Der Plankton-See

Hier sehen Sie eine Zufallsauswahl von „Erinnerungskristallen“, die sich bereits im Textpool befinden.

Volkswirt, *1943
11. September 2001 | Sehr gut.. Ich befand mich in Kolumbien seit dem 16.Juli 2001 in Gefangenschaft der Farc-Guerrilla. In der Scheune, in der wir versteckt gefangen gehalten waren, verstummte plötzlich der permanent eingeschaltete Dudelfunk und auch alle anderen Sender unterbrachen ihr Programm und die Korrespondenten aus New York meldeten sich und berichteten über das Attentat. Natürlich kannte auch ich aus dem Radio bald die Zahlen der Opfer usw. Aber erst als nach meiner Freilassung ich im Dezember 2001 im ARD-Jahresrückblick zum ersten Mal auch Fernsehaufnahmen sehen konnte, begriff ich die Dimension der Zerstörung.

Studierende Mama, *1984
Erster Schultag | Ja, da war ich so unendlich traurig, da es so stark geregnet hatte und ich hatte mich sehr auf Sonnenschein gefreut. Zudem ist in der Nacht auch mein Lieblings-Opa gestorben.

pensionärin, *1944
Großeltern | meine oma lernte ich erst kennen, als ich 4jahre alt war. sie war die mutter des 2. mannes meiner mutter.
ich hatte ein bestimmtes bild von ihr, bevor icch sie kennenlernte. etwa so: klein, verhutzelt, alt sowieso.
dann empfing mich eine große, beleibte, ernergische 58 jährige.
dieser ersten enttäuschung folgte aber ein sehr intensives, herzliches vehältnis.

Schülerin
Erster Computer | Ich habe meinen ersten vor einem halben Jahr bekommen. Jetzt muss ich nicht mehr den Familiencomputer benutzen.

Eine Frau, *1981
Sommermärchen | Ich habe keine speziellen Erinnerungen. Allerdings habe ich die heitere Stimmung genossen.

Eine Frau, *1948
Mauerfall | Ich habe als Berlinerin mit Wohnsitz in Hamburg davon aus den Nachrichten erfahren, dann von meiner Mutter, die in Berlin lebte, am Telefon. Ich konnte es kaum glauben. Einige meiner Freunde sind spontan nach Berlin gefahren, ich war wie gelähmt und weinte und weinte.

Anwalt, *1965
Prominenz | Ja, ich saß einmal in der Met in New York hinter Henry Kissinger, der mit seiner tiefen Stimme seine Verwandtschaft dirigiert und platziert hat. Er hat sich dann - es dauerte etwas - umgedreht und für die "Störung" entschuldigt. Jim Kerr von den Simple Minds hat mir nach einem Konzert in Stuttgart ein Autogramm auf einer 1 Pfund-Note gegeben, weil ich kein Papier hatte, dass ich ihm hinhalten konnte.

med. techn. Asistentin, *1052
Erster Computer | ja, ein Mac book zu meinem 58. Geburtstag von meinem Schwiegervater und Ehemann

Lebenskünstlerin, *80
Spielzeug | Barbie.

Buchhändlerin, 1962, *1962
11. September 2001 | Ja, im geschäft haben wir alle vorm radio und pc gehockt und konnten es nicht fassen.

Angestellter, *1969
Erster Kuss | An der S-Bahnstrecke, auf einem Sandberg sitzend. Sie war älter und roch so gut.

dramelia, *1991
Sommermärchen | Ja. Das einzige, was ich noch sehr genau weiß, war, dass meine beste Freudin an diesem Tag Schulabschluss hatte und sämtliche Leute nach Hause gefahren sind, um das Deutschlandspiel zu sehen.

Apothekerin, *1954
Spielzeug | Lego

Archäologe, *1974
Sommermärchen | Sonne - Freude - Kopfstoß Zidane - schauspielernder Italiener - falscher Weltmeister

Buchhändler, *1975
11. September 2001 | Ich hatte frei. Ein Freund rief mich zuhause an und ich hielt seine Rede am Telefon zunächst für einen literarischen Text, den er verfasst hatte.
Später schnitt ich im Radio die Sondersendungen mit und habe daraus am Computer noch am selben Abend eine Toncollage aus den Radiosendungen. Wenn ich das heute höre, bin ich erstaunt, wie viel man da schon wenige Stunden sagte und vermutete. Bereits nach wenigen Stunden stand Osama Bin Laden als Hauptschuldiger fest. Heute wissen wir kaum mehr als an diesem Tag. Den Eindruck hat man, wenn man das jetzt hört. An dem Tag habe ich aber wirklich befürchtet, dass in den nächsten Tagen eine Atombombe fliegt und der dritte Weltkrieg ausbricht.
Fernsehbilder sah ich erst später, denn ich hatte damals keinen Fernseher.

Lehrerin, *1983
Sommermärchen | Ja. Mein Amerikanistik-Seminar an der Uni Tübingen fiel aus, weil sowieso niemand erschienen wäre. Nach jedem Sieg Menschenmassen auf der Neckarbrücke, Sommerwetter, Euphorie, das erste Mal ein bisschen stolz sein, deutsch zu sein.

Volkswirt, *1943
Mauerfall | Ja ,wir schauten einen Film im Fernsehen, der wurde abgebrochen. Wir schalteten im Radio die BBC ein und die Reporterin schrie:"They`re coming in their funny little cars!"

Sportmanager, *1977
Erster Schultag | Kein Stück. Nicht mal an ein Foto davon.

Soziologe, *1981
Millennium | In einer Seitenstraße an der Binnenalster. Ein Bekannter eröffnete dort zu der Zeit einen Laden und wir feierten mit Dutzenden von Leuten. Ich erinnere mich, wie in der Straße Raketen abgeschossen wurden und sie von einer Hauswand an die andere prallten und teilweise auch zurück in die Menschenmenge. Es war ein großes, feucht-fröhliches Fest.

Angestellter, *1969
Gedicht | Einundzwanzigster. Montag. Nachts.
Im Nebel die Stadtsilhouette.
Da hat irgendein Nichtstuer ausgedacht,
Daß es Liebe auf Erden gäbe.

Und aus Langeweile, aus Trägheit,
Glauben's alle und leben nun hin.
Wollen ein Wiedersehen, fürchten die Trennung
Und dichten ein Liebeslied.

Doch manchem ward ein Geheimnis,
und Stille senkt sich dann...
Ich erfuhr es durch Zufall, ich bin
Seit jenem Abend wie krank.

Anna Achmatowa

Künstlerin, *1966
Großeltern | Mein Opa hatte einen klassischen Tante-Emma-Eckladen in Berlin Wedding. Weil er so nah an der Zonengrenze war, verkaufte er jede Menge Kaffee (in Dosen damals) und andere Dinge, die Leute mit "rüber" nahmen. Den Bau der Mauer hat er nie verwunden, ihren Fall leider nicht mehr erlebt. Als Lebensmittelhändler war er im Krieg eine gute Partie gewesen, er war Witwer und wurde mit einer Witwe verkuppelt, die gut aussah, aber den Kindern keine gute Mutter war. Er war ein gutmütiger Typ und seine erste Frau war ganz anders gewesen. Im Laden roch es wunderbar, so nach Brause und Bier, frischem Gemüse und Brot. Wenn ich als Kind mit in den Laden ging, sagt er immer: "Schnell noch was zu naschen!" und ich durfte in große Gläser mit Bonbons und Gummibärchen greifen, herrlich!

Buchhändler, *1975
Spielzeug | Ein Stoffhase namens Hopsi. Mein engster Vertrauter. Ich habe ich heute noch. Wenn ich seinen Kopf an meinen hielt, wusste er Automatisch alles, was ich wusste und erlebt hatte. So musste ich ihm nicht alles erzählen, sondern konnte mich mit ihm gleich so unterhalten, als ob er dabei gewesen wäre.

Lehrer, *1962
Stau | Ich habe einmal fünf Stunden in einem Stau gestanden, glücklicherweise nicht allein im Auto, sondern mit meinem Bruder. Wir konnten beobachten, wie zunächst ein verunglückter LKW abtransportiert wurde. Dann geschah lange nichts. Schließlich kam ein Fahrzeug, dessen Besatzung in stundenlanger Kleinarbeit ausgelaufenen Diesel von der Fahrbahn entfernte. Glücklicherweise mussten wir nicht aufs Klo.

Norddeutscher, *1962
11. September 2001 | Am 11. September 2001 saß ich vor dem Computer, nichts Böses ahnend. Eine Freundin rief mich an und sagte: "Mach schnell den Fernseher an". Von dem, was ich das sah, war ich wie betäubt. Am Abend des 11. September dachte ich: " Jetzt beginnt der dritte Weltkrieg“. Ich glaube, das dachten an dem Abend sehr viele Menschen.

eine Berlinerin, *1968
Mauerfall | Wir hatten frisch gebaut. Mein Mann wollte ausschachten. Ich sagte, bist du bekloppt, du kannst doch jetzt nicht auf der Baustelle stehn, lass uns rüber fahrn.

krankenschwester, *1964
Mauerfall | Saß völlig fassungslos vor dem fernseher, tränen in den augen. Kann nur die emotionalität der situation erinnern, aber keine einzelheiten des tages.

Eine Lehrerin, *1970
Sommermärchen | Oh, ja! Das war eine schöne Zeit. Beim letzten Spiel der deutschen Mannschaft war ich in England im Urlaub und die Engländer haben uns die Daumen gedrückt.

eine Schülerin, *1997
Millennium | Wahrscheinlich schlafend, ich war zwei 1/4.

Studierende Mama, *1984
Spielzeug | Mein Kaufladen.

Ärztin, *1951
Mauerfall | zu Hause, ständig Nachrichten im TV, mein kleiner Sohn fand dass die Erwachsenen plötzlich unerreichbar waren.

Drucker, *1946
Erster Kuss | Da war ich vierzehn. In der Nachbarschaft hatten wir im Keller bei schummrigem Licht immer "Partys" veranstaltet. Und da ist es dann passiert.

Pensionierter Lehrer, *1941
Spielzeug | Ein altes Geschichtsquartett. Aus den 60 Karten habe ich zwei Heere gebildet und die Karten in die Luft geworfen. Die danach mit der grünen Rückseite nach oben auf dem Boden lagen, schieden aus. Nach mehreren Würfen stand der Sieger fest - wenn Friedrich der Grosse oder Blücher dabei war, freute ich mich besonders.

Marketingmanager, *1969
Erster Kuss | Ja - wie bei vielen - ein eher etwas verunglücktes Unterfangen aus Mangel an Erfahrung meinerseits.

Diplom-Bibliothekar, *1965
Auto | Meine erstes und bislang einziges Auto war ein silberner Mitsubishi Colt. Hat mir meine Großtante spendiert, damit ich die 130 km zum Studium nach Marburg fahren konnte. Ich habe ihm keinen Namen gegeben, fand ich immer lächerlich.

Professor, *1960
Stau | Ja, und solch einen Stau hat nie jemand besser beschrieben als Hans Joachim Schädlich in seinem Roman ,,Schott“ (1992): »Erst fahren die Autos vor Schott unvermutet ein wenig schneller als die Autos vor den Autos, die neben Schott fahren. Schott fährt sogleich ein wenig schneller. Er läßt sie Autos neben sich augenblicklich neben sich hinter sich...«

Politikwissenschaftlerin, *1961
Erster Computer | Mein erster Computer war ein gebrauchter Laptop. Die "Anschaffung" geschah im Jahr 2000.

Studentin, *1985
Mauerfall | Meine Eltern wollten schon über Ungarn fliehen und dann war es endlich vorbei.

Musiker, *1947
Millennium | Ich war im Bosrucktunnel auf der Rückfahrt von Linz nach Graz. Als die Bummerin (Glocke vom Stephansdom) schlug, fuhr ich gerade über die Grenze von Oberösterreich zur Steiermark - mitten im Berg.

Frau, *1953
Millennium | Ganz normal auf der Straße vor unserem Haus. Es war wenig los. Alle waren wohl in der Innenstadt und trampelten sich fast tot. Eigenartig, dass bei solchen Daten immer eine hysterische Stimmung aufkommt.

Mann, Außenhändler, *1963
Mutter | Sie war eine arme Frau.

Professor, *1960
Vater | »Mein Vater war der erste Mensch, den ich habe lesen sehen, und das entschied über mein Leben.« (Ludwig Harig) Mit einem Buch saß er abends im Sessel, die Füße hoch, ein Glas Mineralwasser neben sich. Als wir noch klein waren, nahm er uns auf seine Baustellen mit. Unterwegs gab es eine Bockwurst und einen halben Liter Milch. Im Keller hatte er sich eine Werkstatt eingerichtet.

pensionärin, *1944
Erster Kuss | ich war " schon " 16
längst überfällig. alle meine freundinnen hatten bereits geküsst. den inhalten diverser romane zufolge hatte ich bestimmte aufregende vorstellungen.
als sich dann die gelegenheit bot, es war eine vollmondnacht, das objekt meiner begierden führte mich an einem kleinen see vorbei, auf dem schwäne dahinglitten, es hätte keine bessere kulisse sein können für mein vorhaben..... beutelte mich ein lachanfall. das alles erschien mir dermaßen grotesk.
der arme junge dauert mich heute noch, zumal ich, in etwas reiferem alter, der sache durchaus begeisterung entgegen brachte.

Theologin, *1968
Spielzeug | Eine Puppe, die ich mit 10 oder 11 Jahren bekam. Ich fand es seltsam, dass ich in dieser Zeit zu einer Puppe!! so ein inniges Gefühl aufbauen konnte. In der Schule sitzend konnte ich es kaum erwarten, sie endlich wieder in die Arme nehmen zu können.

Marketingmanager, *1969
Sommermärchen | Ja viele - wenige von Relevanz.

Sozialpädagogin, *1954
Mauerfall | Ja, es war sehr aufwühlend, da ich in Dresden geboten bin und unsere Familie seit dem Mauerbau getrennt war.

Tagesmutter, *1959
Sommermärchen | Ein wenig, in Leipzig war recht viel los und eine meiner Muttis der Kinder die ich betreue , hat in Leipzig auf dem Augustusplatz eine kurze Ansprache vor dem Spiel der Spanier gehalten, sie ist Spanierin gewesen, hat mich ein wenig stolz gemacht.

Fahrlehrer, *1935
Reise | Eine wunderbare Reise mit meinen erwachsenen Kindern zu einer Enkelin nach Liverpool, d i e 3-Personentour nach 40 Jahren. Obwohl wir die Stadt in vielen Facetten "erlebten", war doch dieses herrliche Gefühl der Gemeinsamkeit und übereinstimmender Empfindungen das Erlebnis dieser Reise.
Die Tage waren ausgefüllt beim Bestaunen von Kunst und Kultur. Wir genossen den Flair der brit.Großstadt.

Ergotherapeutin, *1946
Spielzeug | Ein Puppenhaus, ich teilte es mit meiner Schwester . Wir konnten stundenlang damit spielen. Einmal spielten wir bis in die Nacht hinein . Mutter war längst ins Bett gegangen und Vater lag auf dem Sofa und war eingeschlafen . Es war Winter , irgendwann ging der Kohleofen aus und es wurde richtig kalt . Als Vater von der Kälte aufwachte , rief er entsetzt : "es ist ja schon weit nach Mitternacht !" Bibbernd vor Kälte krochen wir ins Bett und wärmten uns gegenseitig .

Organisationsentwickler, *1972
Millennium | Ich wohnte in einer WG mit 5 MitbewohnerInnen auf 270 qm mit Blick auf die Weser. Es war großartig, als um 12 die Raketen vor unseren Augen explodierten - wir standen auf dem Dach.

Studierende Mama, *1984
Erster Kuss | Ja, sogar noch an meinen ersten Übe-Kuss mit einer Freundin, denn wir wollten ja vorbereitet sein.

Buchhändler, *1975
Mauerfall | Ich dachte:: "Oh, je, jetzt kommen die ganzen anstrengenden Verwandten zu Besuch."
Meine Großeltern waren in den 50ern aus Sachsen geflohen und wir hatten deshalb viele Verwandte, mit denen wir regen Kontakt pflegten und denen wir unzählige Pakete schickten.

Meine Eltern konnten es gar nicht fassen. Im Fernsehen sagte ein Politiker, wer heute schlafe sei nicht normal. Ich bin trotzdem früh ins Bett gegangen.

Lehrerin, *1983
Erster Computer | Ja, ein Laptop, 2002.

Ingenieur, *1952
Mauerfall | Was für eine Nacht! Als gebürtiger Mitteldeutscher , nicht Ostdeutscher, war man hin und weg.

Redakteurin, *1966
11. September 2001 | Meine Tochter war gerade geboren, am 3. September. Ich lebte in Frankfurt/Main mit der Aussicht auf die Skyline und dachte immer: Jetzt bin ich Mutter und jetzt kommt ein Krieg?

Ein Berliner aus Duisburg, *1962
Sommermärchen | Seit Jahren verschollene englische Freunde riefen an, weil sie hofften, an Karten kommen zu können.

Typographikerin, *1949
Erster Computer | Ja, aber die Zeit weiss ich nicht mehr. Da hatte ich so einen grossen Kasten unter dem Schreibtisch stehen und einen schönen großen Bildschirm. Da ich sehr technikbegeistert bin, hat es mir sehr viel Spaß gemacht, damit zu arbeiten - und macht es heute noch. Mein Mann ist mein Lexikon, wenn ich eine Frage habe, kann ich immer ihn fragen.

krankenschwester, *1964
Erster Computer | Ist ja noch nicht sooo lange her. War trotzdem kein aufreger für mich, eher mühsamer kleinkram, der nicht so wollte wie ich.

Künstlerin, *1966
Erster Schultag | Ja. Ich konnte bereits lesen und schreiben, obwohl ich erst 5 Jahre alt war. Wir mußten viele Arbeitsblätter ausfüllen, ich fand es entsetzlich langweilig. Unsere Lehrerin hieß "Fräulein H.", sie kam mir uralt vor, war sie auch, mindestens 60, aber eben unverheiratet, deswegen Fräulein. Meine Schultüte hatte meine Mutter selbst gemacht, aus durchsichtiger Folie, man konnte sehen was drin war. Jede Menge Süßes natürlich, eigentlich ausschließlich. Ich trug passende Kniestrümpfe mit Buchstaben drauf, es war ein heißer Tag, das Leder meines Schulranzens roch intensiv und ich hatte dicke, abgestehende Zöpfe und meine Eltern machten Fotos von mir am Rande eines Kornfeldes mit Ranzen, Schultüte und Schärpe.

Fotografin, *1963
Gedicht | Ein Gebet: Müde bin ich geh zur Ruh, schließe beide Äuglein zu, Vater lass die Augen Dein, über meinem Bette sein. Hab ich Unrecht heut getan, sieh es Lieber Gott nicht an, deine Gnad' und Jesu Blut, machen allen Schaden gut.

Diplom-Bibliothekar, *1965
Reise | An eine Reise in die Bretgane als Jugendlicher kann ich mich noch sehr gut erinnern. Meine Geschwister und ich haben eine Flaschenpost ins Meer geworfen, schon während des Urlaubs bekamen wir Antwort von einem Einheimischen. Meine Familie hat ihn besucht, er erzählte vom Krieg und dass er im U-Boot versenkt worden ist. Daher rührte seine "Nie-wieder-Krieg-Haltung" - das hat mich tief beeindruckt.

Geograph, *1953
Mutter | Eine tolle Mutter. Hat mich allein großgezogen, mit viel Einsatz, ohne Geld. Vor allem aber hat sie nicht wie viele Mütter geklammert und so konnte ich meinen Weg gehen. Sie ist noch immer ein Ratgeber.

Ein Mann, *1966
Millennium | Ich erinnere mich nicht.

Theologin, *1968
11. September 2001 | Als ich nachmittags meine Tochter aus dem Kindergarten abhole, erzähle ich, wohl selbst noch verwirrt, dass Flugzeuge ins World Trade Centre geflogen seien. Die Erzieherin, bis dahin uninformiert, fragte zurück: "Ach, in die Schönhauser Allee Arkarden?" Sie verstand nur "Centre".

Ärztin, *1955
Erster Kuss | Es war ein sehr unangenehmer feuchter Probekuß mit einem Jungen aus der Nachbarschaft, mit dem mich keine besondere Zuneigung verband. Die spätern richtigen Küsse waren wunderbar.

Politikwissenschaftlerin, *1961
Erster Schultag | An meinen ersten Schultag kann ich mich kaum noch erinnern. Nur die Fotos von damals sind noch da, und der kleine graue Teddy, der oben auf meiner Zuckertüte saß.

Schülerin, *1998
Erster Computer | Ja, ich habe leider Kirschsaft über ihn gekippt.

Personalreferentin, *1947
Erster Schultag | Ja, an den Kampf um einen Platz an einem Vierertisch in der Klasse, weil ich unbedingt mit meiner Freundin Monika zusammen sitzen wollte. Es gab Tränen dabei, ich wollte weglaufen. Aber irgendwie saßen wir dann doch zusammen.
Jetzt während des Schreibens fällt mir noch meine Mutter ein, die sich schick gemacht hatte, mich zur Schule brachte, ein flottes, schwarzes Hütchen auf dem Kopf! Ich sah sie so mit Hut zum ersten Mal, etwas komisch sah sie aus, war mir ganz fremd, sonst setzte sie so etwas nie auf. Sie hatte bestimmt nur den einen Hut.

Studentin, *1987
Mauerfall | Ich war noch klein und auch nicht in Deutschland.

Sozialarbeiterin, *1960
11. September 2001 | Wer kann diesen Tag vergessen? Ich kam übermüdet am frühen Abend nach Hause und fuhr den PC hoch, um schnell die privaten Mails zu checken. Im Nachrichtenfenster meines Maidienstes las ich die Nachricht, dass ein Flugzeug in die Türme des WTC geflogen seien. Ich dachte, dass sei ein fiktiver Film und habe den PC wieder ausgemacht und erst einmal geschlafen. Erst später, als ich die Nachrichten sah gewahrte ich, dass es keine Fiktion war

Fahrlehrer, *1935
Vater | Nur in den kurzen Urlauben der Kriegszeit erlebte ich ihn, erinnere mich der Spaziergänge, bei denen er liebevoll seine beiden Söhne an den Händchen führte. Die letzten Abendstunden vor seiner Abreise ohne Rückkehr, erzählte er der kleinen Familie Geschichten, denen wir begeistert zuhörten. Sein unglaublich herzliches Lachen bleibt mir auch noch heute, nach 70 Jahren, in guter Erinnerung.

Mann, *1973
11. September 2001 | Begeisterung darüber, dass die Amis auch mal aufs Maul kriegen mischte sich mit Angst vorm dritten Weltkrieg. Wir dachten in den nächsten Stunden fliegen die Atomsprengkörper.

Kommunikationsmanagerin, *1980
Großeltern | Meine Oma erzählte viele Geschichten "von früher" und löste gern Kreuzworträtsel. Aus Frauenzeitschriften riss sie Rezepte aus, die sie uns für meine Mutter mitgab. Sie arbeitete noch lang selbst im Garten, baute dann allein aber schnell ab und starb nur wenige Monate nach dem Tod meines Großvaters.
Mein Opa fotografierte viel auf Familienfesten, zum Leidwesen meines Vaters, der nicht fotografiert werden wollte. Er schrieb uns jede Woche Briefe ähnlichen Inhalts. In einem Buch notierte er genau, wem er wann geschrieben hatte und von wem er wann Post erhalten hatte, jeden Anruf mit Uhrzeit und jeden Besuch mit Dauer.
Meine anderen Großeltern waren moderner, flogen nach Mallorca und feierten gern. Sie starben schon in den 90er Jahren.

Lehrerin, *1983
Spielzeug | Meine Brio-Holzeisenbahn.

Lebenskünstlerin, *80
Mauerfall | Ja. Erfassen konnte ich es aber nicht.

Eine Frau, *1950
Spielzeug | Holztierchen

Redakteurin, *1966
Spielzeug | Meine Puppen.

apfelhari, *1944
Mauerfall | Ja, ich saß wie gebannt vor dem Fernseher und war Zeuge historischer Ereignisse. Nicht nur am Tag des Mauerfalls, sondern auch davor und danach.

Psychotherapeutin, *1956
Erster Computer | Oh ja, er nahm den halben Schreibtisch ein und ständig ging irgendetwas nicht.

Künstlerin, *1966
Erster Computer | Ja. Ich habe mich lange gegen einen PC gewehrt, aber irgendwann überreden lassen. Mein Statement war immer gewesen: "Man kann keine Märchen auf einem Computer schreiben." Ich ließ mich schnell eines Besseren belehren, alleine die endlosen Schriften (Truetypes) waren göttlich.
Heute unvorstellbar, was man damals alles mit 2 MB Arbeitsspeicher gemacht hat!

Hausmeister, *1950
Gedicht | Ja, mehrere: Christian Morgenstern 1 und 2 aus"Wir fanden einen Pfad"; W. Busch, Strebst du nach des Himmels Freude... aus der Kritik des Herzens; J.W. von Goethe "Wanderers Gemütsruhe" aus dem West-östlichen Diwan

Ingenieurin, *1964
Millennium | Krank im Bett zuhause mit dem Radio und stündlichen Jahreswechseln rund um den Globus

Norddeutscher, *1962
Erster Computer | Ich kann mich an jeden einzelnen meiner Computer erinnern. Mein erster Computer war gar kein richtiges Elektronenhirn, sondern ein Word Processor von der Firma Panasonic. Der hatte einen Bildschirm, der aber nicht mal hintergrundbeleuchtet war. Und ein unendlich langsames Diskettenlaufwerk. Man konnte seine Texte damit gleich ausdrucken oder auch speichern. Es war im Grunde genommen eine Typenradschreibmaschine mit sehr viel Elektronik. Mein zweiter, und eigentlich erster Computer, war ein Apple Notebook. Das war 1994. Der konnte noch nicht sehr viel, weniger als mein heutiges Smartphone.

Ein Mann, *1968
Erster Kuss | Auf jeden Fall. Das werde ich nie wieder vergessen.

Germanistin, *1930
Gedicht | Ja, einige. Alle berühmten Balladen, auch Schillers "Glocke" mußten wir in der Schule auswendig lernen.
Hier ein lustiges:
Dunkel war´s , der Mond schien helle,
als ein Wagen blitzeschnelle,
langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen saßen stehend Leute,
schweigend ins Gespräch vertieft,
als ein totgeschoßner Hase
über´n Sandberg Schlittschuh lie.

Diplom-Bibliothekar, *1965
Tiere | Erdmännchen, der solidarische Lebensverband hat mich immer beeindruckt.

Ein Mann, *1968
Erster Schultag | Ich wurde mit meinem besten Freund eingeschult. Wir hatten uns sofort zusammengesetzt. Aber dann musste ich ein paar Bänke vor, weil ich nicht so gross war.

Musiker, *1963
Erster Schultag | Ja. Es war der Tag, an dem ich realisierte, dass ich nun eingezogen werde in gnadenlose Langeweile, sinnlose Vorschriften, in die öffentliche Verdammnis jeglicher persönlichen Ansicht der Welt, in stupide Disziplinierung und in das Mitansehen-Müssen der kollektiven Zerstörung aller Individuen, die persönliche Züge nicht nur zeigten, sondern vielleicht nur schon ahnen liessen. Es war der Tag, an dem ich die Hoffnung auf ein freudvolles Leben ein für alle mal fallen liess.

Schülerin, *2001
Erster Computer | zum 11. Geburtstag! Ich war gerade nach Berlin gezogen...

Corporierter, *1959
11. September 2001 | Ja. Ich war geschäftlich in Wien und habe die Nachricht auf Höhe des Naschmarktes stadtauswärts im Autoradio gehört.

Studentin, *1987
11. September 2001 | Ich habe die Bilder im Fernsehen gesehen, ohne mir bewusst zu machen, was das bedeutet. Es schien so weit weg.

Sportmanager, *1977
Spielzeug | Ein Spielzeugtrecker von John Deere. Grün mit gelben Streifen, leider ohne Schaufel...

Psychotherapeutin, *1956
Erster Schultag | Nur sehr vage, ich glaube aber, ich bin gerne dahin gegangen.

Sportmanager, *1977
Mauerfall | Nein. Aber ein Schulfreund, der eine Weile zuvor nach Berlin gezogen war schickte mir ein Stück Berliner Mauer. Und mein Cousin aus Berlin brachte mir auch ein Stück mit. Das ließ mich ahnen, dass Großes passiert war...

Eine Frau, *1950
Mauerfall | Ja, ganz genau. Ich war vollkommen überrascht, weil ich vorher überzeugt war, die DDR würde noch über meinen Tod hinaus existieren.

Archäologe, *1974
Erster Kuss | Ich schwebte danach 20 cm über dem Boden.

Hausmeister, *1950
Millennium | An der Elbe unterhalb des Schlosses Albrechtsberg. Ringsum fand ein gewaltiges Silvesterfeuerwerk statt. Alle Menschen - auch wildfremde - wünschten sich ein gesundes neues Jahr und auf dem Rückweg lag auf dem Blauen Wunder knöchelhoch der Silvestermüll.

Eine Frau, *1968
11. September 2001 | Ich war mit meinem Mann und meinem zweijährigen Sohn im Urlaub in Griechenland. Ich rief bei unserer Nachbarin an, um zu fragen, ob zuhause alles in Ordnung sei, da sagte sie mir, dass das World Trade Center brenne und ein Turm schon eingestürzt sei. Ich sagte ihr, sie solle die Videokassette aus dem Recorder nehmen oder nicht immer so lange abends spannende Filme schauen, und lachte dabei. Das Lachen ist mir in Sekundenschnelle vergangen....

Mann, *1963
11. September 2001 | Am Tag nach dem 11. September sagten mir Kinder, jetzt breche dann der 3. Weltkrieg aus, jedenfalls habe ihr Onkel das gesagt.

Steuerberaterin, *1979
Erster Computer | Meine Freundin hatte einen Commodore, aber mein Vater meinte, wenn dann richtig und so bekam ich zu Weihnachten einen PC. Zuerst habe ich nur eine Maus bekommen und musste den Rest der PC-Teile überall suchen. Und dann habe ich angefangen zu spielen - ein Spiel namens Sokoban, wo man irgendwie Kisten zur Seite schieben musste.

ein Mann, *1975
Spielzeug | Pickup Truck als Matchboxauto. Den wollte ich unbedingt haben, weil er dem Auto von meiner Lieblingsfernsehserie (ein Colt für alle Fälle) glich. ich habe ihn von einem Klassenkameraden gegen alle meine Biene Maja Kassetten eingetauscht. mindestens 10 Kassetten gegen 1 Matchboxauto. aber damals fühlte ich mich zu alt für Biene Maja. Heute steht das Auto noch in der Garage über dem Waschbecken. Komischer Platz, genauso komisch wie der Tausch damals.