominenz | Ja. Den Fußballer Pele. Wir waren eine Gruppe von jungen Vereinsfußballern. Er trat unvermittelt auf mich zu und küsste mich auf die rechte Wange. Alle beneideten mich, dass ich ihm so nah war. Ich war der kleinste Junge gewesen.

Ein Berliner aus Duisburg, *1962
Spielzeug | Immer das, mit dem meine Brüder gerade spielten.

Pensionierter Lehrer, *1941
Großeltern | Nur an eine Grossmutter, die starb, als ich elf oder zwölf Jahre alt war. Die anderen kenne ich nur von Bildern.

Arzt, *1977
Erster Kuss | auf die Wange im Ferienlager, ich war wohl aufgeregt, mehr aber nicht

Eine Frau, *1950
Gedicht | Ja, mehr als eins...Herbstbild / Er ist's / versch. von Rilke

Studentin, *1987
Gedicht | "L’Albatros" von Baudelaire.

Naturwissenschaftlerin, *1948
Mauerfall | An den Tag selbst nicht, aber gut an die Tage danach, an denen viele, viele Bürger der DDR zum Einkaufen kamen und die Kaufhäuser extra Abteilungen mit billigen Waren einrichteten. Meine Verwandten in der DDR waren bereits gestorben, was mir leid tat. Die Freude hätte ich ihnen gewünscht.